Handelsbeziehungen
26.01.2017

Moskau feiert Trump

Foto: kremlin.ru
Rosneft-Chef Igor Setschin und Rex Tillerson, künftiger US-Außenminsister.

Russische Energiemanager rechnen mit einer deutlichen Verbesserung der Beziehungen zu Washington.

Noch nie zuvor wurde die Amtseinführung eines amerikanischen Präsidenten in Moskau gefeiert. Diesmal, bei der Vereidigung von Donald Trump am 20. Januar,  aber schon – und zwar ausgiebig. Russische Trump-Fans versammelten sich nur einen Steinwurf vom Kreml entfernt im ehemaligen Telegrafenamt, das einst auch die Zensur-Abteilung beherbergte. Zur Live-Übertragung von Trumps Antrittsrede reichten die Kellner Champagner, während ein Teil der Gäste ihre Gesichter hinter den berühmten Guy-Fawkes-Masken versteckte – in Anspielung auf die anonymen Hackerangriffe auf Trumps Gegnerin Hillary Clinton. Die Party finanzierte der kremlnahe Oligarch Konstantin Malofejew, der auch einen patriotischen TV-Sender betreibt. Dessen Motto lautet ganz ähnlich wie das von Trump, nur mit anderem Protogonisten: „Russia first“

Anzeige

Anzeige

Etwas weniger pompös ging es zur gleichen Zeit in einem kleinen Jazz-Club an der berühmten Moskauer Arbat-Straße zu. Auch dort gab es zur Feier des Tages einen Wodka aufs Haus. Auf der Bühne spielte eine Band, die zufällig Trump heißt. Die Stimmung sei feierlich gewesen, berichten Besucher.

Tatsächlich verbinden viele Russen mit dem neuen US-Präsidenten – anders als vielerorts auf der Welt – vor allem Hoffnung auf eine Normalisierung der Verhältnisse. Dazu beigetragen hat auch das massive Bashing von Ex-Präsident Obama und Hillary Clinton in den russischen Staatsmedien. So hatten Kreml-Chef Wladimir Putin und Donald Trump einen gemeinsamen Feind. Aber nicht nur das: Seit Jahren gibt sich Putin in Russland als Schutzpatron der kleinen Leute, worauf auch Trump in seinem Wahlkampf gesetzt hat. Für die gewöhnlichen Russen wirkt der neue US-Präsident deshalb wie ein vertrauter Politiker.

Gute Laune dürfte auch in den Chefetagen russischer Energiekonzerne herrschen: Schließlich gehörte Obama zu jenen, die als Strafe für Russlands aggressive Außenpolitik stets auch die Energiebranche in Sippenhaft nehmen wollten. Zwar betrifft das Lieferverbot an Russland lediglich Offshore-Anlagen zur Ölförderung, die in Russland kaum zum Einsatz kommen. Dennoch wurden geplante Deals, wie etwa ein Joint-Venture zwischen dem staatlichen Öl-Konzern Rosneft und dem US-Konzern Exxon, auf Eis gelegt. Beobachter wittern nun eine Chance, weil der ehemalige Exxon-CEO Rex Tillerson das US-Außenministerium übernimmt – er ist ein Vertrauter von Igor Setschin, dem Chef von Rosneft.

 

Unter Trump könnten die Ölpreise einbrechen

Doch Branchenkenner in Moskau teilen die Hoffnung von so manchem russischen Ölmanager nicht. Die Sanktionen seien nicht von einem Tag auf den anderen abzuschaffen, sagen sie. Zumal sich Russland gerade erst darum bemüht, im Rahmen des OPEC-Abkommens den eigenen Öl-Export zu senken. Große neue Deals und eine schnelle Annäherung im Energiesektor seien in den kommenden Wochen und Monaten nicht zu erwarten, heißt es in Moskau. 

Darüber hinaus könnte Trump künftig auf Importe aus OPEC-Staaten verzichten. In diesem Fall würden die Ölpreise erneut einbrechen, warnt Mikhail Krutikhon von der Moskauer Consultingfirma RusEnergy. „Dann wird es wieder einen Angebotsüberhang auf den Weltmärkten geben, gegen den die OPEC nichts mehr wird ausrichten können“, sagt er.

Für Russland wäre ein erneutes Abrutschen des Ölpreises ein schwerer Schlag. Schließlich ist das Land gerade im Begriff, aus einer zweijährigen Rezession herauszukommen.

Maxim Kireev, Moskau
Keywords:
Moskau | Doland Trump | Wladimir Putin | Rosneft | Rex Tillerson | Russland
Ressorts:
Governance | Markets

Neuen Kommentar schreiben

 

Newsletter bestellen – Wunschausgabe erhalten

Jetzt den wöchentlichen
Newsletter bizz energy weekly abonnieren
und eine Ausgabe
Ihrer Wahl kostenlos erhalten.

Hier geht es zur Aktion!

 
 

bizz energy Research

Energie, Digitalisierung und Mobilität.
Unsere Factsheets bieten visualisierte Daten, liefern Fakten und stellen Zusammenhänge zu den Top-Themen der Energiewende dar.


Mehr Informationen