Elektromobilität
19.01.2018

Norwegen elektrifiziert alle Kurzstreckenflüge bis 2040

Foto: istockphoto/bruev
Norwegen will auch bei Elektro-Flugzeugen Vorreiter werden.

Bei der Elektrifizierung des Straßenverkehrs steht Norwegen bereits an der Spitze. Nun will der skandinavische Staat als erstes Land der Welt auch den Flugverkehr umstellen.

Mehr als die Hälfte aller neuzugelassenen Autos in Norwegen haben Elektro- oder Hybridantrieb. In keinem anderen Land der Welt liegt der Marktanteil höher. Doch die Elektrifizierung des Verkehrs geht weiter: Als nächstes will das Land alle Kurzstreckenflüge mit einer Flugdauer von anderthalb Stunden elektrifizieren. Bis zum Jahr 2040 soll kein mit Kerosin betankter Flieger mehr auf diesen Strecken zum Einsatz kommen, die auch zu den Hauptstädten benachbarter Länder gehen, teilte der öffentliche Flughafenbetreiber Avinor mit. „Wenn wir unser Ziel erreicht haben, werden Flugreisen kein Problem mehr für das Klima sein, sondern eine Lösung“, sagt Avinor-Chef Dag Falk-Petersen der Nachrichtenagentur AFP.

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Als ersten Schritt will das Unternehmen ein kleines Elektroflugzeug mit 19 Sitzen auf einer kommerziellen Strecke testen. Es soll 2025 starten. Falk-Petersen zufolge werden elektrische Flugzeuge die Lärmbelastung im Flugverkehr um mindestens die Hälfte senken. Das gleiche gelte für die Betriebskosten. Auf dem Weg dorthin müssten jedoch auch Brückentechnologien wie Biokraftstoffe und Hybridantriebe zum Einsatz kommen. Statistiken zufolge steuert der Flugverkehr 2,4 Prozent zum Treibhausgasausstoß innerhalb Norwegens bei. Mehr als doppelt so hoch ist der Wert, wenn man Routen ins Ausland hinzurechnet. 

Boeing, Airbus und Easyjet haben ähnliche Pläne

Auch die großen Flugzeughersteller Boeing und Airbus sind momentan dabei, elektrische Antriebe zu testen. Airbus stellte im vergangenen Jahr ein Projekt für ein vollelektrisches Flugzeug ein und will sich nun zunächst auf die Entwicklung eines Hybrid-Modells konzentrieren. Dazu hat es sich Siemens und den Triebwerkshersteller Rolls Royce als Partner an Bord geholt, der erste Flug ist für 2020 geplant. Konkurrent Boeing wiederum ist in das Start-up Zunum Areo investiert, das bis 2022 ebenfalls ein Hybrid-Pendlerflugzeug auf den Markt bringen will.

Ein vollelektrisches Flugzeug plant hingegen das kalifornischen Start-up Wright Electric. Es kooperiert dabei mit der Billigfluggesellschaft Easy Jet. Die batteriebetriebene Maschine soll 220 Passagiere fassen und in zehn Jahren alle Ziele in Europa anfliegen – die Reichweite wird mit 540 Kilometern beziffert. Für die Entwicklung soll Wright Electric Ingenieure der NASA angeheuert haben. Die Batterie, die zugekauft werden soll, befindet sich allerdings noch in der Entwicklung.

Jutta Maier
Keywords:
Elektromobilität | Norwegen | Flugverkehr
Ressorts:
Technology | Markets

Kommentare

Für Kurzstreckenflüge fällt ein Verbrauch von rund 5 Liter Kerosin je 100 Personen-Kilometer an. Für die genannte Flugleistung von 540 km mit 220 Passagieren sind also knapp 5 Tonnen Kerosin erforderlich, was einer Energiemenge von über 50.000 Kilowatt-Stunden entspricht. Ein Elektroflieger benötigt natürlich für so einen Flug die gleiche Energiemenge. Ein Akku dafür mit einer Energiedichte von (optimistisch) rund 0,4 Kilowatt-Stunden je Kilogramm Gewicht würde also rund 130 Tonnen (!) wiegen - die erforderliche Leistungselektronik für das Akkumanagement noch gar nicht berücksichtigt. Zum Vergleich: ein aktueller Airbus der A320/A321-100/200 Reihe hat ein gesamtes Abfluggewicht von rund 80 Tonnen. Da sich (leider) heute selbst im Labor keine wirklich revolutionären Akkuentwicklungen abzeichnen, kann also in den verbleibenden 7 Jahren bis 2025 nur mit geringfügigen Verbesserungen bei der Energiedichte gerechnet werden. Dazu kommt, dass die luftfahrttechnische Zertifizierung einer solchen neuen Flugtechnik sich wohl auch in diesem Zeitraum abspielen müsste.

Fazit: Aktien dieser Firma würde ich nicht kaufen.

So ein Unsinn zu einem Zeitpunkt wo keiner weiß ob das möglich ist. Leichter und CO2-sparender wäre, das Nordseeöl dort zu lassen wo es ist. Solange man das nicht macht, kann man Norwegens Umweltpolitik nur mit "verlogen" beurteilen.

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