Energiewende
08.06.2018

Netzengpässe: Speicherbranche will helfen

Foto: Vattenfall
Goldisthal – das größte Pumpspeicherkraftwerk Deutschlands

Die steigenden Kosten von Netzengpässen lassen sich durch Energiespeicher eindämmen, sagt der Branchenverband BVES. Speicher dürften aber nicht mehr als „Letztverbraucher“ eingestuft werden.

Wenn zu viel Wind weht, das Stromnetz aber nicht stark genug ist, um ihn von Norden nach Süden zu transportieren, kommt es zu Netzengpässen. Gegenmaßnahmen wie Redispatch, also das regionale Hochfahren und Drosseln von Kraftwerken dies- und jenseits des Engpasses zur Schonung der Netze, sind teuer: 1,5 Milliarden Euro wurden im vergangenen Jahr nach Angaben der vier Übertragungsnetzbetreiber für das Management von Netzengpässen fällig – und die Kosten steigen seit Jahren. Ein Ausbau der erneuerbaren Energien auf 65 Prozent, wie er im Koalitionsvertrag festgelegt ist, könnte die Kosten auf vier Milliarden Euro klettern lassen, befürchtet Übertragungsnetzbetreiber Amprion.

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Energiespeicher könnten aus Sicht des Bundesverbands Energiespeicher (BVES) helfen, das Problem einzudämmen: Sie ließen sich auf allen Spannungseben einsetzen, um die fluktuierende Erzeugung von Strom aus Wind und Sonne sowie Verbrauchsspitzen zu glätten und Netzengpässe auszugleichen. „Energiespeicher bringen die dringend benötigte neue Flexibilität in unser Energiesystem“, sagt Urban Windelen, Bundesgeschäftsführer des BVES. Der nur schleppend vorankommende Netzausbau reicht aus Sicht des Verbands nicht aus, um die Kosten in den Griff zu bekommen.

Pumpspeicherkraftwerke kaum wirtschaftlich zu betreiben

Fünf Megawatt (MW) Speicher könnten bis zu 50 MW fossile Turbinenleistung ersetzen, so der BVES, außerdem leisteten Energiespeicher einen Beitrag zur Sektorenkopplung. Die Speicherbranche klagt jedoch seit Jahren über unfaire Wettbewerbsbedingungen, weil Energiespeicher als „Letztverbraucher“ eingestuft und damit für die Betreiber – mit Ausnahmen – sämtliche Entgelte und Umlagen fällig werden. Viele Pumpspeicherkraftwerke in Deutschland sind defizitär oder liegen auf Eis, weil sie doppelt mit Netzentgelten belastet werden: sowohl für das Beladen des Speichers als auch nach der Ausspeicherung beim Letztverbraucher. In der EEG-Novelle von 2017 wurden zwar einige Lockerungen für Speicher vorgenommen, doch das Grundproblem besteht aus Sicht der Branche weiterhin.

Union und SPD haben Speicher in ihrem Koalitionsvertrag thematisiert: Man wolle „die unterschiedliche Belastung von gespeicherter Energie prüfen und vereinheitlichen“, heißt es darin. BVES-Geschäftsführer Windelen fordert nun, dem Taten folgen zu lassen. „Speicher sind Speicher und eben keine Verbraucher“, findet er. Die Letztverbraucherabgaben müssten „endlich“ beseitigt werden.

Lesen Sie auch: Studie – Neue Stromtrassen nötig trotz dezentraler Erzeugung

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Keywords:
Energiewende | Speicher | Energiespeicher | Pumpspeicher | BVES
Ressorts:
Governance | Markets

Kommentare

In der XING-Gruppe "Utility 4.0" habe ich dazu a, 16.04.2018 ein Paper veröffentlicht. Meiner Meinung nach liegt hier in der Tat eine Fehlsteuerung vor, wie es besser gehen könnte zeigt das Papier auf. Der erste Schritt dazu wären leistungsbezogene Netzentgelte, unabhängig vom transportierten Volumen. Dann wäre das o.a. Problem auch keins mehr...

Gerne lesen und kommentieren. Ich würde mich freuen, wenn das Thema endlich mal breit diskutiert würde. ....

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