Grüne Antriebe vs. Fossile
02.02.2017

Ölmultis fürchten E-Autos

Foto. istockphotos/bizoo_n

Aktuelle Studien alarmieren die Mineralölriesen. Shell, BP und Total dämmert: Die Elektromobilität könnte das Ende der fossilen Ära einläuten.

Die Ölgiganten wissen noch nicht, wie sie auf die grüne Herausforderung durch die Elektromobilität reagieren sollen.

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Luke Sussams, Senior Researcher bei der Londoner Carbon Tracker Initiative, kritisiert im Gespräch mit bizz energy: „Shell und Total signalisieren zwar, dass sie das Potenzial der Elektromobilität und die damit verbundenen Risiken erkannt haben". In ihren Geschäftsmodellen, Investitionsstrategien und Prognosen zur künftigen Nachfrage nach Fossilen spiegle sich das allerdings nicht wieder.

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Sussams ist Co-Autor einer druckfrischen Studie, die die Carbon Tracker Initiative gemeinsam mit dem Londoner Grantham Institute erstellt hat.

Fazit der Studie: Die Öl-Branche steht vor einer Zäsur. 2020 wird die bis dato weltweit steigende Nachfrage nach Öl, Gas und Kohle erstmals stagnieren. Grund für den Umschwung auf den globalen Märkten ist demnach die steigende Anzahl von E-Fahrzeugen. Sie gewinnen Marktanteile, gleichzeitig fallen die Kosten für Photovoltaik und Batterien. Das Forscherteam um Sussams kommt zu dem Schluss: Die Konzerne „unterschätzten die disruptiven Auswirkungen der neuen Technologien. Das berge enorme Risiken für Investoren, warnen sie.

 

Lade- statt Zapfsäulen?

Noch immer verdienen die Konzerne viel Geld an der Zapfsäule. Das wird sich mit dem Umstieg auf elektrische Antriebe ändern, lautet die Prognose der Forscher. Wenn Benzin und Diesel nicht mehr gefragt sind, verlieren die in den Büchern der Ölmultis notierten Öl- und Gasvorkommen an Wert.

Allein die weltweit steigende Anzahl an E-Autos könnte die Öl-Nachfrage im Jahr 2025 um zwei Millionen Barrel pro Tag einbrechen lassen, heißt es in der Studie. Das entspricht der Menge, die 2014 und 2015 zum Ölpreis-Kollaps geführt hatte.

In Ihrer Studie berufen sich die Forscher außerdem auf weltweit führenden Autobauer. Demnach geht der Automobilkonzern VW davon aus, bereits 2020 sein Modell namens ID auf den Markt bringen zu können – preislich vergleichbar mit einem gut ausgestatteten Golf mit Verbrennungsmotor. Mit dem elektrischen und autonom fahrenden ID sorgte VW zuletzt auf der Autoshow in Las Vegas Anfang des Jahres für Furore.

Aus dem VW-Konzern heißt es laut Grantham Institute zudem: Die Fahrzeuge der nächsten E-Auto-Generation könnten knapp 500 Kilometer zurücklegen, ehe sie wieder an die Steckdose angeschlossen werden müssten.

 

Autobauer: E-Mobilität ab 2020 wettbewerbsfähig

Ein weiteres Argument der Londoner Forscher: Aktuelle Studien sagen voraus, dass Elektroautos ab einem Kilowattstundenpreis von 150 bis 300 US-Dollar mit Verbrennern gleichziehen könnten. Elektroauto-Pionier Tesla will schon 2020 Batterien mit Kosten unter 100 US-Dollar pro Kilowattstunde anbieten.

Dass die globale Energiewende nicht mehr aufzuhalten ist, hat auch der Ölgigant BP in seinem kürzlich erschienen Energy Outlook eingestanden. Der Anteil der Erneuerbaren werde sich über den Betrachtungszeitraum vervierfachen, heißt es darin, „bedingt durch die verbesserte Wettbewerbsfähigkeit von Wind und Solarenergie“. Und BP-Chef Bob Dudley stellte bei der Vorstellung des Berichts lapidar fest: „Unsere Branche muss sich intensiver als je zuvor auf die Veränderungen beim Energiebedarf einstellen."

Wie das aussehen könnte, bleibt allerdings unklar. Eine Möglichkeit könnte der Einstieg in den E-Auto-Markt sein. BP-Konkurrent Royal Dutch Shell kündigte jüngst an, noch in diesem Jahr Stromtankstellen in den Ballungszentren der Heimatmärkte Großbritannien und den Niederlanden aufzustellen. Weitere Länder sollen folgen.

 

Die Suche nach Geschäftsmodellen

Auch die BP-Tankstellentochter Aral hat bereits Ladesäulen im Programm. Die betreibt sie gemeinsam mit Partnern aus der Energiewirtschaft, in Berlin beispielsweise mit dem Versorger RWE. Und auch Total experimentiert mit Ladesäulen.

Trotz guter Prognosen:  Bislang lässt der Durchbruch der E-Mobilität auf sich warten. Derzeit sind Stromer nicht gefragt, zumindest in Europa. Das haben die am Mittwoch veröffentlichten Zahlen des europäischen Branchenverbands Acea gezeigt.

Aufwind erfahren die emissionsarmen Antriebe indes in China. Im vergangenen Jahr wurden im Reich der Mitte erstmal mehr als eine halbe Million E-Autos verkauft.
Die Elektromobilität werde momentan "maßgeblich vom chinesischen Markt gezogen", heißt es in einer aktuellen Studie des Center of Automotive Management in Bergisch-Gladbach.

Jana Kugoth
Keywords:
Mineralöl | Carbon Tracker Initiative | fossile Energieträger | Elektromobilität | Grantham Institute | Studie
Ressorts:
Markets

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