Alle Welt schaut nach Brasilien, wo am Wochenende die olympischen Sommerspiele eröffnet wurden. Der japanische Autobauer Nissan nutzte die Aufmerksamkeit. In Rio de Janeiro präsentierte der Konzern das nach eigenen Angaben weltweit erste Auto mit Brennstoffzelle, das Strom aus Bioethanol gewinnt.

Der Alkohol gilt als vergleichsweise klimafreundlich. Durch die Verwendung nachwachsender Rohstoffe wie Zuckerrohr oder Mais wird unterm Strich bei der Fahrt kein zusätzliches CO2 ausgestoßen. Allerdings werden bei der Herstellung des Biosprits zusätzliche Schadstoffe ausgestoßen, unter anderem durch die Maschinen bei der Ernte auf dem Acker.

Grundsätzlich funktioniert das e-Bio Brennstoffzellen-Auto ähnlich wie ein Batteriefahrzeug – mit einem zusätzlichen Kraftwerk an Board. Zunächst wird darin Bioethanol durch einen Reformer unter anderem in Wasserstoff gespalten. Das so gewonnene Gas lässt sich zusammen mit Sauerstoff in Strom umwandeln, der die Autobatterie antreibt. Bis zu 600 Kilometer weit soll das Auto mit einer Tankfüllung fahren können und damit weiter kommen als andere Wasserstoff-Autos.

 

Klimabilanz mit Fragezeichen

Nissan will mit dem neuen Modell von dem Trend zu grünen Kraftstoffen profitieren. „Der e-Bio Fuel-Cell ist eine umweltfreundliche Fortbewegung und eröffnet regionalen Energieproduzenten neue Möglichkeiten, indem bereits existierende Infrastruktur genutzt wird“, wirbt der brasilianische Nissan-Chef Carlos Ghosn bei der Vorstellung des Autos an der Copacabana. Der Alkohol kann in Brasilien an jeder Tankstelle getankt werden. Überwiegend wird er dort aus Zuckerrohr gewonnen. Brasilien ist weltweit der größte Zuckerproduzent und –exporteur und der zweitgrößte von Biosprit. Mittlerweile tanken die meisten in Brasilien erhältlichen Auto-Modelle den Bio-Alkohol statt Diesel oder Benzin. Allerdings wird zu diesem immer noch normales Benzin beigemischt.

In Deutschland ist die Verwendung von Biokraftstoffen umstritten. Die Industrie nehme den Menschen in den Entwicklungsländern die Nahrung weg, indem Zuckerrohr oder Mais im Tank landeten, argumentieren die Kritiker.

 

Reiner E-Antrieb in Deutschland

Wann und wo das Auto genau auf den Markt kommen soll, wollte Nissan auf Anfrage von bizz energy noch nicht verraten.
Nur so viel: „Das Fahrzeug beziehungsweise die Technik wird jetzt dort getestet, wo Bioethanol als Kraftstoff bereits heute flächendeckend zum Einsatz kommt. Also zum Beispiel in Brasilien.“ 
Dass der neue Nissan irgendwann auch in Deutschland zu haben ist, scheint unwahrscheinlich. Hierzulande sei weiter die 100-prozentige Elektromobilität „richtungsweisend“, so ein Nissan-Sprecher. „Schließlich ist das Stromnetz engmaschig und Elektrizität überall verfügbar.“ 

(Foto: Nissan)