Klimaschutz-Finanzierung
29.05.2019

OECD will Green Finance zum Durchbruch verhelfen

Foto: Hervé Cortinat/OECD
Das jährliche OECD-Forum zu umweltfreundlichen Finanzierungen und Investitionen (hier eine Aufnahme von 2017) bringt führende Akteure der Green-Finance-Szene zusammen.

Eine OECD-Initiative mit Weltbank und UN-Umweltprogramm will die Finanzierungslücke beim Klimaschutz schließen. Bis 2030 müssten die Ausgaben verfünffacht werden.

Auch wenn der Erfolg der Grünen bei den Europawahlen dem Klimaschutz in Europa Rückenwind geben dürfte, bleibt dessen Finanzierung ein Hindernis bei der Bekämpfung der Erderwärmung. Die Initiative „Klimafinanzierung für die Zukunft“ von Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), Weltbank und UN-Umweltprogramm hat die Investitionslücke vermessen und kommt zum Ergebnis, dass derzeit nur ein Bruchteil des benötigten Geldes in nachhaltige Investitionen fließt. Um das Pariser Klimaziel, den globalen Temperaturanstieg auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen, zu erreichen, müsste die Menschheit bis 2030 jährlich 6,9 Billionen US-Dollar in grüne Infrastruktur investieren.

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„Die jährlichen Ausgaben für erneuerbare Energien und Energieeffizienz bis 2030 müssen um den Faktor Fünf steigen, um die Klima- und Entwicklungsziele der Vereinten Nationen (UN) zu erreichen“, kritisiert die Industriestaatenorganisation OECD, die bei der Studie federführend war. Das gemeinsame Papier, das bizz energy vorliegt, fordert von den Regierungen weltweit, nachhaltigen Investitionen den Vorzug zu geben und die globalen Finanzströme stärker in Richtung UN-Klima- und Entwicklungsziele zu lenken.

Staatliche Haushalte reichen nicht aus

Heute kommen nicht einmal ein Prozent der Anlagen institutioneller Investoren wie Banken und Fonds klimafreundlichen Infrastrukturvorhaben zu gute. Dies ergaben nach Berechnungen der Green Finance Study Group der G20-Staaten. Stattdessen fließen Erhebungen der Internationalen Energieagentur zufolge immer noch gut 57 Prozent aller Investitionen im Energiesektor in die Förderung und Nutzung fossiler Vorkommen.

Die staatlichen Haushalte reichen bei weitem nicht aus, die Finanzierungslücke zu füllen, beklagt die OECD. Ohne private Investitionen für den Übergang zu einer kohlenstoffarmen Infrastruktur zu mobilisieren, wird der Kampf gegen die Klimaerwärmung erfolglos bleiben. „Es gilt öffentliche und private Mittel aus dem gesamten Finanzspektrum zu mobilisieren, um die Billionen von Dollar bereitzustellen, die für eine nachhaltige Entwicklung erforderlich sind“, fordert die OECD.

Vorrang für nachhaltige Investitionen

Zwar ist der globale Markt für grüne Anleihen (green bonds) seit 2011 exponentiell von 3 Milliarden Dollar auf 163 Milliarden Dollar gewachsen. Doch selbst wenn man die 900 Milliarden Dollar Anleihen hinzuzählt, die wenigstens 75 Prozent des angelegten Geldes in nachhaltige Projekte stecken, ist dies nicht viel mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein. Der globale Anleihenmarkt kommt insgesamt auf 100 Billionen Dollar.

Um diese Gelder für nachhaltige Investitionen zu mobilisieren, fordert die OECD einschneidende Maßnahmen von ihren Mitgliedstaaten. Angesichts der langen Lebensdauer von Infrastrukturen müssten vor allem in den Bereichen Energie, Verkehr und Bau klimaneutrale Vorhaben die Norm werden. Die öffentliche Förderung von Forschung und Entwicklung nachhaltiger Produkte müsste sich verdoppeln, damit diese schneller auf den Markt kommen. Die Staaten sollten ihre Abhängigkeit von fossilen Energieträgern vermindern – vorneweg die OPEC-Staaten, die 85 Prozent ihrer Haushalte aus dem Verkauf von Erdöl speisen. Der Ausstoß von Treibhausgasen müsste für Verbraucher deutlich teurer werden. Derzeit werden nur 12 Prozent der Emissionen angemessen mit etwa 30 Euro pro Tonne bepreist. Schließlich sollten nachhaltige Investitionen Vorrang erhalten – etwa indem Investoren Klimarisiken offenlegen und Aufseher diese bei der Beurteilung der Finanzmarktstabilität berücksichtigen.

Im privaten Finanzsektor tut sich was

Einen wichtigen Hebel, um den globalen Finanzmarkt stärker auf Klimaschutz auszurichten, sieht die OECD in den Staatsfonds. Rund 15 Billionen Dollar verwalten diese im Auftrag ihrer Regierungen. Ihre Neuausrichtung könnte einen erheblichen Teil der Finanzierungslücke für Klimaprojekte schließen. Mit gutem Beispiel voran geht der eine Billion Dollar schwere Staatsfonds Norwegens, der größte seiner Art weltweit.  Ab diesem Jahr will er nur noch in nachhaltig wirtschaftende Unternehmen investieren.

Auch im privaten Finanzsektor tut sich etwas. So wollen DWS, die Fondstochter der Deutschen Bank, und Allianz Global Investor künftig vor allem auf umwelt- und klimafreundliche Anlagen setzen. Für Investoren muss das kein Schaden sein – im Gegenteil. Bei Anleihen und Aktien ist hier das Rendite-Risiko-Verhältnis nach einer Auswertung der Berliner Steinbeis-Hochschule besser als für den Gesamtmarkt. Und das Global Research Institute kommt zum Ergebnis, dass umweltfreundliche Unternehmen in der Regel finanziell leistungsfähiger sind als andere.

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Norbert Mühlberger
Keywords:
OECD | Green Bonds
Ressorts:
Finance

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