Russland
20.07.2016

Moskau finanziert Atomgeschäfte

Foto: Russische Regierung
Alte Weggefährten: Russlands Präsident Wladimir Putin (l.) hat Rosneft-Chef Sergeij Kirijenko mit dem atomaren Wiedereinstieg beauftragt.

Ungeachtet aller Kritik setzt die russische Regierung ihr AKW-Programm fort. Jüngst sagte sie dem Staatskonzern Rosatom ein Darlehen für den Export seiner nuklearen Technik nach Bangladesch in Höhe von zehn Milliarden Euro zu.

 

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Russland treibt seine nukleare Renaissance weiter voran und greift dazu, trotz anhaltender Finanzkrise, tief ins Portemonnaie. Vor wenigen Tagen hat die Regierung um Premier Dimitri Medwedew einen Exportkredit über rund zehn Milliarden Euro für den Bau eines Atomkraftwerks in Bangladesch zugesichert.

Die Errichtung des AKW übernimmt Russlands staatlicher Nuklearmonopolist Rosatom. Zum Einsatz sollen zwei moderne VVER-1200-Reaktoren kommen. Auf dieser Technik ruhen derzeit die Exporthoffnungen der heimischen Atomindustrie. Auch bei Projekten in Finnland, Weißrussland, China und der Türkei soll diese Technik zum Einsatz kommen.

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Der Bau des AKW in Ruppur wurde zwischen Russland und Bangladesch schon 2011 vereinbart. Mit der staatlichen Finanzierung soll das Projekt jetzt an Fahrt aufnehmen. Der Baubeginn ist bereits für den kommenden Sommer angesetzt.

 

Saftige Exportkredite für nukleare Technik

Damit bleibt Russland seiner Strategie treu, den Export eigener Nuklearanlagen mit saftigen Exportkrediten zu unterstützen. Auch beim Bau eines Atomkraftwerks in Finnland durch den Staatskonzern Rosatom will der Staat umgerechnet etwa 2,4 Milliarden Euro aus dem Nationalen Wohlfahrtsfonds zuschießen. Beim Akkuyu-AKW in der Türkei soll Rosatom den Bau komplett selbst übernehmen und am Verkauf von Strom nach der Fertigstellung verdienen. Die Investitionen in das Projekt werden sich nach Schätzungen auf mindestens 20 Milliarden Euro belaufen. Noch teurer könnte der Bau eines AKW in Ägypten werden. Auch hier ist ein russisches Darlehen in Höhe von 22,5 Milliarden Euro im Gespräch.

Rosatom konnte laut eigener Angabe auf diese Weise sein Portfolio an ausländischen Aufträgen auf rund 100 Milliarden Euro steigern. Im vergangenen Jahr stieg der Umsatz im Ausland um knapp 20 Prozent auf 5,65 Milliarden Euro.

 

Hoffnung auf höhere Steuereinnahmen

Am Ende soll davon der klamme russische Staatshaushalt profitieren. Das Projekt in Bangladesch, dessen Bau 2017 beginnen soll, wird nach Meinung der Regierung knapp 7,5 Milliarden Euro an Steuern in die russischen Kassen spülen und Tausende Arbeitsplätze sichern.

Kritiker sehen in den Darlehen jedoch weniger eine Investitionen in ein lukratives Projekt als vielmehr einen direkten Zuschuss an einen aufgeblähten Staatskonzern. Darüber hinaus seien Kredite an Länder wie Bangladesch oder Ägypten viel zu riskant. Tatsächlich sind die Bedingungen, zu denen Russland das Geld fließen lässt, nicht gerade ungünstig für das asiatische Entwicklungsland. Der Zinssatz entspricht dem internationalen Referenzzinsatz plus 1,75 Prozent. Aktuell wären das etwa 2,7 Prozent Jahreszins. Ebenso ist die Laufzeit mit 28 Jahren großzügig bemessen. Zumal die ersten Tilgungen erst in zehn Jahren beginnen sollen, also nach der geplanten Fertigstellung des AKW im Jahr 2024.

So dürfte Russland lange auf sein Geld warten. Erst kürzlich meldete das Finanzministerium, dass China seinen AKW-Kredit aus dem Jahre 1992 vor wenigen Wochen getilgt hatte. Damals ging es noch um die vergleichsweise geringe Summe von 2,5 Milliarden Dollar. 

Maxim Kireev
Keywords:
Russland | Bangladesch | Rosneft | Atomkraft | Exportkredite | Finnland | Ägypten
Ressorts:
Governance | Markets

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