Moskau. Heute jährt sich zum dreißigsten Mal die Nuklearkatastrophe im damals sowjetischen AKW Tschernobyl – der bisher größte Unfall in der zivilen Kernenergie. “Die Tschernobyl-Katastrophe war eine ernste Prüfung für die Menschheit, deren Folgen noch immer auf der Natur und den Menschen lasten“, schreibt Russlands Präsident Wladimir Putin in einem Telegramm an die Opfer und Hinterbliebenen des Reaktorunfalls vor dreißig Jahren.

Die Simulation eines Stromausfalls, ein Testlauf, geriet in der Nacht auf den 26. April 1986 außer Kontrolle und führte zu einer Kernschmelze. Hunderttausende Menschen mussten das Gebiet um den Reaktor vorlassen, Zehntausende starben an den Folgen der Strahlung. Besonders gewürdigt werden heute die Aufräumarbeiter, die in Weißrussand, Ukraine und Russland zur größten Gruppe der Betroffenen zählen. Allein aus Russland kamen 240.000 Soldaten und Helfer, von denen  mittlerweile jeder Dritte gestorben ist. „Das Ausmaß der Katastrophe hätte noch viel größer sein können, ohne den beispiellosen Mut der Feuerwehrleute, Soldaten, Spezialisten und Mediziner, die ihre Pflicht getan haben“, betont Putin in seinem Telegramm.

Dennoch nutzten russische Politiker aus dem Regierungslager den Jahrestag für Kritik am Nachbarland Ukraine. Die Verwendung von "nichtauthorisierten Brennstäben" aus den USA anstelle russischer Produkte sei nach Meinung von Spezialisten unzulässig und gefährlich gewesen, erklärte der Sprecher des russischen Parlaments Sergej Narischkin von der Partei Einiges Russland in einer Fernsehansprache anlässlich des Gedenktages.