Das norwegische Energieunternehmen Statkraft schreibt mit seinen Gaskraftwerken in Deutschland hohe Verluste. Allein im vergangenen Jahr ist die Stromerzeugung in den eigenen Anlagen um die Hälfte auf nur eine Terawattstunde eingebrochen. Auf Nachfrage von BIZZ energy today waren die Kraftwerke nur knapp über 1.000 Volllaststunden in Betrieb – etwa 4.000 Volllaststunden sind für Rentabilität nötig. 

„Momentan tragen allein die Kraftwerksbetreiber die Kosten für die Vorhaltung der Kraftwerke“, sagte Jürgen Tzschoppe, Geschäftsführer Statkraft Markets, auf der E-World in Essen. Eine Sprecherin bestätigte alamierende Zahlen. Der Betrieb der Gas- und Dampturbinen-Kraftwerke kostet Statkraft derzeit pro Jahr bis zu 20 Millionen Euro, der Gewinn aus dem Stromverkauf liege jedoch bei nur einer Million Euro. „Wir sind weit davon entfernt, auch nur die reinen Betriebskosten zu decken“, sagt Tzschoppe. Für Deutschland stelle sich die Frage, wie die Stilllegung hocheffizienter Anlagen verhindert werden kann. Deswegen müsse künftig die Vorhaltung der Kapazität honoriert werden.  

Kapazitätsmechanismen fordert auch der Düsseldorfer Versorger Eon, der in Deutschland Gaskraftwerke mit einer Kapazität von 4.400 Megawatt betreibt. Für die hochmodernen GuD-Anlagen Irsching 4 und 5 konnte Eon mit Netzbetreiber Tennet immerhin noch eine Sondervereinbarung treffen. Tennet hält seitdem die Betriebshoheit für die beiden Anlagen mit einer Gesamtkapazität von rund 1.400 Megawatt und gewährt Eon dafür auskömmliche Margen. „Die Kraftwerke laufen seitdem auch in Zeiten, in denen wir sie aus wirtschaftlichen Gründen niemals einsetzen würden“, erklärte ein Eon-Sprecher. Wegen der zunehmend geringen Auslastung möchte Eon Steinkohle-, Öl- und Gaskraftwerke mit insgesamt 2.500 Megawatt Leistung vom Netz nehmen, entsprechende Anträge liegen der Bundesnetzagentur bereits vor.

 
Ohne Tennet würde auch das GuD-Kraftwerk in Irsching für Eon keinen Gewinn abwerfen (Eon)