Elektromobilität
05.04.2018

Mittelständler BMZ reitet auf der Batteriewelle

Foto: BMZ
BMZ-Produktion in Polen. In Gliwice haben die Unterfranken 2017 neue Hallen bezogen und hunderte zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen.

Der Batterieboom beschert BMZ Wachstumsraten um 30 Prozent. Die Gruppe expandiert in China, den USA und in Polen. Branchenkenner warnen aber bereits vor einer Blase auf dem Batteriemarkt.

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Das Unternehmen mit Hauptsitz in Karlstein am Main zählt zu Deutschlands größten Gewinnern des Hypes um die Stromversorgung per Akku: „Wir wachsen pro Jahr um 30 Prozent“, sagt Sven Bauer, Chef des Batterieherstellers BMZ im Gespräch mit dem Magazin bizz energy. In diesem Jahr will der mit seinem Unternehmen die Umsatzmarke von 500 Millionen US-Dollar (407 Millionen Euro) überschreiten. Dank des boomenden, globalen Marktes für Batteriemodule wagt Bauer zudem eine kühne Prognose: bis 2027 will er einen Jahresumsatz von 2,7 Milliarden Euro erreichen. 

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Elektrobusse, E-Bikes, Flurfördergeräte, Solar-Heimspeicher, Mähroboter und Staubsauger – dies sind nur einige der Anwendungen, in denen BMZ-Akkus stecken. 1994 als kleines „Batterien-Montage-Zentrum“ gegründet, zählt der Mittelständler heute mehr als 2.400 Mitarbeiter. Er beliefert Kunden wie Solaris Bus, Stihl, Metabo, John Deere, Husqvarna, Miele, Vorwerk und Dyson. Auch die Post-Tochter Streetscooter zählt zu seinen Abnehmern. Batteriemodule aus Karlstein befinden sich Branchenkennern zufolge auch in Heimspeichern von Sonnen und E3DC.

Starkes Wachstum in Polen und China

Besonders anschaulich wird das Wachstum von BMZ derzeit in Polen und China: An den Produktionsstandorten Gliwice und Shenzhen haben die Unterfranken im vergangenen Jahr neue, größere Hallen bezogen und hunderte zusätzliche Mitarbeiter eingestellt. In Polen bedienen sie vor allem den stark wachsenden Markt für Elektrobusse. Auch in China, dem weltgrößten Markt für E-Auto-Batterien, drängen sie ins Mobilitätsgeschäft. Sven Bauer sieht sich dort im taktischen Vorteil. Die chinesische Konkurrenz arbeitet mit Eisenphosphat-Lithium-Ionen-Zellen aus heimischer Produktion, die eine geringere Energiedichte aufweisen als die von BMZ verwendeten Lithium-Ionen-Zellen mit einem Nickel-Mangan-Kobalt-Gemisch. „Die haben die Chinesen nicht, die kaufen sie von uns“, sagt der 52-Jährige BMZ-Gründer und Alleineigentümer.

BMZ profitiert dabei indirekt von einer chinesischen Subventionsregel: Um heimische Batteriehersteller gegen Konkurrenz aus Japan und Südkorea zu schützen, werden nur jene Fahrzeuge mit chinesischen Batterien mit 50 Prozent des Kaufpreises subventioniert. Die Folge: die chinesische Eisenphosphat-Technologie ist im Reich der Mitte zur Norm geworden. Chinas Batteriehersteller ließen die Nickel-Mangan-Kobalt-Technologie links liegen.

Chinesischer Markt verlangt nach Alternativen

Diese Privilegierung scheint sich nun zu rächen: Inzwischen verlangt nach Bauers Worten nämlich auch der chinesische Markt nach den leistungsstärkeren und leichteren Batterien mit Nickel-Mangan-Kobalt-Gemisch. Deren Zellen würden überwiegend von japanischen und südkoreanischen Herstellern geliefert, bei denen BMZ Produktionslinien verbindlich gemietet habe, sagt Bauer. BMZ beliefert in China unter anderem die Fertigung des Berliner E-Busherstellers Eurabus.

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Keywords:
Batterien | Batterieproduktion | Elektromobilität | BMZ | Mittelständler
Ressorts:
Technology | Markets

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