Bioenergie
28.02.2013

Neue Anlage für Reststoff-Sprit

Foto: KIT
Bioliq-Anlage in Karlsruhe

Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie haben zusammen mit Air Liquide eine Anlage in Betrieb genommen, in der aus Bioabfällen synthetische Biokraftstoffe hergestellt werden. Die Anlage kann Diesel und Benzin produzieren.

Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist den sogenannten Biokraftstoffen der zweiten Generation ein Stück näher gekommen. Diese Spritvariante kommt ohne Anbaubiomasse wie Mais oder Soya aus. Der Kraftstoff lässt sich aus Reststoffen wie Stroh oder Holz gewinnen. Der zunehmende Anbau von Pflanzen für die Biodiesel- oder Ethanolproduktion ist einer der Kritikpunkte an den heute verfügbaren Pflanzenkraftstoffen. 

Anzeige

Aufwendiges Verfahren

Anzeige

In der gemeinsam mit Air Liquide errichteten Anlage auf dem Gelände des KIT in Karlsruhe wird in einem separaten Verfahren verflüssigtes Stroh in einem Flugstromvergaser bei Temperaturen von 1200 vergast. Dabei entsteht ein teerfreies Synthesegas, das sich mittels Syntheseverfahren zu flüssigen Kraftstoffen umwandeln lässt. Die Kraftstoff-Synthese ist in der Mineralölindustrie weit verbreitet.

Der Vorteil: Die Anlage kann auf verschiedene Motoren zugeschnittene Kraftstoffqualitäten liefern. „Da das Bioliq-Verfahren auf Stroh und weitere biogene Reststoffe zurückgreift, die nicht in Konkurrenz zur Nahrungs- oder Futtermittelproduktion stehen, sind wir somit in der Lage, einen wichtigen Teil zur Entwicklung alternativer Energielösungen beizutragen“, sagte Francois Venet, Vice President Air Liquide Global E&C Solutions. Auch die Treibhausgasbilanz des Synthesesprits ist deutlich besser als bei herkömmlichen Biokraftstoffen. Der Bau der Pilotanlage in Karlsruhe hat rund 28 Millionen Euro gekostet, die Hälfte kamen vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz.

Choren ging Pleite

Die Herausforderung bleibt, den aufwendigen Prozess durch Skaleneffekte deutlich billiger zu machen. Nach derzeitigem Stand kann der synthetische Biokraftstoff weder mit herkömmlichen Sprit noch mit verfügbaren Biodiesel und Ethanol konkurrieren. Die Freiberger Firma Choren, an der unter anderem Volkswagen und Shell beteiligt waren, musste im Jahr 2011 ihre hochfliegenden Pläne für eine Synthesesprit-Produktion auf Holzbasis begraben und Insolvenz anmelden. Die Vergasungstechnologie wurde von Linde übernommen.

Karsten Wiedemann
Keywords:
Bioliq | KIT | Biokraftstoffe | Bioenergie | Air Liquide | Reststoffe
Ressorts:
Technology

Neuen Kommentar schreiben

 

Newsletter bestellen – Wunschausgabe erhalten

Jetzt den wöchentlichen
Newsletter bizz energy weekly abonnieren
und eine Ausgabe
Ihrer Wahl kostenlos erhalten.

Hier geht es zur Aktion!

 
 

bizz energy Research

Energie, Digitalisierung und Mobilität.
Unsere Factsheets bieten visualisierte Daten, liefern Fakten und stellen Zusammenhänge zu den Top-Themen der Energiewende dar.


Mehr Informationen