Mobilität
16.08.2018

Labore des grünen Stadtverkehrs gibt es längst

Foto: Münsterview/Heiner Witte
Grüne Visitenkarte: Die E-Busse der Stadtwerke Münster halten am historischen Rathaus. So erleben auch Touristen E-Mobilität live.

Der Bund will mit 130 Millionen Euro fünf „Modellstädte“ für saubere Luft fördern. Dabei haben einige Kommunen längst ohne großes Tamtam mit der Verkehrswende angefangen – zum Beispiel Münster und Emden.

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Schon jetzt ist klar: Die Informationsströme für alle Verkehrsteilnehmer und Energieverbraucher sollen beim „Keptn“ zusammenlaufen, einem freundlichen Seemann mit Bart und Pfeife. Die Figur ist das Gesicht der gleichnamigen städtischen App. Der Keptn – lokal entwickelt von der Emdener Werbeagentur Von der See –  ist das, was die Bürger von ihrer künftig intelligenten Stadt schon heute sehen können, wenn sie im stetig wachsenden öffentlichen W-Lan Emdens unterwegs sind. Binnen weniger Monate ist Keptn von einem Viertel der Emder Bevölkerung heruntergeladen worden. Noch dient die App in erster Linie als Informationsportal. Mittelfristig sollen Bürger damit aber beispielsweise Busse im Bedarfsverkehr bestellen oder nachschauen können, wo Parkplätze frei sind.

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Lagebild durch Sensoren

Der Siemens-Konzern, der Emdens Transformation begleitet, sieht in der ostfriesischen Kommune ein interessantes Lern- und Erprobungsfeld. Mittelgroße Städte benötigen eine ähnliche Infrastruktur wie große, doch bei ihnen bleiben Projekte überschaubar, sind schneller umzusetzen und andernorts leichter wiederholbar.

Die Art der Infrastruktur, sagt der Leiter der Siemens-Sparte Urbane Entwicklung, Martin Powell, werde den Unterschied zwischen verkehrsverstopften Städten und solchen mit hoher Lebensqualität machen. Dabei sollen Sensoren eine zentrale Rolle spielen. „Sensoren in der Stadt –  auch solche an Fahrzeugen und sogar Fußgängern – liefern ein viel genaueres Bild von Verkehrsstauungen und Luftverschmutzung“, sagt Powell. Anhand dieser Daten ließen sich Bürger und Behörden über die aktuelle, aber auch über die künftige Verkehrslage informieren.

Mit der App „Keptn“ sollen Emder Bürger künftig Busse
bestellen und andere Mobilitätsdienstleistungen abrufen
können. Foto: Stadtwerke Emden

Bis solche Systeme in der 50.000-Einwohner-Stadt am Dollart laufen, muss allerdings noch viel im Emder Untergrund passieren. Die Stadt erweitert ihr Glasfasernetz, was teuer und mangels verfügbarer Tiefbau-Fachkräfte gar nicht so leicht ist. Für Stadtwerke-Chef Ackermann hat der Ausbau höchste Priorität, denn: „Ohne Glasfasernetz mit Gigabyte-Geschwindigkeit können Sie ein Smart-City-Projekt vergessen.“ Die Stadtwerke versuchen deshalb, neue Finanzierungs- und Geschäftsmodelle für das Glasfasernetz zu entwickeln. Damit wollen sie den Netzausbau in fünf bis zehn Jahren schaffen.

Ähnlich ambitioniert vergrößert Münster seine elektrische Busflotte: Fünf weitere Fahrzeuge des Herstellers VDL aus dem niederländischen Eindhoven wollen die Stadtwerke anschaffen, allerdings mit größeren Batterien. Wegen des niedrigeren Geräuschpegels seien die Neuanschaffungen auch als Nachtbusse interessant, sagt Stadtwerke-Sprecher Adler. Auch zwei Busse mit Brennstoffzellen sollen kommen, die eine ähnliche Reichweite wie Dieselbusse haben und längere Strecken fahren können.

Eingesetzt werden die neuen E-Busse auf der Linie 14, wie bisher. Wer an der Endhaltestelle Zoo aussteigt, kann künftig nicht nur Tiere oder das Naturkundemuseum besuchen, sondern auch auf ein weiteres Elektrofahrzeug umsteigen: Das Solarschiff „Solaaris“ pendelt nahezu geräuschlos auf dem Münsteraner Aasee. Das Ticket für die Bootsfahrt gilt auch für die Busse der Stadtwerke, inklusive der Linie 14 bis zum Anleger. Dort könnten Fahrgäste nun auch ihre im E-Bus mitgeführten E-Bikes mit Strom aufladen.

Lesen Sie auch: Mehr Ladesäulen – Siemens warnt vor Stromausfall in der Stadt

Carsten Kloth
Christian Schaudwet
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Keywords:
Verkehrswende | Elektromobilität | ÖPNV | Emden | Münster
Ressorts:
Governance | Markets

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