Kurz vor Ultimo 2020 schickte die Genossenschaft EWS Schönau noch die Meldung heraus, der Ökostromer habe mit 13 älteren Windparks in Deutschland langfristige Stromabnahmeverträge geschlossen, so genannte PPA-Verträge. Ohne diese sei der Weiterbetrieb der Anlagen, die seit Jahresbeginn aus der EEG-Förderung fallen, gefährdet gewesen, teilte der Ökstromer weiter mit.

Mit den PPA erzielt die Genossenschaft einen enormen Sprung bei der verfügbaren Erzeugung: Bis dato betrieben die EWS rund 22 Megawatt eigene Erzeugung, davon 15 Megawatt Windkraft. Mit den Verträgen steigert die Genossenschaft die über die eigene EWS-Vertriebstochter abgewickelte Kapazität um gleich 50 Megawatt, also um etwa das Dreifache. Weil die PPA-Anlagen alle älteren Datums sind, wird die erzeugte Strommenge jedoch nicht um den gleichen Faktor zulegen.

Den Löwenanteil der 50 Megawatt stellen dabei zwei größere Windparks, zum einen der Windpark Ihlewitz (Sachsen-Anhalt) mit knapp 25 Megawatt sowie zum anderen der Windpark Littdorf (Sachsen) mit 10,5 Megawatt. Beide Windparks gelten als Bürgerenergieprojekte der "ersten Stunde". Deren kaufmännische Betriebsführung liegt dabei weiter bei der GLS Beteiligungs AG, eine Tochter der GLS Bank.

Viele der Betreiber gehörten wie die EWS zu den so genannten Pionieren der Energiewende. Man sehe sich daher in "besonderer Verantwortung", den Betreibern mit einem guten Angebot den Fortbestand ihrer Anlagen zu sichern, betont EWS-Vorstand Alexander Sladek.

Dass die Verträge erst kurz vor Jahresende unter Dach und Fach kamen, hängt Sladek zufolge nicht direkt mit dem ebenfalls erst kurz vor Ende 2020 beschlossenen EEG 2021 zusammen, das seinerseits eher schlechte Bedingungen für die Ü20-Windkraft festschrieb. "Die Gespräche und Verhandlungen zu den einzelnen PPA-Verträgen liefen bereits deutlich, bevor sich die nun gefasste Anschlussregelung für Ü20-Anlagen abgezeichnet hat", erläutert der EWS-Vorstand auf Nachfrage.

Die jetzt vereinbarten PPA haben eine vergleichsweise kurze Laufzeit von nur zwei Jahren, Verlängerungen seien aber "nicht ausgeschlossen", so Sladek. Wieviel Cent die Betreiber pro Kilowattstunde erhalten, wollte der Vorstand nicht offenlegen. Die vereinbarten Konditionen ermöglichten den Windparks aber einen "gesicherten, wirtschaftlichen Weiterbetrieb" und seien auch für die EWS vertretbar.

Für die Schönauer Genossenschaft eröffnen die PPA nicht nur die Möglichkeit, künftig deutlich mehr eigenen Ökostrom liefern zu können. Zwar gingen die PPA-Strommengen im Moment noch im allgemeinen EWS-Strommix auf, es liefen aber, so Sladek, bereits erste Gespräche mit größeren Kunden, die gern auch einen höheren Anteil Strom aus Post-EEG-Anlagen beziehen möchten. Diesen Strom, der nicht über die EEG-Regeln läuft, können die Unternehmen ihrerseits besser als so genannten "echten" Grünstrom vermarkten.

Blick auf eine alte Mauer mit Windpark
Ob alte Windanlagen weiterbetrieben oder abgerissen werden, hängt vielerorts von einer langfristigen Stromabnahme mittels PPA ab. (Copyright: Istock)