Energieversorgung
18.06.2013

Neuer Rekord bei Erneuerbaren

Nordex AG, Topteaser Depositphotos.com

Am vergangenen Sonntag deckten erneuerbare Energien erstmals rund 60 Prozent des Strombedarfs in Deutschland. Das Überangebot an Wind- und Solarstrom führte allerdings zu negativen Preisen an der Strombörse EEX.

Erstmals haben Wind-, Solar und Bioenergieanlagen am vergangenen Sonntag rund 60 Prozent der in Deutschland benötigten Kraftwerksleistung zur Verfügung gestellt. Bereits am Tag zuvor wurde mit einem Anteil von 59,1 Prozent ein neuer Rekord erreicht. Die Leistung von Wind- und Solaranlagen lag zwischenzeitlich bei über 30 Gigawatt, der Beitrag der konventionellen Kraftwerke fiel im Tagesverlauf auf 17 Gigawatt.

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Nach Angaben des Internationalen Wirtschaftsforums Regenerative Energien (IWR) gibt es kein anderes Land auf der Welt, in dem Ökostromanlagen (ohne Wasserkraft) über 60 Prozent der Stromversorgung sichern. Länder wie Norwegen oder die Schweiz haben zwar auch sehr hohe Anteile an erneuerbaren Energien, erreichen diese aber vor allem über Wasserkraft.

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IWR-Direktor Norbert Allnoch sieht in den Daten vom Sonntag den Beweis erbracht, dass  eine Stromversorgung mit viel Wind- und Solaranlagen in einem Industrieland wie Deutschland funktionieren kann.

Allerdings zeigte sich am Sonntag auch die Kehrseite, welche das wachsende Angebot an Grünstrom im derzeitigen Strommarkt mit sich bringt. Der Strompreis an der Energiebörse EEX fiel im Tagesverlauf wegen des Überangebotes unter Null. Im Durchschnitt lag er bei Minus 3,3 Cent pro Kilowattstunde. Der Strom wurde also mehr als verschenkt.

Weil die Netzbetreiber, die den Strom gemäß Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) über die Strombörse EEX in Leipzig vermarkten, den Betreibern die gesetzliche fixierte Vergütung pro Kilowattstunde zahlen, wird die Differenz über die EEG-Umlage ausgeglichen. Diese zahlen Verbraucher über ihre Stromrechnung, wobei einige energieintensive Unternehmen befreit sind. Der vergangene Sonntag dürfte also bei aller Freude über den Anteil an erneuerbaren Energien die Umlagekosten in die Höhe getrieben haben. 

Kritik an Börsenvermarktung

Es mehren sich die Stimmen, die die Vermarktung über die Börse kritisieren. „Je tiefer der Börsenstrompreis fällt, desto höher steigt die Umlage. Die Umlage kann theoretisch steigen, ohne dass ein einziges Kilowatt neu installiert wird, sagte etwa der Chef de Ökostromversorgers Naturstrom, Oliver Hummel, gegenüber BIZZ energy today. Er hält die Umlage für falsch konstruiert. Es fehlten Anreize für Betreiber, ihre Anlagen bei einem Überangebot aus dem Netz zu nehmen. „Aktuell kann es angesichts der gesicherten Einspeisevergütung dem Erzeuger im Prinzip egal sein, ob sein Strom gerade gebraucht wird oder nicht.“

Kritik an dem Verfahren kommt auch aus der SPD. „Der Strom aus Erneuerbaren wird verscherbelt. Stromhändler oder Kraftwerksbetreiber haben gar kein Interesse daran, ihre Anlagen herunterzufahren“, sagte Energieexperte Ulrich Kelber.

 

 

Karsten Wiedemann
Keywords:
erneuerbare Energien | EEG | EEX | Solarenergie | Windenergie
Ressorts:
Markets

Kommentare

Auch in Frankreich fiel der Preis am 16.6.2013 an der eex.
Auf bis zu minus € 200.-/MWh! Also bedeutend tiefer als im Oekostromland Deutschland.
Und zwar morgens um 5 Uhr, im Dunkeln bei nahezu Windstille..
Da waren weder Sonne noch Wind im Spiel. Es gab schlichtweg zu viel Atom- und Wasserkraft. Verschenkter Strom?
Wohl kaum. Mir ist kein Endkunde bekannt der Strom umsonst bekam.
Allerdings stieg der Profit der Haendler gewaltig.
Stromerzeuger wie zB. EDF sind auch Stromhaendler.
Ein Schelm wer boeses dabei denkt.....
EDF produziert subventionierten Strom, nicht einmal die Produktionskosten kommen ueber den Preis wieder rein.
Der letzte Antrag auf Strompreiserhoehung wurde abgelehnt.
Da bleibt nur der Handel als Profitbringer.

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