Deutschlands Wasserstoffstrategie sollte aus Sicht von Regierungsberatern ehrgeizigere Ziele anpeilen. Der Rat für Nachhaltige Entwicklung empfahl am Freitag, die Kapazität für in Deutschland bis 2030 produzierten Wasserstoff als klimafreundlichen Energieträger doppelt so hoch anzusetzen wie bisher geplant.

Damit es bei der Herstellung und Nutzung von Wasserstoff überhaupt zügiger vorangeht, kümmert sich künftig ein neuer Beauftragter beim Bund um die Vernetzung von Forschung, Wirtschaft und Politik. Forschungsministerin Anja Karliczek (CDU) stellte den Stuttgarter CDU-Bundestagsabgeordneten Stefan Kaufmann in Berlin als neuen "Innovationsbeauftragten Grüner Wasserstoff" vor. Karliczek sagte, damit aus den guten Ideen auch erfolgreiche Innovationen würden, müsse der Sprung in die Praxis gelingen.

Technologie steckt noch in den Kinderschuhen

Wasserstoff kann unter anderem per Elektrolyse aus Wasser gewonnen werden und soll als Basis für Brenn- und Kraftstoffe möglichst bald Kohle, Öl und Gas ersetzen. Und zwar vor allem in Bereichen, die nicht auf die direkte Nutzung von Strom umzustellen sind, etwa in der Industrie oder im Flug-, Schiffs- und Schwerlastverkehr.

Zur Herstellung von Wasserstoff ist allerdings sehr viel Energie nötig. Die Technologie steckt noch in den Kinderschuhen - eine industrielle Herstellung und Nutzung gibt es bisher nicht. Wenn er mit Ökostrom hergestellt wird, spricht man von grünem Wasserstoff. Die Bundesregierung will Deutschland zum Vorreiter beim Aufbau einer "Wasserstoffwirtschaft" machen.

Nachhaltigkeitsrat empfiehlt zehn Gigawatt bis 2030

Der Nachhaltigkeitsrat empfahl, den von der Bundesregierung geplanten Ausbau der Elektrolyseleistung von bis zu fünf Gigawatt in Deutschland bis 2030 auf zehn Gigawatt zu erhöhen "und bedarfsorientiert ohne Deckelung darüber hinaus" zu entwickeln, wie es in der Stellungnahme heißt. Darüber hatten die zuständigen Minister in der Regierung länger gestritten, die fünf Gigawatt sind bereits ein Kompromiss. Fraglich ist, ob der dafür notwendige Ökostrom parallel so schnell ausgebaut werden kann.

Weiter empfiehlt der Rat einen "Wasserstoffpakt" der Bundesregierung mit den betroffenen Industrien, um bei der praktischen Nutzung schnell voranzukommen. Der Rat für Nachhaltige Entwicklung wird seit 2001 von der Bundesregierung berufen, ihm gehören 15 Personen des öffentlichen Lebens an.

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Auch in Salzgitter soll die Elektrolyse zur Gewinnung von Wasserstoff ausgebaut werden.. (Foto: Salzgitter AG)