Russland
15.09.2016

Norwegen will Gazproms Einfluss begrenzen

Foto: OMV
Die Russen sollen Anteile an den Nordsee-Feldern von OMV vor der norwegischen Küste erhalten. Das sieht der norwegische Ölminister Ölminister Tord André Lien nicht gern – und will den Deal klein halten.

Das Öl-Ministerium in Oslo interveniert gegen einen Asset-Tausch zwischen OMV und Gazprom. Mögliche Folge: Eine hohe Ausgleichzahlung an die Russen.

 

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Der OMV-Vorstandsvorsitzende Rainer Seele galt schon als Russland-Freund, als er noch den deutschen Öl- und Gasförderer Wintershall führte. Die BASF-Tochter gehört zu den wenigen internationalen Konzernen mit hoher Beteiligung an Förderprojekten in Russland, etwa an der Achimov-Formation über das Gemeinschaftsunternehmen Achimgaz, an dem auch Russlands Vorzeigekonzern Gazprom beteiligt ist.

Deshalb wunderte es niemanden, als Seele in seiner neuen Funktion beim größten Energiekonzern Österreichs einen Asset-Tausch mit Gazprom einfädelte. Der Plan: Die Russen erhalten Anteile an den Nordsee-Feldern von OMV vor der norwegischen Küste. Im Gegenzug wird OMV an den Feldern IV und V der Achimov-Formation beteiligt. Diese sollen in den kommenden Jahren erschlossen werden. In der gleichen Region, in der auch Wintershall bereits erfolgreich aktiv ist.

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Norwegen will Russlands Einfluss begrenzen 

Soweit so gut. Doch die Geschichte hat einen Haken: Norwegen sieht in Gazprom den verlängerten Arm des Kreml. Daher will insbesondere Ölminister Tord André Lien den Einfluss Gazproms und daher den Anteil an OMV Norge begrenzen. Gazprom bestätigte diese Information gegenüber der russischen Nachrichtenagentur Interfax: Man könne lediglich 25 Prozent an OMVs norwegischen Förderkapazitäten bekommen.

Im Gespräch war ursprünglich ein doppelt so hoher Anteil. Dafür sollten die Österreicher im Gegenzug 24,98 Prozent an den Achimov-Sektionen IV und V erhalten. Die Gesamtreserven der beiden Sektionen belaufen sich auf 273 Milliarden Kubikmeter Erdgas, mit einem angepeilten Fördervolumen von 14 Milliarden Kubikmeter jährlich. Die jährliche Fördermenge von OMV in Norwegen beträgt aktuell 9,5 Millionen Barrel Öl und etwa eine Milliarden Kubikmeter Gas jährlich.

 

Gazprom an Know-How interessiert

Sollte der Anteil Gazproms auf 25 Prozent beschränkt werden, muss OMV wohl eine hohe dreistellige Millionensumme draufzahlen. Das erwarten zumindest Brancheninsider. Alexei Kokin, Analyst der russischen Investmentbank Uralsib geht davon aus, dass die von Gazprom angebotene Beteiligung in Sibirien derzeit mit etwa einer Milliarden Dollar mehr Wert sei, als OMV Norge insgesamt, die er mit etwa 600 bis 700 Millionen Dollar bewertet.

Für Gazprom dürfte der Deal dennoch auch weiterhin attraktiv bleiben, glauben Branchenexperten. In erste Linie gehe es dem russischen Konzern nicht um Gewinne, sondern um Erfahrung mit Shelf-Förderung und um technisches Know-How. Eine 25-prozentige Beteiligung erfülle diesen Zweck, glaubt meint etwa Maxim Moschkow, Öl- und Gasanalyst bei der Moskauer Niederlassung der Bank UBS. Zumal Gazprom auch daran interessiert sein dürfte, OMV als Partner für Nord Stream 2 enger an sich zu binden. Die Betreibergesellschaft der künftigen Ostsee-Pipeline nannte die Österreicher als Anwärter auf etwa zehn Prozent des Pipeline-Konsortiums. 

Maxim Kireev
Keywords:
Russland | OMV | Norwegen | Österreich | Gazprom
Ressorts:
Markets

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