Photovoltaik
23.10.2019

Ölscheichs läuten die Energiewende ein

Foto: ME NewsWire
Mohammed bin Rashid Al Maktoum verkündete im März 2017 die zweite Phase seines Solarpark-Projektes.

Das Golfemirat Dubai nimmt die größte Solarenergieanlage der Welt in Betrieb. Bis 2050 sollen Erneuerbare fast die Hälfte des Energieverbrauchs decken.

Das größte Solarkraftwerk der Welt mit einer Leistung von fast 1,2 Gigawatt hat im Golfemirat Dubai den Betrieb aufgenommen. Die 3,2 Millionen Photovoltaikmodule erzeugen Strom zum Preis von 2,2 Cent pro Kilowattstunde – ein bislang unerreichter Wert. Bis 2030 soll der Mohammed bin Rashid Al Maktoum Solarpark auf 5000 Megawatt erweitert werden. Die Anlage wird sich dann über 77 Quadratkilometer in der Wüste südlich von Dubai erstrecken, mit Photovoltaikzellen bis zum Horizont. Ein 262 Meter hoher Solarturm mit tausenden computergesteuerten Planspiegeln soll ab 2021 tagsüber Wärme erzeugen und nachts in Strom umwandeln.

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Der Solarpark ist ein wichtiger Baustein in der Strategie des Emirats, die Energieversorgung zu diversifizieren und den Treibhausgasausstoß zu reduzieren. Heute gehört die Stadt zu den Metropolen mit den höchsten CO2-Emissionen pro Kopf – nach Al Ahmadi in Kuwait und Riad in Saudi-Arabien. „Wir arbeiten daran, Dubai zum globalen Zentrum für saubere Energie und grüner Wirtschaft und zur Stadt mit dem kleinsten CO2-Fußabdruck weltweit zu machen“, sagt Saeed Mohammed Al Tayer, Chef der Dubai Elektrizitäts- und Wasserbehörde (DEWA).

Zweifel an den hehren Klimazielen

Nimmt man die nationale Energiestrategie unter die Lupe, sind allerdings Zweifel an den hehren Klimazielen angebracht. Zwar wollen die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) fast 150 Milliarden Euro in den Umbau des Energiesektors stecken, doch langfristig hält sich der Ehrgeiz in Grenzen. 2050 soll noch immer die Hälfte des Stroms aus fossilen Quellen stammen – 38 Prozent aus Gas und 12 Prozent aus Kohle. Nur 44 Prozent der Energie wird Mitte des Jahrhunderts aus erneuerbaren Quellen kommen. Für den Rest soll Atomstrom sorgen.

Die Pläne zollen dem Energiehunger der Emirate Tribut. Lichtorgien wie am Burj Khalifa, dem höchsten Hochhaus der Welt, sowie Klima- und Entsalzungsanlagen verbrauchen Unmengen an Strom. Zwischen 2008 und 2018 haben sich die Kraftwerkskapazitäten fast verdreifacht, von 11 auf 31 Gigawatt. Obwohl die Energiestrategie auch auf Einsparungen setzt, sieht sie einen weiteren massiven Ausbau der Stromerzeugung vor. Derzeit errichtet ein chinesisches Konsortium ein Kohlekraftwerk mit 2,4 Gigawatt Leistung, weitere sind geplant. Daneben sind Gaskraftwerke mit einer Kapazität von 4,2 Gigawatt im Bau und mit 4,7 Gigawatt in Planung. Vier Atomkraftwerke eines koreanischen Konsortiums sollen weitere 5,6 Gigawatt liefern.

VAE werden zum Vorreiter in der arabischen Welt

Doch selbst das Ziel von 50 Prozent sauberem Strom macht die VAE zum Vorreiter einer Energiewende in der arabischen Welt. Heute tragen die Erneuerbaren gerade einmal 1,5 Prozent zur Stromerzeugung bei, in den anderen Ländern der Region sieht es nicht besser aus. Vorrangiges Ziel der „Energiestrategie 2050“ ist nicht Klimaschutz, den die Ölländer am Golf jahrzehntelang torpediert haben, sondern Vorsorge für die Zeit, wenn mit Öl und Gas nicht mehr das große Geld zu verdienen ist. Bei der Ausgestaltung der Strategie ging Nachhaltigkeit gerade einmal mit 15 Prozent in den Kriterienkatalog ein.

Mohammed bin Rashid Al Maktoum Solar Park
Illustration: AETOSWire
Mit der Energiewende will Dubais Emir Mohammed bin Rashid Al Maktoum, in Personalunion Regierungschef der Vereinigten Arabischen Emirate, vor allem die Abhängigkeit der Wirtschaft von Öl und Gas verringern. Die steuern immer noch 40 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei – ein echtes Klumpenrisiko. Um dieses zu verringern, soll die zweite große Ressource des Landes stärker genutzt werden – die Sonne. „Die Energiestrategie soll unsere ökonomischen Bedürfnisse in Einklang mit Umweltzielen bringen“, erklärt der Emir mit Betonung auf ersteren. Sie soll dafür sorgen, dass dem Land weder Licht noch Geld ausgeht. Zum Solarpark gehören deshalb riesige Forschungs- und Innovationszentren, ein Laboratorium für erneuerbare Energien sowie eine Pilotanlage für Wasserentsalzung. Mit ihrer Hilfe strebt das Land eine technologische Führungsrolle bei den erneuerbaren Energien an.

Auch Andere wollen mit Erneuerbaren Geld verdienen

Doch auch andere Länder wollen mit ihnen Geld verdienen. Deshalb wird sich Dubai auf den Lorbeeren, das größte Solarkraftwerk der Welt zu beherbergen, nicht allzu lange ausruhen können. Noch in diesem Jahr dürfte Ägypten den Benban-Solarpark nordwestlich von Assuan mit 1650 Megawatt in Betrieb nehmen. In Nordchina entsteht in der Region Ningxia ein Solarkraftwerk mit 2 Gigawatt Leistung und in Indien soll die Ladakh Solar Farm ab 2023 rund 3 Gigawatt Strom erzeugen. Zum Vergleich: Die größte Solaranlage in Europa baut derzeit der spanische Stromerzeuger Iberdrola mit einer Leistung von 0,5 Gigawatt bei Usagre nördlich von Sevilla.

Angesichts der Bemühungen Dubais um neue Einnahmequellen denken auch andere arabische Länder über eine Energiewende nach. Selbst in Saudi-Arabien, größter Erdölförderer der Welt, setzt die Königsfamilie nicht länger nur auf das schwarze Gold und plant einen 2,6 Gigawatt-Solarpark.

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Norbert Mühlberger
Keywords:
Dubai | Solarpark | Photovoltaik | Energiewende
Ressorts:
Markets

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