Oberfranken soll Förderregion bei der Forschung und Anwendung von Wasserstoff als Energiequelle werden. "Der Bund stellt dafür 43 Millionen Euro zur Verfügung", sagte der Bundestagsabgeordnete Andreas Schwarz (SPD) in Bamberg. "Wir wollen mit der Förderung Anreize für Kommunen und mittelständische Unternehmen setzen, in Wasserstoff zu investieren." Zuerst hatte der Bayerische Rundfunk darüber berichtet.

Oberfranken soll in den kommenden drei, vier Jahren zum "Reallabor" für Wasserstoff werden, erklärte Schwarz. "Vor Ort haben wir unwahrscheinlich viele Akteure in dem Bereich." Der Bund der Selbstständigen in Bayern soll diese Akteure nun vernetzen und konkrete Projekte anstoßen. So soll beispielsweise ein Logistikunternehmen für vier Millionen Euro Lastwagen auf Wasserstoff umrüsten, berichtete Schwarz. Dabei könnten Brennstoffzellen des Autozulieferers Bosch eingesetzt werden, die in Bamberg produziert werden. Es gebe auch schon einen Interessenten, der Wasserstofftankstellen bauen wolle.

In Lichtenfels soll für elf Millionen Euro ein Forschungs- und Anwendungszentrum für Wasserstoff entstehen, kündigte Schwarz an. "Aber auch für Kommunen kann die Förderung interessant sein. Die Energie für Schwimmbäder und Sporthallen könnte in Zukunft aus Wasserstoff produziert werden." Auch der Betreiber eines Hotel und ein Lebensmittelhersteller hätten schon Interesse gezeigt.

"Wir reden alle über Wasserstoff, aber es passiert nichts", kritisiert der Bundestagsabgeordnete. "Unsere Idee ist: Wir picken uns jetzt Oberfranken raus und probieren es einfach mal." Zunächst sollen alle Projekte gesammelt und dann zur Förderung beim Umweltministerium vorgestellt werden. "Unser Ziel ist es, mit den Erfahrungen aus Oberfranken bald ähnliche Projekte bundesweit umzusetzen."

Wasserstoff-Vollversammlung

Als virtuelle Veranstaltung findet diese Woche am 26. und 27. Januar die Deutsche Wasserstoffvollversammlung (Programm hier) statt, organisiert von der NOW GmbH. Die Konferenz gibt einen Überblick über den Stand von Technologie, Produkten und Projekten und bietet Gelegenheit, sich über die Positionierung von Bund und Ländern zum Thema Wasserstoff zu informieren. Die Onlinekonferenz ist nach Angaben von NOW bereits ausgebucht.

Auch in der Lausitz will ein Netzwerk Wasserstoff zum Aushängeschild der Region machen. Die drei Projektpartner IHK Cottbus, der Verein Cebra sowie das Fraunhofer-Institut in Zittau erhalten dafür 600 000 Euro vom Bund, wie die Industrie- und Handelskammer Cottbus am Mittwoch mitteilte.

Das entsprechende brandenburgisch-sächsische Wasserstoffnetzwerk namens DurcH2atmen soll unter anderem regionale Wasserstoffprojekte beraten und fachlich begleiten. Das Bundwirtschaftsministerium stellt dafür 200.000 Euro je Projektpartner bis Ende 2023 bereit. Auch für die berufliche Qualifizierung und Anpassung von Lehrplänen wollen sich die Projektpartner einsetzen, etwa bei Ausbildungsberufen. Das Netzwerk hat nach eigenen Angaben mittlerweile knapp 100 Partner mit über 60 Produktideen. Dazu zählen der Bau von Speicherkraftwerken, der Aufbau eines Wasserstofftankstellennetzes oder die Umstellung der Bus- und Abfallfahrzeuge auf Wasserstoffantrieb.

dpa

Mit der Hilfe von Wasserstoff hoffen viele Regionen im Zuge des Strukturwandels auf eine verbesserte wirtschaftliche Zukunft (Copyright: Istock)