Russland
03.05.2016

Moskaus neuer Pakt mit Peking

foto: The Kremlin Moscow
Russlands Präsident Putin (l.) mit Novatek-CEO Leonid Mikhelson.

Russlands größtes Gas-Projekt sichert sich einen Kredit in Milliardenhöhe von chinesischen Banken und bremst so die westlichen Sanktionen aus.

Zwischendurch sah es eng aus für Russlands meistambitioniertes Gas-Projekt: den Bau von Novateks Flüssiggasanlage auf der nordsibirischen Halbinsel Jamal. Das Projekt von Russlands größtem privaten Gasförderer soll dem Land einerseits zum Durchbruch im Geschäft mit Flüssiggas verhelfen und den Weltmarktanteil Russlands von fünf auf zehn Prozent steigern. Gleichzeitig hatte „Jamal LNG“ Probleme die nötige Finanzierung an Land zu ziehen, obwohl an dem Projekt der französische Konzern Total und der chinesische Energieriese CNPC mit jeweils 20 Prozent beteiligt sind.

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Diese Sorgen dürften nun der Vergangenheit angehören: Die beiden chinesischen Staatsbanken Export-Import Bank of China und die China Development Bank erteilen Novatek einen Kredit in Höhe von 10,5 Milliarden Euro.

 

Neuer Geldgeber China - statt Europa und Amerika

Insgesamt beträgt der Finanzierungsbedarf laut Novatek etwa 23,5 Milliarden Euro, von denen knapp ein Drittel aus den Taschen der Aktionäre stammt; Novatek hält 50,1 Prozent Anteile am Projekt. Vor dem Deal mit China mussten vor allem russische Staatsbanken wie die Sberbank oder Gazprombank und der staatliche Wohlfahrtsfonds als Kreditgeber des Projekts einspringen.

Im Gegenteil dazu sollte das Geld ursprünglich vornehmlich von europäischen und amerikanischen Banken fließen. Weil Novatek und Gennadi Timtschenko, einer der wichtigsten Aktionäre und ein enger Vertrauter von Präsident Wladimir Putin, im Zuge der Ukraine-Krise auf der Sanktionsliste landeten, blieb das Unternehmen faktisch von westlichen Kredite abgeschnitten. Somit war das Jamal-LNG-Projekt das größte russische Investitionsvorhaben, das von den Sanktionen im Zuge der Ukraine-Krise in Mitleidenschaft gezogen wurde. Zwar sind formal nur wenige russische Unternehmen namentlich von der langfristigen Finanzierung ausgeschlossen, doch internationale Banken halten sich generell derzeit stark zurück, wodurch quasi alle russischen Konzerne nur schwer an Fremdkapital kommen.

 

Asiatische Banken wegen Sanktionen zurückhaltend

So griff etwa der Staatkonzern Gazprom, der nicht von Sanktionen betroffen ist, gleich zwei Mal bei chinesischen Kreditgebern zu und sicherte sich Darlehen in Höhe von insgesamt drei Milliarden Euro. Tatsächlich wurden chinesische und andere asiatische Banken seit der Einführung von Sanktionen von kremlnahen Experten oft als Alternative für westliche Finanzierung genannt.

Tatsächlich gestalten sich die Verhandlungen mit chinesischen Geldgebern zäher, als viele in Russland gehofft hatten. „Auch asiatische Banken wollen ihre Beziehungen zu amerikanischen Geschäftspartnern schützen und sind deshalb vorsichtig“, sagt Michail Krutichin, Analyst der Moskauer Beratungsgesellschaft RusEnergy. Die Verhandlungen über den aktuellen Kredit für Jamal haben sich über Monate in die Länge gezogen. Am Ende waren die Konditionen mit 3,3 Prozent Zinsen dennoch auch für die Kreditnehmer durchaus lukrativ. Beschleunigt dürfte die Verhandlungen auch, dass ein großer Teil des künftig geförderten Gases auf der Jamal-Halbinsel für chinesische Kunden bestimmt ist.

 

Deal auf höchster Ebene?

Eine langfristige Alternative für die üblichen Finanzierungskanäle dürften die chinesischen Banken jedoch kaum werden, schließlich ist China nur an wenigen ausgewählten Projekten beteiligt. Die Aufhebung der Sanktionen gegen Russland hat der Westen seit geraumer Zeit an Fortschritte beim Minsker Prozess gebunden, bei dem es um die Befriedung der östlichen Ukraine geht. Derzeit steckt dieser Prozess jedoch fest, weil immer wieder Kämpfe zwischen ukrainischen Streitkräften und den von Russland unterstützten Separatisten aufflammen.

Russische Branchenbeobachter spekulieren, dass der Milliardenkredit auf höchster politischer Ebene verabredet wurde. Im Juni reist Russlands Präsident Putin zu einem Staatsbesuch nach Peking.

Maxim Kireev
Keywords:
Russland | China | Gazprom | Novatek | Finanzierung | Flüssiggas
Ressorts:
Finance | Markets

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