Innogy-Tochter
27.02.2018

Motionwerk stellt Blockchain-Ladenetz Share&Charge ein

Foto: Motionwerk
Das Essener Start-up Motionwerk wollte die Ladeinfrastruktur mit Hilfe der Blockchain vereinheitlichen.

Die App Share&Charge galt als Vorzeigeprojekt für die Verbindung von E-Mobilität und Blockchain-Technologie. Nun wird die offene Ladensäulen-Plattform vom Essener Start-up Motionwerk eingestellt – vorerst.

Die App Share&Charge des Essener Start-ups Motionwerk funktionierte als eine Art AirBnB für Ladesäulen und ermöglichte das Teilen von E-Tankstellen und die automatische Abrechnung über die Blockchain. Nun wird der im Mai 2017 gestartete Service eingestellt. „Wir haben uns als kleines Start-up in der Vergangenheit zerrissen zwischen der Entwicklung einer benutzerfreundlichen App und den technologischen Grundlagen“, begründet Geschäftsführer Dietrich Sümmermann im Gespräch mit bizz energy die Entscheidung. Mit der Entwicklung sei Motionwerk sehr früh dran gewesen und müsse sich nun auf die Technik konzentrieren. „Share&Charge als Idee geht aber weiter“, sagt Sümmermann.

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Das Start-up wurde im März 2017 gegründet – aus dem Innogy Innovation Hub heraus, dem Inkubator des Essener Energieversorgers und Mehrheitseigner. Mit dem Projekt versuchte Motionwerk, die verschiedenen Anbieter von Stromtankstellen über die Blockchain zusammenzubringen. Man sei weiterhin davon überzeugt, dass die Elektromobilität und die Blockchain-Technologie zusammengehören. Die App werde vom Markt genommen um sich voll auf das Ladenetzwerk zu fokussieren, sagt Sümmermann. Man wolle die bisherigen Erfahrungen verwenden, um die Share&Charge-App neu aufzusetzen.

Kooperation mit Energy Web Foundation?

Dazu gehört eine neue Blockchain-Struktur. Bisher wurde die offene Ethereum-Blockchain genutzt, die Sümmermann zufolge allerdings zu langsam sei. Nun arbeite man an einer Lösung mit Hilfe einer konsortialen Blockchain und des Proof-of-Authority-Mechanismus. Konsortiale Blockchains werden in einem Netzwerk mit einer begrenzten Anzahl bekannter Parteien eingesetzt, haben aber wenige Zulassungsregeln. Mit dem Proof-of-Authority-Mechanismus verifizieren bestimmte authorisierte Accounts neue Blöcke – im Gegensatz zum Proof-of-Work-Mechanismus. Letzterer ist vor allem durch die Kryptowährung Bitcoin bekannt. Hier werden neue Blöcke durch einen Wettbewerb zwischen sogenannten Minern erstellt, was das System langsam und Energieintensiv macht. Der Proof-of-Authority-Mechanismus gilt als schneller und effizienter.

Es werden intensive Gespräche mit der Energy Web Foundation geführt, sagt Sümmermann. Die Energy Web Foundation (EWF) ist eine globale Non-Profit-Organisation, die es sich zum Ziel gesetzt hat, mit Hilfe der Blockchain-Technik die Effizienz im Energiegeschäft zu steigern und neue Geschäftsmodelle zu ermöglichen. Dazu entwickelt sie eine Blockchain, die speziell auf die Energiewirtschaft zugeschnitten ist. Mit der EWF kooperiere Motionwerk bereits bei der Initiative OMOS, sagt Sümmermann. Das Open Mobility System (OMOS) von Tüv Rheinland, Fraunhofer FIT und Motionwerk soll mit Hilfe der Blockchain-Technik eine neue, digitale Infrastruktur schaffen, mit der Reisende, verschiedene Verkehrsmittel, Parkplätze und Ladesäulen untereinander vernetzt werden.

Motionwerk will nun möglichst bald allen Teilnehmern im Elektromobilitätsbereich eine neue Blockchain-Lösung zum Laden zugänglich machen. Share&Charge 2.0 soll Unternehmensangaben zufolge schon in wenigen Monaten veröffentlicht werden.

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Carsten Kloth
Keywords:
Blockchain | Digitalisierung
Ressorts:
Technology

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