Geldanlage für Klimaschutz
16.05.2019

SPD will Öko-Schatzbrief – KfW platziert größten Green Bond

Foto: iStock
SPD-Politiker sprechen sich für einen grünen Schatzbrief als Geldanlage aus.

Die SPD schlägt einen Öko-Schatzbrief vor, um Klimaschutz und Energiewende zu finanzieren. Experten zweifeln am Nutzen, zumal die Förderbank KfW große grüne Anleihen ausgibt.

Im Zuge der Diskussion um die Investitionen in die Energie- und Verkehrswende kam in dieser Woche aus dem Fraktionsvorstand der SPD eine ungewöhnliche Idee: ein Öko-Schatzbrief als Anlagemöglichkeit für Bürger. Doch wie sinnvoll ist dieser Vorschlag?

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In den Bereichen Verkehr und Gebäude brauche es massive Investitionen, und es stelle sich die Frage, wie das bezahlt werden solle, sagte SPD-Fraktionsvize Matthias Miersch. „Wir könnten den Menschen auch anbieten, sich an der Energiewende zu beteiligen über eine Art Öko-Schatzbrief beziehungsweise Zukunftsanleihe mit einem gesicherten Zinssatz als Geldanlage.“ Auch Partei- und Fraktionschefin Andrea Nahles schloss sich dem an: „Wir sollten Betroffene zu Beteiligten machen, auch bei der Finanzierung der Energiewende“, sagte Nahles am Montag während einer Fachkonferenz der Sozialdemokraten im Bundestag.

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„Es fehlt nicht an Kapital“

„Das Anliegen, die Energiewende voranzubringen, ist völlig richtig“, sagt Julian Mertens von der Bochumer GLS-Gemeinschaftsbank. Doch der Staat solle lieber gesetzliche Rahmenbedingungen schaffen, die die Energiewende beschleunigen. „Denn es fehlt nicht an Kapital, es fehlt an Projekten“, so der Sprecher der genossenschaftlichen Ökobank.

Über Schatzbriefe oder Anleihen kann der Staat Kapital einsammeln. Wer eine Anleihe kauft, bekommt einen bestimmten Zinssatz fest zugesagt. Ab der Erstausgabe 1969 entwickelten sich Schatzbriefe zum Klassiker unter den Bundeswertpapieren. Jahrzehntelang zählten sie zu den beliebtesten Anlagen in Deutschland, denn sie galten als rentabel und sehr sicher. Doch Ende 2012 wurde der direkte Verkauf eingestellt – dem Bund waren die Kosten zu hoch.

KfW begibt größten Green Bond

Auch gegen neue Schatzbriefe spricht, dass der Staat den Bürgern höhere Zinsen zahlen müsste, als wenn er sich Geld am Kapitalmarkt besorgen würde. „Der Staat hat 2012 nicht umsonst die Ausgabe von Schatzbriefen an Privatanleger beendet“ sagt Mertens. „Derzeit kann er sich refinanzieren und bekommt sogar Geld dafür, weil die Zinsen auf Bundesanleihen negativ sind.“

Dass es derzeit nicht an Kapital mangelt, dafür spricht auch die neueste Platzierung einer grünen Anleihe am Kapitalmarkt durch die staatliche Förderbank KfW. Der neue Green Bond hat eine Laufzeit von acht Jahren und ein Volumen von drei Milliarden Euro. Er ist damit der KfW Green Bond mit dem bisher höchsten Volumen und stößt nach Angaben der Förderbank auf eine starke Nachfrage. Und die KfW will ihr Green-Bond-Emissionsprogramm weiter ausbauen.

Bund prüft grüne Bundesanleihe

Der Bund prüft zudem offenbar die Einführung einer grünen Bundesanleihe, wie die „Börsen-Zeitung“ kürzlich berichtete. Demnach wird vor allem über ein Modell mit zwei Komponenten diskutiert: Dabei gibt der Bund eine herkömmliche Anleihe aus, allerdings ergänzt um ein grünes Wertpapier mit eigener Wertpapierkennnummer. Das Produkt könnte 2020 kommen. Im Gegensatz zu solch einer Bundesanleihe wären Öko-Schatzbriefe des Bundes nicht börsennotiert und somit ohne Kursrisiko.

SPD-Fraktionsvize Miersch sagt, er wünsche sich, dass über ein solches Konzept gesprochen werde. „Damit könnte man dem Bedürfnis nach einer sicheren Anlagemöglichkeit entgegenkommen und das Kapital in die richtige Richtung lenken.“ Doch auch bei einem Schatzbrief könnten nur jene Bürger investieren, die ihn sich leisten können, hält GLS-Sprecher Mertens dagegen. Das helfe bei der Akzeptanz nicht weiter.

Die Menschen sollten durch die Rahmenbedingungen vielmehr ermutigt und befähigt werden, eine bürgernahe Energiewende selbst zu gestalten. „Da sind viele Stellschrauben, an denen gedreht werden kann“, sagt Mertens und verweist auf fehlende Genehmigungen für Windenergieprojekte, den umstrittenen Deckel für den Photovoltaik-Ausbau und die komplizierten Bedingungen für Mieterstrom-Projekte und Quartierslösungen. „Grundsätzlich befürworten die Menschen, dass etwas für den Klimaschutz und die Energiewende getan wird“, sagt Mertens. Aber es gebe eben bessere Möglichkeiten, um die Menschen an solchen Projekten zu beteiligen.

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Carsten Kloth (mit dpa)
Keywords:
Green Bonds | grüne Anleihen | KfW Bank
Ressorts:
Finance

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