Netzausbau
27.06.2012

Neues Seekabel kostet 1,6 Milliarden Euro

Tennet
Ein solches Ökostrom-Seekabel soll das deutsche Stromnetz an das norwegische anbinden.

Die norwegische Regierung gab jüngst ihre Zustimmung zum Ausbau des ersten Seekabels zwischen Norwegen und Deutschland - ein wichtiger Schritt für die deutsche Energiewende. Doch wer übernimmt die Finanzierung in Milliardenhöhe?

Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) und der norwegische Erdöl- und Energieminister Ola Borten Moe einigten sich vergangenen Donnerstag über den Ausbau einer Seekabelverbindung zwischen Deutschland und Norwegen.
Die Fertigstellung des ersten der beiden geplanten 600 Kilometer langen Gleichstrom-Unterwasserkabel soll bis 2018 erfolgen. Die sogenannte Nord-Link-Verbindung wird eine Kapazität von 1.400 Megawatt haben, was der Leistung eines großen Kernkraftwerks entspricht. Das zweite Projekt Nor Ger soll danach innerhalb eines Zeitraums von zehn Jahren realisiert werden.

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Errichtet wird die neue Stromleitung vom norwegische Netzbetreiber Statnett in Zusammenarbeit mit dem Übertragungsnetzbetreiber Tennet. Ganz billig ist die Angelegenheit nicht: Die Investitioskosten für die Verbindung liegen bei rund 1,6 Milliarden Euro, wie das Bundeswirtschaftministerium (BMWi) BIZZ Energie today mitteilte. Bis September 2012 sollen entsprechende Vereinbarungen zur Finanzierung detailiert ausgearbeitet werden. „Die Hälfte der Investitionskosten muss auf deutscher Seite aufgebracht werden, die andere Hälfte von Stanet dem norwegischen Netzbetreiber. Zur Zeit prüft das BMWi gemeinsam mit Tennet und der KfW-Bankengruppe, in welchem Umfang sich die KfW an der deutschen Hälfte beteiligen könnte. Eine Entscheidung - auch bezüglich der Ausgestaltung der Finanzierung - ist aber noch nicht gefallen“, so ein Sprecher des Ministeriums.

Damit auch bei wenig Wind und Sonne genügend Ökostrom zur Verfügung steht, benötigt die Energiewende dringend große Lagerplätze für überschüssigen Strom. Die neue Kabelverbindung soll wie ein riesiger Stromspeicher wirken, der in beide Richtungen funktioniert. So wird es möglich sein, bei starker Windeinspeisung in Nordeutschland die überschüssige Windenergie nach Norwegen zu transportieren und bei Bedarf nach Deutschland zurückzuholen. „Diese neuen Stromleitungen durch die Nordsee sind die Voraussetzung für den künftigen Stromaustausch zwischen unseren Ländern. Durch den Austausch wird die Versorgungssicherheit in Deutschland gestärkt und der Strompreis für Verbraucher und Unternehmen entlastet“, erklärte Rösler.

Aufgrund innernorwegischer Netzengpässe ist bis 2021/22 nur der Anschluss von zwei Seekabeln in Südnorwegen möglich. Geplant ist eins nach Deutschland und eins nach Großbritannien. Erst nach 2022 (voraussichtlich ab 2025) werden in Abhängigkeit der Netzsituation in Norwegen weitere Kabelanschlüsse möglich sein, so das BMWi gegenüber BIZZ energy today.

Nach Russland (rund 40 Prozent) ist Norwegen Deutschlands zweitwichtigster Gaslieferant (rund 34 Prozent). Das Land gilt aufgrund seiner geologischen Gegebenheiten und einem Speicherpotenzial zwischen 10 und 30 Gigawatt als grüne Batterie Europas. Zum Vergleich: Alle deutschen Kraftwerke bringen es zusammen auf rund 150 Gigawatt instalierte Leistung.

Mehr zu dem Thema erfahren Sie im exklusiven BIZZ energy today Interview mit ABB-Deutschland-Chef Peter Terwiesch.

Tina Gilic
Keywords:
Stromnetz | Energieeffizienz | Stromspeicher
Ressorts:
Governance | Technology

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