Kapazitätsmärkte
04.03.2013

Neues Design für den Strommarkt

Siemens AG
Siemens stellt Gasturbinen für Kraftwerke her. Gaskraftwerke baut aber derzeit niemand.

Der Stadtwerkeverbund VKU legt einen ersten Vorschlag für einen neuen Elektrizitätsmarkt vor. Ein Leistungsmarkt soll helfen, damit sich Investitionen in neue Kraftwerke für die Betreiber wieder lohnen.

Neue Kraftwerke verdienen unter den heutigen Bedingungen des Strommarktes ihre künftigen Vollkosten nicht. Zu diesem Schluss kommen die Beratungsunternehmen Enervis Energy Advisors und das Büro für Energiewirtschaft und technische Planung (BET) in einem aktuellen Gutachten für den Verband kommunaler Unternehmen (VKU).

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Im Rahmen der Studie sprechen sich die Wissenschaftler für einen Leistungsmarkt aus, der als umfassender Kapazitätsmarkt organisiert sein soll. Alle Anbieter gesicherter Leistung  darunter konventionelle Kraftwerke, KWK-Anlagen und Speicher – könnten an dem künstlich geschaffenen Markt teilnehmen. Vorausetzung ist aber, dass ihre Anlagen über einen längeren Zeitraum im Voraus gesicherte Leistung garantieren. Diese Garantien würden verbrieft und als Zertifikat handelbar. Den Anbietern würde sich dadurch eine zusätzliche Erlösquelle eröffnen. 

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Die Diskussion um den künftigen Strommarkt steht noch am Anfang

„Entweder schaffen wir einen starken Emissionshandel, oder wir müssen das Marktdesign auf die eine oder andere Weise ändern“, sagt Jürgen Tzschoppe, Geschäftsführer von Statkraft Markets, gegenüber BIZZ energy today. Die Frage der Wirtschaftlichkeit orientiere sich nicht an den Betriebsstunden, sondern an der Höhe der Deckungsbeiträge. Wenn man in einer kurzen Betriebsdauer mit höheren Deckungsbeträgen operieren könne, sei das auch in Ordnung. „Man kann auch den Betreiber dafür entschädigen, dass er Kapazitäten vorhält“, erklärte Tzschoppe. Dann könnte er mit niedrigeren Margen pro Betriebsstunde leben. 

Den Verbrauch flexibler gestalten

Ziel eines Leistungsmarktes sei nicht nur ein angemessenes Verhältnis zwischen Rendite und Risiko, darüber hinaus soll die Flexibilität auf der Verbrauchsseite aktiviert werden, so Julius Ecke, Berater bei Enervis. Auch Stromkunden könnten durch günstigere Preise davon profitieren. 

Wolfgang Zander, BET-Geschäftsführer rät das Übertragungs- und Verteilnetz weiter auszubauen, um den höheren Anteil an Ökostrom zu integrieren und die Regelungskosten der Netzbetreiber zu reduzieren. „Erstmals ist nachgewiesen worden, dass der Netzausbau auch auf der Verteilnetzebene kostengünstiger ist als das Abregeln der Einspeisungen“, sagte Zander. Innovative Lösungen im Netzausbau sind möglich und tragen demnach zur Kostendämpfung bei. 

Stadtwerke besitzen vielen Kraftwerke und gehören zu den größten Stromerzeugern in Deutschland. Die Studie ist demnach nicht ohne eigene Interessen, aber ein erster Beitrag für die nun beginnende Diskussion um den zukünftigen Strommarkt.

nhp
Keywords:
BET | VKU | Kapazitätsmärkte | Enervis | Jürgen Tzschoppe
Ressorts:
Markets

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