Strompreise
26.10.2016

Notmaßnahmen im Netz: Kosten weiterhin hoch, aber rückläufig

Foto: iStock.com/Eugen Rivinius
Teure Notmaßnahmen: Das deutsche Stromnetz ist häufig überlastet.

Die Stabilisierung des deutschen Höchstspannungsnetzes verschlingt weiter enorme Summen. Immerhin: Eine Auswertung von bizz energy zeigt, dass sie im Vergleich zum Vorjahreszeitraum leicht rückläufig sind.

Die Notmaßnahmen im deutschen Höchstspannungsnetz bleiben ein wichtiger Strompreistreiber. Aber immerhin sind die über Jahre explodierenden Kosten in den ersten zwei Dritteln des Jahres leicht gesunken, wie eine Analyse von bizz energy zeigt. Sie basiert auf den neuesten Daten von Entso-E, dem Zusammenschluss der europäischen Übertragungsnetzbetreiber; zu Entso-E gehören auch die vier deutschen Höchstpannungsnetzbetreiber Tennet, 50Hertz, Amprion und TransnetBW.

Anzeige

Demnach kosteten die Notmaßnahmen dieser vier Netzbetreiber bis Ende August 2016 rund 422 Millionen Euro. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es 456 Millionen Euro. Der Löwenanteil fällt dabei für Redispatch und das Abregeln von Ökostromanlagen an, die entschädigt werden müssen. Beim Redispatch muss ein Anbieter sein Kraftwerk auf Weisung des Netzbetreibers ausschalten – und wird dafür entschädigt. Eine andere, aus Netzstabilitätssicht bessere Anlage springt ein und muss bezahlt werden.

Anzeige

 

Starkwind-Starklast - dann wird es besonders teuer

Noch vor wenigen Jahren hatten die Kosten für derartige Eingriffe keine Rolle gespielt. Nachdem 2015 jedoch im Gesamtjahr die Eine-Milliarde-Euro-Grenze geknackt wurde, bekam das Thema politische Brisanz. Schließlich müssen dafür, wenn auch verzögert, die Haushalts- und Gewerbekunden über die Netzentgelte bezahlen. Tennet hatte jüngst angekündigt, seine Entgelte zum Jahrewechsel um 80 Prozent anzuheben. Für einen Drei-Personen-Haushalt macht das nach Angaben des Unternehmens rund 30 Euro aus. Die Verteilnetzbetreiber verlangen das Geld von den Stromvertriebsgesellschaften und leiten es an die Übertragungsnetzbetreiber weiter.

Laut Entso-E-Datenbank war wie üblich der Winter besonders teuer. Im Januar 2016 gaben die Betreiber für das Netzmanagement rund 120 Millionen Euro aus, im Februar rund 100 Millionen. Im Juni waren es dagegen nur acht Millionen Euro. Das liegt daran, dass die sogenannte Starkwind-Starklast-Situation besonders viele Eingriffe erfordert und gehäuft im Winter auftritt. Im Winter ist die Windstromproduktion besonders hoch. Gleichzeitig wird aufgrund der Dunkelheit und Kälte viel Strom verbraucht. Während die Windproduktion sich im hohen Norden konzentriert, sind große Verbrauchsezentren im Süden. Das Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage überlastet aber die Nord-Süd-Stromleitungen. Dann müssen die Netzbetreiber eingreifen und abregeln beziehungsweise Kraftwerke im Norden abschalten und teurere Anlagen, zum Beispiel Gas- und Ölkraftwerke, im Süden anfordern.

 

Jakob Schlandt
Keywords:
Stromnetz | Übertragungsnetz | Tennet | Redispatch | Höchstspannungsnetz | 50Hertz
Ressorts:

Kommentare

Was ich nicht verstehe:
Was haben alle gegen Power To Gas????
http://www.powertogas.info/
http://www.n-tv.de/wirtschaft/Durchbruch-fuer-Energiewende-article157371...
https://www.bmbf.de/de/sicher-bezahlbar-und-sauber-2624.html

Wir haben doch alles:
Gasspeicher für Monate Sicherheit
Gasnetze
Gasautos, Gasbusse
Gaskraftwerke
Gasherde
....
Wir brauchen noch eine industrielle Strom zu Gas- Wandlung. Da sind die Forscher hoffentlich dran.

Es scheint wohl besser zu sein, die Erde umzugraben für Akkus, mit allen Umweltverschmutzungen und Stromtrassen zu bauen, etc.

Power to Gas ist eine tolle Idee und wurde schon vor über 30 Jahren als Wasserstoffwirtschaft gefeiert. Die ökonomische Realität sieht allerdings so aus, dass Wasserstoff in der Regel aus Methan gewonnen wird und nicht durch Elektrolyse. Bei Umwandlung von Strom in künstliches Methan und Einspeisung in das Erdgasnetz wären zwar viele Probleme von heute gelöst, allerdings ist die Erzeugung von künstlichem Methan aus Strom bei einem Wirkungsgrad bei 20-30 % heute noch energetisch sehr aufwändig. Dahinter stehen gewaltige Investitionen und Rauminanspruchnahmen für die Umwandlung Erneuerbarer Energien in Strom und Wandler von Strom zu Wasserstoff und von Wasserstoff zu Methan.

Das Wirkungsgradthema ist mir bewusst. Wenn ich jedoch "kostenlosen" Strom (Wir schalten für viel Geld Anlagen ab) mit diesem Wirkungsgrad verarbeite... Was kostet es dann? Den Invest. PV hat welchen Wirkungsgrad? Wieviele Rapsfelder und Ex.Urwälder werden nehmen Raum ein? Gasnetz gibt es und Speicher gibt es. Besser als Kugeln mit technischer Einrichtung in 700m! Tiefe zu versenken. Das Thema muss einfach technisch gelöst werden. An Land.

Neuen Kommentar schreiben

 

Newsletter bestellen – Wunschausgabe erhalten

Jetzt den wöchentlichen
Newsletter bizz energy weekly abonnieren
und eine Ausgabe
Ihrer Wahl kostenlos erhalten.

Hier geht es zur Aktion!

 
 

bizz energy Research

Energie, Digitalisierung und Mobilität.
Unsere Factsheets bieten visualisierte Daten, liefern Fakten und stellen Zusammenhänge zu den Top-Themen der Energiewende dar.


Mehr Informationen