Green Finance
01.03.2018

Nachhaltigkeitsbank Triodos will Netze und Speicher finanzieren

Foto: Steag
Der Essener Versorger Steag investiert mit Bankenhilfe in Großbatterie-Systeme.

Das klassische Finanzierungsgeschäft mit erneuerbaren Energien ist schwieriger geworden. Banken suchen nach Alternativen. Die Triodos Bank hat die Sektorenkopplung für sich entdeckt.

Zu wenige und zu ungewisse Windparkprojekte an Land, riskante Niedrigstgebote bei Ausschreibungen für Windparks auf See - welche Erneuerbaren-Projekte sind heute noch "bankable"? Das fragen sich viele Energieexperten in der Finanzbranche seit dem vergangenen Jahr. Dominic Hereth ist jenseits von Windfarmen und Solarparks fündig geworden: Die Triodos Bank Deutschland, deren Energie- und Klimateam er leitet, weitet ihre Kreditvergabe auf Energiespeicher, Wärme- und Stromnetze aus. Der Umbau der Energie-Infrastruktur soll zu einem strategischen Geschäftsfeld werden.

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Grüne Stromerzeugung zu finanzieren, bleibe zwar Brot- und Butter-Geschäft, "aber wir nehmen uns zusätzlich kompliziertere, sektorenübergreifende Projekte vor, die die Energiewende unterstützen", sagt Hereth im Gespräch mit dem Magazin bizz energy. Die klassische Finanzierung erneuerbarer Energien sei kein Alleinstellungsmerkmal mehr: "Das können inzwischen viele Banken."

 

Neukreditvolumen verdoppelt

 

Bisher fuhr die Nachhaltigkeitsbank aus den Niederlanden, die 2009 den deutschen Markt betrat, mit dem Wind- und Solarparkgeschäft recht gut: 2016 machte bei ihr die Erneuerbare-Energien-Finanzierung 60 Prozent des Kreditvolumens aus. In ihrer Sparte Energie und Klima vergab sie 2017 knapp 100 Millionen Euro an neuen Krediten - damit hat sie ihr Neukreditvolumen in diesem Sektor mehr als verdoppelt.

 

Dennoch wollen die Frankfurter Triodos-Banker ihr Finanzierungsgeschäft nun auf die gesamte Wertschöpfungskette der erneuerbaren Energien ausweiten. Zwei Projekte im vergangenen Jahr haben sie in diesem Vorhaben bestärkt: Zum einen hat Triodos Batteriegroßspeicher des Essener Stromversorgers Steag mitfinanziert - die Anlagen in Nordrhein-Westfalen dienen der Netzstabilisierung im Regelenergiemarkt. Zum anderen half die Bank dem früheren Sanierungsfall Stadtwerke Völklingen bei der Ausgründung einer Verteilnetzgesellschaft. Mit dieser wollen die Saarländer nun in Smart-Grid-Technologie und Stromspeicher investieren.

 

Neue Risiken

 

Im Falle der Batteriespeicher zumindest geht Triodos durchaus ein Risiko ein, denn die Regelleistung, die die Speicher erbringen sollen, wird von den Übertragungsnetzbetreibern ausgeschrieben. Die Kreditsicherheit eines solchen Projekts richtig einzuschätzen, erfordert spezielle Expertise.

 

Mit solcher will Triodos-Manager Hereth sich von Wettbewerbern absetzen. Die anderen bekannten Nachhaltigkeitsbanken - GLS Gemeinschaftsbank, Umweltbank und Ethikbank - kümmern sich noch vorwiegend um klassische Erzeugungsfinanzierung. Ähnlich begrenzt arbeiten die Großbanken. Bei der Finanzierung energiewendetauglicher Netze und Speicher ist von ihnen nichts zu sehen.

 

"Alles zusammen denken"

 

Gemessen an der Bilanzsumme 2016 führt GLS in Deutschland mit 4,6 Milliarden Euro das Feld der Nachhaltigkeitsbanken an, gefolgt von der Umweltbank mit 3,2 Milliarden Euro. An dritter Stelle dürfte Triodos stehen. Die Bank bilanziert alle Märkte, in denen sie vertreten ist, gemeinsam: In den Niederlanden, Belgien, Frankreich, Großbritannien, Spanien und Deutschland kam sie 2016 auf eine Bilanzsumme von 9 Milliarden Euro.

 

Hereth betrachtet das bisher geringe Interesse der anderen an Finanzierungen jenseits von Wind- und Solarparks als Vorteil fürs eigene Haus. "Netzstabilität, Übertragungsnetze, Verteilnetze, Speicher, Sektorenkopplung, Verkehrswende - man muss alles zusammen denken, darin sehen wir großes Potenzial." Wenn hier etwas passiere, wolle Triodos früh am Ball sein, "um schnell erkennen zu können, ob es finanzierungsfähig ist oder nicht."

 

Zielgruppe Stadtwerke

 

Dabei hat die Bank es besonders auf Stadtwerke als Kunden abgesehen. Wissend, dass viele von ihnen an die Grenze ihrer Verschuldungsfähigkeit gelangen, stellen die Banker eine Zielgruppe aus rund 40 Stadtwerken zusammen, die durch überdurchschnittliche Nachhaltigkeitsambitionen auffallen. Ähnlich wie in Völklingen will Triodos ins Spiel kommen, wenn Stadtwerke beispielweise eigene Gesellschaften für Stromverteilnetze, Nahwärmenetze oder Blockheizkraftwerke aubauen wollen.

 

Zur Ausweitung ihres Finanzierungsportfolios haben sich die Triodos-Manager unter dem Eindruck der Onshore-Windenergie-Ausschreibung im vergangenen Jahr entschlossen. Hier waren fast ausschließlich Bürgerenergiegesellschaften zum Zuge gekommen, deren Parks noch nicht genehmigt wurden und erst in einigen Jahren oder gar nicht entstehen werden. "Es war in 2017 fraglich, ob es in den kommenden zwei bis drei Jahren genug Projekte gibt", sagt Hereth. Die Ungewissheit sei einer der Gründe für die Fokus-Erweiterung von Triodos gewesen.

 

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Christian Schaudwet
Keywords:
Green Finance | Nachhaltigkeitsbank | Sektorenkopplung
Ressorts:
Finance

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