Russland
19.05.2016

Mosambik statt Sibirien

Foto: Russische Regierung
Exxon-Chef Rex Tillerson will den Draht zu Staatspräsident Wladimir Putin (Mitte) trotz westlicher Sanktionen nicht abreißen lassen.

Trotz westlicher Wirtschaftssanktionen gegen Russland: Die Ölgiganten Exxon und Rosneft machen gemeinsame Sache – allerdings zunächst in Afrika.

 

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Rhetorisch sind Russland und die USA in den vergangenen beiden Jahren immer weiter auseinandergerückt. Vor allem die Energiebranche der Russen ist zum Ziel westlicher Sanktionen im Zuge der Ukraine-Krise geworden. Nichtsdestotrotz: Die Energiekonzerne beider Staaten setzen nach wie vor auf partnerschaftliche Beziehungen –  auch wenn sie dafür Umwege in Kauf nehmen müssen. So will Rosneft, Russlands größter Ölförderer, seine strategische Partnerschaft mit dem US-Konzern ExxonMobil trotz der trüben politischen Großwetterlage sogar ausbauen. Wie im kürzlich veröffentlichten Rosneft-Jahresbericht zu lesen ist, wollen beide Großunternehmen mit der Exploration mehrerer Ölfelder vor der Küste des afrikanischen Landes Mosambik beginnen. Bereits im vergangenen Jahr, als die Sanktionen schon wirksam waren, konnten die beiden Partner eine Ausschreibung der Regierung von Mosambik für sich entscheiden. „Im Rahmen unserer Kooperation mit ExxonMobil wurde ein Konsortium gegründet. Die Arbeiten werden im dritten oder vierten Quartal 2016 beginnen“, heißt es im Rosneft-Geschäftsbericht. Exxon übernimmt im neuen Konsortium demnach die Führungsrolle, während der russische Ölgigant sich mit einem Anteil von 20 Prozent begnügt.

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Neun von zehn Projekten liegen auf Eis

Dabei wurde ausgerechnet Exxon besonders durch die Sanktionen der USA gegen Russland getroffen. Schließlich hatte das Unternehmen etwa zehn Projekte in Russland angepeilt, die meisten davon im Offshore-Bereich, alle gemeinsam mit dem Staatskonzern Rosneft. Umgesetzt werden konnte nur eines davon, weil die USA unter anderem die Lieferung von wichtiger Ausrüstung für die Öl-und Gasförderung jenseits des Festlandes an Russland untersagten. Lediglich das Sakhalin-1-Projekt auf einer russischen Insel nördlich von Japan läuft bis heute erfolgreich. An dem Konsortium halten die Amerikaner 30 Prozent, 20 Prozent gehören Rosneft, der Rest gehört Partnern aus Indien und Japan. Insgesamt neun andere Projekte in Westsibirien, im Schelf der Kara-See oder vor der Küste des Schwarzen Meeres musste Exxon auf Eis legen und verbuchte deshalb laut Jahresbericht einen Verlust von einer Milliarde Dollar. Auch die Russen verzichteten ihrerseits auf eine Option auf einen Anteil am Point-Thomas-Gasfeld in Alaska, das unter Exxon-Regie exploriert wird.

Branchenkenner glauben, dass das gemeinschaftliche Engagement in Afrika ein Weg für beide Gesellschaften ist, die strategische Partnerschaft aufrecht zu erhalten, ohne dabei von der Wirkung westlicher Sanktionen betroffen zu sein. Rosneft ist langfristig auf US-amerikanische Technologien angewiesen, wenn es neue Vorkommen abseits der alten Fördergebiete erschließen will. Die Amerikaner hatten nach Angaben der US-Behörden in Russland bereits eine größere Explorationsfläche reserviert als auf dem Heimatmarkt – bis die Politik einen Strich durch die Rechnung machte. „Exxon wird seine gemeinsamen Projekte mit Rosneft in der russischen Arktis wieder aufnehmen, sobald die Sanktionen aufgehoben sind“, sagt Exxons Russland-Chef Glen Waller. Vorerst muss sich der Mann mit Stellvertreter-Projekten in Afrika begnügen.

Maxim Kireev
Keywords:
Russland | USA | Afrika | Gas | Sanktionen | Rosneft | ExxonMobil
Ressorts:
Governance | Markets

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