Gazprom
26.04.2017

Neue Ostsee-Pipeline bleibt umstritten

Foto: Gazprom

Polen, Ukraine und Dänemark wollen das Projekt verhindern. Den deutschen Verbrauchern drohen Zusatzkosten von mindestens 500 Millionen Euro.

Das Kapital für die Erweiterung der Ostsee-Pipeline mag in trockenen Tüchern sein. Doch das Projekt des russischen Staatsriesen Gazprom bleibt umstritten. „Mit der Finanzierungsvereinbarung zwischen dem russischen Staatskonzern Gazprom und den europäischen Energiekonzernen Engie, OMV, Shell, Uniper und Wintershall wird europäisches Recht bewusst umgangen“, wettert Annalena Baerbock, klimapolitische Sprecherin der grünen Bundestagsfraktion.

Anzeige

Die fünf Konzerne hatten am Montag verkündet, jeweils bis zu 950 Millionen Euro für Nord Stream 2 bereitzustellen und so die Hälfte der Gesamtkosten zu finanzieren. An der Nord Stream 2 AG werden sie sich jedoch formal nicht beteiligen. Für diesen Fall hatte Polen kartellrechtliche Schritte angedroht. „Die Konzerne präsentieren alten Wein in neuen Schläuchen, denn das Konsortium bleibt“, kommentiert Baerbock. Neben Polen versuchen insbesondere auch die Ukraine und Dänemark, Nord Stream 2 zu verhindern.

Anzeige

Sechs zusätzliche Leitungsprojekte

Die Mehrkosten durch Nord Stream 2 für die deutschen Verbraucher liegen bei mindestens einer halben Milliarde Euro. Hierzulande wird Nord Stream 2 laut Bundesregierung sechs zusätzliche Baumaßnahmen erfordern. Drei davon betreffen die Nord-West-Anbindungsleitung NOWAL. „Die Maßnahmen haben insgesamt ein Investitionsvolumen von ca. 500 Millionen Euro“, schrieb der beamtete Wirtschafts-Staatssekretär Rainer Baake im Namen der Bundesregierung in seiner Antwort auf eine Kleine Anfrage der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen im April 2016. Die Fernnetzbetreiber müssen den Ausbau der Gasinfrastruktur zunächst zahlen, dürfen sich die Kosten aber über die Netznutzungsentgelte bei den Verbrauchern wiederholen.

Am Ende dürften die Kosten für die Verbraucher noch höher liegen –  wie so oft bei Großprojekten. Auch die prognostizierten Gesamtkosten für Nord Stream 2 kletterten beständig. Allein in den vergangenen zwei Jahren wuchsen sie um 1,5 Milliarden auf nunmehr 9,5 Milliarden Euro.

Grüne kritisieren Menschenrechtsverstöße

Die geplante 1.200 Kilometer lange Gazprom-Pipeline durch die Ostsee birgt auch politischen Sprengstoff: „Angesichts der anhaltenden Kämpfe in der Ukraine, der völkerrechtswidrigen Annexion der Krim, Russlands Rolle beim Giftgasangriff in Syrien sowie der neuen Verhaftungswelle rund um die Anti-Korruptionsdemonstrationen muss die Bundesregierung endlich ihre gespielte Gleichgültigkeit gegenüber Nord Stream 2 überwinden“, fordert Baerbock.

Joachim Müller-Soares
Keywords:
Gazprom | Nord Stream 2
Ressorts:

Neuen Kommentar schreiben

 

Newsletter bestellen – Wunschausgabe erhalten

Jetzt den wöchentlichen
Newsletter bizz energy weekly abonnieren
und eine Ausgabe
Ihrer Wahl kostenlos erhalten.

Hier geht es zur Aktion!

 
 

bizz energy Research

Energie, Digitalisierung und Mobilität.
Unsere Factsheets bieten visualisierte Daten, liefern Fakten und stellen Zusammenhänge zu den Top-Themen der Energiewende dar.


Mehr Informationen