Solarenergie
05.07.2013

Modulhersteller Conergy ist pleite

Foto: Conergy

Mit der Insolvenz des Hamburger Modulherstellers Conergy fordert die Solarkrise ein weiteres prominentes Opfer in Deutschland. Die einstige Vorzeigebranche steht vor einem Scherbenhaufen. Eine Analyse.

Am Ende ging alles ganz schnell. Der Hamburger Modulhersteller Conergy will noch am Freitag einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens stellen. Auch alle Tochtergesellschaften seien davon betroffen, teilte das Unternehmen in einer knappen Erklärung mit. Eine weitere Größe der deutschen Solarindustrie steht damit vor dem Aus. 

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Noch vor einigen Jahren dominierten Unternehmen wie Q-Cells, Solarworld oder Conergy den Weltmarkt der Solarindustrie. Doch der Erfolg war nur von kurzer Dauer. Q-Cells gehört mittlerweile dem koreanischen Konzern Hanwha, Solarworld kämpf mit allen Mitteln ums Überleben. Viele kleinere Unternehmen, wie Inventux oder Sulfurcell, sind längst pleite. Bosch und Siemens haben sich aus der Solarenergie mangels Profitabilität verabschiedet. 

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Immer weniger Beschäftigte

Der Niedergang zeigt sich auch in den Beschäftigungszahlen. Wie aus einer aktuellen Mitteilung der Bundesregierung auf eine Anfrage der Fraktion der Linken im Bundestag hervorgeht, arbeiteten Ende 2012 noch 87.000 Menschen in der deutschen Solarwirtschaft, 23.000 weniger als im Jahr zuvor. Am Ende dieses Jahres dürften es noch einmal deutlich weniger sein, da Bosch seine Solarstandorte in Deutschland loswerden möchte.

Die Gründe für die Situation sind vielschichtig. Natürlich macht die, mit dem eisernen Willen Pekings aufgebaute chinesische Solarindustrie den deutschen und europäischen Herstellern das Leben schwer. Die Chinesen starteten einen mörderischen Preiskampf, der allerdings auch in den eigenen Reihen Opfer forderte, wie etwa Suntech. Die staatliche Hilfe der chinesischen Regierung für die dortige Solarbranche ist aber nicht der einzige Grund für die Misere der deutschen Hersteller. Schließlich wurden auch die Unternehmen hierzulande mit günstigen öffentlichen Darlehen nach Ostdeutschland gelockt, etwa ins Solarvalley Mitteldeutschland, das zwischen Dresden und Leipzig liegt. 

Zu wenig Innovationen?

Ein Vorwurf der immer wieder zu hören ist: Die deutschen Solarunternehmen hätten sich, im Vertrauen auf die gute Förderung über das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), zu lange ausgeruht und zu wenig in Produktinnovationen investiert. „Das Geschäftsmodell, ausschließlich Module aus Basis staatlicher Subventionen herzustellen, ist am Ende“, sagte der Geschäftsführer des Dresdner Solarunternehmens Solarwatt, Detlef Neuhaus, kürzlich zu BIZZ energy today.

Der deutsche Solarverband BSW war allerdings jahrelang nur damit beschäftigt, für möglichst hohe Einspeisetarife zu lobbyieren. Mittlerweile lichten sich die Reihen der Mitglieder: Die einen sind pleite, andere, wie zuletzt Wacker Chemie, kehren dem Verband erbost den Rücken.

Dabei zeigt ein Blick in die USA, dass es durchaus möglich ist, im Wettbewerb mit den Asiaten zu bestehen. Unternehmen wie First Solar, Sunpower und der Wechselrichterhersteller Power One stehen derzeit gut da.

Conergy hofft auf Investor

Die Probleme bei Conergy liegen allerdings tiefer. Zu Zeiten der Siliziumknappheit schlossen die Hamburger langfristige Lieferverträge für den Rohstoff. Doch als sich die Siliziumknappheit nur als kurze Episode erwies, fielen dem Unternehmen die teuren Kontrakte auf die Füße. Zudem versuchte sich der Modulhersteller auch auf anderen Feldern, wie der Windenergie und der Bioenergie – letztendlich erfolglos. 

Bei Conergy hatte die Unternehmensspitze noch bis zum Schluss auf einen Deal mit einem neuen Investor gehofft. Der sollte ironischerweise ausgerechnet aus Asien kommen. Der Investor hätte, so der Plan, einen Teil der Schulden übernommen und eine Eigenkapitalspritze von 50 Millionen Euro begesteuert.

Neue Geschäftsideen gefragt

Offenbar ging den Hamburgern aber vor einer Einigung das Geld aus. Das Management zeigt sich am Freitag edoch optimistisch, mithilfe eines Investors „eine Weiterführung des gesamten Geschäftsbetriebs zu erreichen“.

Dass dies funktionieren kann, zeigt das Beispiel Solarwatt. Der Modulhersteller meldete im Jahr 2012 Insolvenz an und startete nun wieder durch – mit neuer Strategie und einer Finanzspritze des BMW-Erben Stefan Quandt. 

Um eine Zukunft zu haben muss es Conergy nun gelingen, ein Konzept jenseits der aussließlichen Produktion von Solarmodulen zu entwickeln, denn die ist in anderen Staaten, allen voran China, deutlich günstiger. Ein Thema für die Zukunft könnten komplexe Solarspeichersysteme sein. 

Trotz aktueller Probleme ist auch der Wechselrichterhersteller SMA aus Kassel ein Beispiel dafür, dass sich auch deutsche Unternehmen mit innovativen und anspruchsvollen Produktionen behaupten können. SMA ist weiterhin Weltmarktführer bei den Wechselrichtern.

Conergy-Chef Philip Comberg hat die Notwendigkeit zum Umsteuern erkannt. Während die reinen Komponenten und die Produktion an Bedeutung verlieren, gewinnen Komplettlösungen sowie weiche Faktoren wie Kundennähe oder Serviceleistungen an Gewicht", schrieb er unlängst in einem Beitrag für BIZZ energy today. Hoffentlich kommt diese Einsicht nicht zu spät

 

 

Karsten Wiedemann
Keywords:
Conergy | Solarworld | SMA | Solarenergie | Suntech | First Solar | China | USA | Solarindustrie | EEG | Photovoltaik
Ressorts:
Markets

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