Nicht mehr den Wasserstoff, sondern die Verbraucherrechte rückte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier heute in den Vordergrund, als er mitteilte, das Bundeskabinett haben soeben "seinen" Gesetzentwurf zum Energiewirtschaftsrecht beschlossen. Streit ist aber bei beiden Themen noch zu erwarten.

Zu den neuen Rechten die Verbraucher zählen zum Beispiel dynamische Stromtarife. Dann wird es günstiger, das E-Auto nachts zu laden. Geplant ist auch eine neue Stromkennzeichnung, über die unisono alle vier großen Anbieter von Ökostrom ziemlich zufrieden sind, wie Greenpeace Energy, EWS Schönau, Lichtblick und Naturstrom heute gemeinsam erklärten. Seit Jahren ärgert sie, dass auf jeder Stromrechnung ein großer Anteil Ökostrom ausgewiesen wird. Tatsächlich aber werden Angaben zum Stromeinkauf des Versorgers mit einem rechnerischen Wert vermischt, wie viel EEG-Strom die Stromkunden über die Zahlung der EEG-Umlage finanzieren.

Laut Gesetzentwurf müssen künftig Versorger auf Stromrechnungen ihren tatsächlichen Energieeinkauf transparenter darstellen. Auf jeder Rechnung würde dann klarer, woher der Lieferant seinen Strom beziehe. "Kein Anbieter kann sich dann mehr mit fiktivem EEG-Strom grünwaschen,” erklärt Peter Ugolini-Schmidt von EWS Schönau. Mit dem Vorschlag werde besser ersichtlich, ob Strom aus Kohle, Atom oder erneuerbaren Quellen stammt. "Das begrüßen wir", lobt auch Naturstrom-Vorstand Oliver Hummel.

Branchenverband BDEW will eine "Differenzmenge"

Der Branchenverband BDEW findet den Vorschlag zu mehr Klarheit nicht so gut. Dieser könnte, heißt es in der Stellungnahme des BDEW zum Gesetzentwurf auf Seite 88, in "bestimmten Fallkonstellationen zu Verwirrung bei Letztverbrauchern" führen. Werde zum Beispiel ein Kunde parallel mit Grün- sowie Graustrom  beliefert, könnten Grünstromkunden "trotz Wahl eines Grünstromprodukts" im Beschaffungsmix dann Graustrommengen vorfinden und das "nicht nachvollziehen können". 

Alternativ schlägt der BDEW vor,  dass künftig bei Grünstromprodukten Herkunftsnachweise nur noch für eine sogenannte "Differenzmenge"  zu beschaffen sind. Diese Menge soll sich ergeben, wenn von der gesamten gelieferten Strommenge der Anteil erneuerbarer Energien, der aus der EEG-Umlage finanziert wird, abgezogen wird.

Ökostromer sehen "Täuschungsversuch"

Dem entgegnen die Ökostromer ihrerseits: Folge man dem BDEW-Vorschlag müssten Versorger künftig selbst für reine Grünstromprodukte nur noch zum Teil erneuerbaren Strom einkaufen. "Der BDEW-Vorschlag würde das Greenwashing noch verschlimmern", kritisiert Marcel Keiffenheim von Greenpeace Energy: Solchen Versuchen, die Stromkunden zu täuschen, sollte das Ministerium eine klare Absage erteilen, sagte Keiffenheim.

Größerer Ärger droht Altmaier bei seiner Absicht, im Gesetzentwurf keine Beimischung von grünem Wasserstoff ins Gasnetz zuzulassen und sich ganz auf den Bau reiner Wasserstoffnetze zu beschränken. Die strikte Trennung von Erdgas und Wasserstoff finden die Ferngas-Betreiber gar nicht gut. Man sei überzeugt, dass langfristig nur eine "Einheit" aus Wasserstoff- und Erdgasnetz sinnvoll ist, erklärte Thomas Gößmann, Vorstandschef der Vereinigung der Fernleitungsnetzbetreiber Gas. Gößmann: "Ziel muss sein, dass sich das eine Netz aus dem anderen heraus entwickeln kann. Der Gaskunde von heute ist der Wasserstoffkunde von morgen."

Gegen eine "physische" Vermischung von Erdgas und Wasserstoff im Leitungsnetz sprechen sich auch die Grünen im Bundestag aus. Für Ingrid Nestle, Sprecherin für Energiewirtschaft, bleibt die Regierung im Gesetzentwurf auch eine klare Antwort zur Zertifizierung von echtem grünem Wasserstoff schuldig. Woher der für grünen Wasserstoff dringend benötigte erneuerbare Strom kommen soll, bleibe ein Rätsel. Nestle: "So besteht die Gefahr, dass grauer Wasserstoff im Prozess einfach einen grünen Stempel aufgesetzt bekommt."

Grüner Wasserstoff gilt als der "Champagner der Energiewende". Um den rein zu transportieren, soll ein eigenes Wasserstoffnetz geschaffen werden. (Copyright: Harald Bischoff/Creative Commons)