Die Notmaßnahmen im deutschen Höchstspannungsnetz bleiben ein wichtiger Strompreistreiber. Aber immerhin sind die über Jahre explodierenden Kosten in den ersten zwei Dritteln des Jahres leicht gesunken, wie eine Analyse von bizz energy zeigt. Sie basiert auf den neuesten Daten von Entso-E, dem Zusammenschluss der europäischen Übertragungsnetzbetreiber; zu Entso-E gehören auch die vier deutschen Höchstpannungsnetzbetreiber Tennet, 50Hertz, Amprion und TransnetBW.

Demnach kosteten die Notmaßnahmen dieser vier Netzbetreiber bis Ende August 2016 rund 422 Millionen Euro. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es 456 Millionen Euro. Der Löwenanteil fällt dabei für Redispatch und das Abregeln von Ökostromanlagen an, die entschädigt werden müssen. Beim Redispatch muss ein Anbieter sein Kraftwerk auf Weisung des Netzbetreibers ausschalten – und wird dafür entschädigt. Eine andere, aus Netzstabilitätssicht bessere Anlage springt ein und muss bezahlt werden.

 

Starkwind-Starklast - dann wird es besonders teuer

Noch vor wenigen Jahren hatten die Kosten für derartige Eingriffe keine Rolle gespielt. Nachdem 2015 jedoch im Gesamtjahr die Eine-Milliarde-Euro-Grenze geknackt wurde, bekam das Thema politische Brisanz. Schließlich müssen dafür, wenn auch verzögert, die Haushalts- und Gewerbekunden über die Netzentgelte bezahlen. Tennet hatte jüngst angekündigt, seine Entgelte zum Jahrewechsel um 80 Prozent anzuheben. Für einen Drei-Personen-Haushalt macht das nach Angaben des Unternehmens rund 30 Euro aus. Die Verteilnetzbetreiber verlangen das Geld von den Stromvertriebsgesellschaften und leiten es an die Übertragungsnetzbetreiber weiter.

Laut Entso-E-Datenbank war wie üblich der Winter besonders teuer. Im Januar 2016 gaben die Betreiber für das Netzmanagement rund 120 Millionen Euro aus, im Februar rund 100 Millionen. Im Juni waren es dagegen nur acht Millionen Euro. Das liegt daran, dass die sogenannte Starkwind-Starklast-Situation besonders viele Eingriffe erfordert und gehäuft im Winter auftritt. Im Winter ist die Windstromproduktion besonders hoch. Gleichzeitig wird aufgrund der Dunkelheit und Kälte viel Strom verbraucht. Während die Windproduktion sich im hohen Norden konzentriert, sind große Verbrauchsezentren im Süden. Das Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage überlastet aber die Nord-Süd-Stromleitungen. Dann müssen die Netzbetreiber eingreifen und abregeln beziehungsweise Kraftwerke im Norden abschalten und teurere Anlagen, zum Beispiel Gas- und Ölkraftwerke, im Süden anfordern.

 

Teure Notmaßnahmen: Das deutsche Stromnetz ist häufig überlastet. (Foto: iStock.com/Eugen Rivinius)