Erneuerbare Energien
14.04.2020

Welcher Weg führt aus der Ökostrom-Lücke?

Foto: iStock
Bei der Energiewende hängt viel davon, ob der Windkraftausbau wieder in Gang kommt.

Eine Ökostrom-Lücke macht sich in Deutschland breit. Experten diskutieren, wie groß sie wird und welcher Weg dahin führt, sie bis 2030 zu schließen.

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2020 begann mit einem Windstrom-Rekord. Dank dreier Sturmtiefs erzeugten die Windräder auf See und an Land erstmals so viel Strom wie zwei Kernkraftwerke, frohlockte der Branchenverband BWE.

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Aber das war nur eine Momentaufnahme. Schon Anfang Februar musste die Bundesnetzagentur verkünden, dass sich dieselbe Branche nur mäßig für die – inzwischen vierzehnte – Windkraft-Ausschreibung interessierte. Von den angebotenen 900 Megawatt wurden lediglich 523 abgerufen – mehr als 40 Prozent der Ausschreibung liefen ins Leere.

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Dass sich Deutschland in eine größer werdende Lücke beim Ökostrom manövriert, bezweifeln höchstens noch Wirtschaftsministerium und Kanzleramt. Schleppt sich der Ausbau weiter so dahin, wird Deutschland statt des regierungsoffiziellen Ziels von 65 Prozent Öko-Anteil am Stromverbrauch 2030 voraussichtlich nur 55 Prozent erreichen, macht eine jetzt veröffentliche Studie der Beratungsgesellschaft Wattsight im Auftrag des Thinktanks Agora Energiewende deutlich.

Größe der Lücke überrascht

Dass die Lücke mit zehn Prozentpunkten so groß sein wird, habe die an der Studie Beteiligten sehr überrascht, erklärte Thorsten Lenck von Agora Energiewende bei einer vorösterlichen Präsentation per Webinar.

Was die zehn Prozentpunkte bedeuten, wird erst klar, wenn man sie im Zusammenhang mit dem für 2030 zu erwartenden Stromverbrauch betrachtet. Agora Energiewende rechnet in einem ersten Szenario für 2030 mit einem Stromverbrauch von 600 Milliarden Kilowattstunden, etwas mehr, als die Bundesregierung derzeit für 2030 prognostiziert. Diese "begnügt" sich nämlich mit 572 bis 587 Milliarden Kilowattstunden.

Bei dem Agora-Verbrauch von 600 Milliarden Kilowattstunden würde die Zehn-Prozentpunkte-Lücke dann 60 Milliarden betragen, weil statt der für das 65-Prozent-Ziel nötigen 390 Milliarden Kilowattstunden Ökostrom nur 330 Milliarden erzeugt würden.

In einem zweiten Szenario, bei dem deutlich mehr grüner Strom für Mobilität und Wärme genutzt würde, sieht die Agora-Studie den Stromverbrauch im Jahr 2030 bei 650 Milliarden Kilowattstunden – die Lücke würde weiter wachsen. Wie groß sie dann vermutlich wäre, beziffert die Agora-Studie nicht weiter.

Windkraft an Land entscheidende Stellschraube

Kurz vor der Präsentation des Thinktanks schätzte allerdings auch der Erneuerbaren-Verband BEE die Ökostrom-Lücke neu. Der Verband nimmt an, dass der Stromverbrauch bis 2030 auf enorme 740 Milliarden Kilowattstunden steigt und dann sogar 100 Milliarden zum 65-Prozent-Ziel fehlen. Allen Expertisen zufolge brauche es, so der BEE, deutlich mehr Strom für klimafreundliche Wärmepumpen, Elektromobilität und Power-to-X.

Sowohl der BEE als auch Agora Energiewende ließen dann jeweils ausrechnen, wie viele Tausend Megawatt Ökostrom jedes Jahr dazukommen müssten, um die Lücke bis 2030 zu schließen. Die Botschaften hinter dem Zahlenwust lassen sich in etwa so beschreiben.

Bleibt es bei den 600 Milliarden Kilowattstunden Stromverbrauch, lassen sich die 65 Prozent erreichen, wenn Wind- und Solarkraft in den kommenden Jahren ungefähr in dem Umfang ausgebaut werden, wie das zu besten Energiewendezeiten schon der Fall war.

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Ökostrom | erneuerbare Energien
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