Mit der symbolischen Übergabe eines Förderbescheides über mehr als 52 Millionen Euro durch Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) ist das Norddeutsche Reallabor zur Transformation des Energiesystems gestartet. Im Verbund der Länder Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern wollen mehr als 50 Partner aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik in den kommenden fünf Jahren die Weichen für eine klimaneutrale Energieversorgung für Industrie, Wärme und Verkehr stellen.

Dafür werden in den drei Nord-Bundesländern in 25 Projekten 18 große Anlagen für die Sektorkopplung entstehen - der Fokus liegt dabei auf grünem Wasserstoff sowie auf energieeffizienten Quartieren, insbesondere im Wärmebereich. Insgesamt sind Investitionen von mehr als 300 Millionen Euro geplant. Pro Jahr soll so eine halbe Million Tonnen Kohlendioxid eingespart werden.

In den drei Bundesländern wird bereits 30 Prozent mehr erneuerbarer Strom erzeugt als die Länder selbst insgesamt an Strom verbrauchen. Der grüne Strom soll zu verschiedenen Verbrauchs-Hubs fließen - zwei in Hamburg, einen Hub in Mecklenburg-Vorpommern (Schwerpunkt Schwerin) sowie dem Hub Schleswig-Holstein, der aus zwei Standorten (Brunsbüttel und Haurup) besteht. An Knotenpunkten des Stromnetzes sollen Schwerpunkte "grüner" Wasserstoff-Produktion geschaffen werden. Geplant sind acht Elektrolyseanlagen mit 42 Megawatt Leistung sowie weitere Anlagen zur Nutzung von Industriewärme und 220 Brennstoffzellen-Fahrzeuge sowie Wasserstoff-Tankstellen.

Drei Terawattstunden Überschuss-Strom gehen verloren

Bei der Bewältigung der Klimakrise gehe es nicht um die Frage Klima oder Wohlstand, "sondern um Klima und Wohlstand", sagte Altmaier am Mittwoch in Hamburg. Um dieses Ziel für Deutschland zu erreichen, sei das Norddeutsche Reallabor ein wichtiger Baustein. Pro Jahr gingen in Norddeutschland bisher drei Terawattstunden "Überschussstrom" aus der Windenergie ungenutzt verloren, sagte Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD). Strom sei zwar ein universeller Energieträger, aber in Bereichen der Industrie oder großen Fahrzeugen wie Frachtschiffen oder Flugzeugen nicht effizient einsetzbar. "Wenn wir Erdgas, Erdöl, Kohle ersetzen wollen, dann brauchen wir einen stofflichen Energieträger, und das ist der Wasserstoff."

Um das zu schaffen, müsse "grüner" Wasserstoff wettbewerbsfähig sein, sagte Schleswig-Holsteins Energiewendeminister Jan-Philipp Albrecht (Grüne). Nachteile gegenüber fossilen Energieträgern müssten abgebaut werden. Dazu sei eine grundlegende Reform der Steuern und Abgaben im Energiebereich nötig. Die Staatssekretärin im Energieministerium des Landes Mecklenburg-Vorpommern, Ina-Maria Ulbrich, betonte, wenn "grüner" Wasserstoff unter Marktbedingungen eingesetzt werden solle, "müssen wir ran an die gesetzlichen Regelungen."

jst/dpa

Zum Reallabor gehört auch, das Zusammenspiel von Windkraft und Netzen besser auszunutzen. (Copyright: Istock)