Studie zu Windkraft
28.02.2013

Offshore-Ausbau überfordert Energieversorger

Foto: EnBW
Offshore-Windpark Baltic von EnBW in der Ostsee

Um die Erneuerbaren-Ziele der EU zu erreichen, müssen bis zum Jahr 2020 rund 110 Milliarden Euro europaweit in den Ausbau der Offshore-Windkraft fließen. Energieversorger, die bisherigen Hauptfinanziers, stoßen an ihre Grenzen. Neue Investoren sind gefragt.

Aktuell sind in Großbritannien, Belgien, Dänemark und Deutschland 4,9 Gigawatt an Offshore-Energie installiert. Das entspricht in etwa der Leistung von drei modernen Atomreaktoren. Ein Großteil der Offshore-Windräder steht vor der Küste Großbritanniens. Bis zum Jahr 2020 wollen die Briten ihren Offshore-Anteil auf 13 Gigawatt steigern. Deutschland plant im gleichen Zeitraum 10 Gigawatt auf hoher See zu installieren. Ingsgesamt sollen in den EU-Staaten in den nächsten sieben Jahren 40 Gigawatt an Offshore-Windenergie aufgebaut werden, so die Schätzung des europäischen Windenergieverbandes EWEA.

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Die Finanzierung der Milliarden-Projekte könnte dabei zum Problem werden. Die Analysten der Boston Consulting Group (BCG) beziffern in einer aktuellen die Studie die Investitionskosten bei der Offshore-Windenergie auf 110 Milliarden Euro bis zum Jahr 2020. Diese Summe ist laut BCG nötig, um die selbst gesteckten Ziele zu erreichen. 

Belastbarkeit überschritten

Die bisherigen Offshore-Investitionen von 16 Milliarden Euro haben laut der BCG-Analyse zu drei Viertel die Energieversorger geleistet. Fremdkapital von Banken, Projektierern, institutionellen Anlegern und Family-Offices hatten einen Anteil von 23 Prozent. Nach Ansicht der Autoren, lässt sich diese Relation angesichts einer notwendigen Verfünffachung der Offshore-Investitionen nicht mehr aufrecht erhalten. „Legt man diese Zahlen zugrunde, müssten die Energieversorger für den weiteren Ausbau 85 Milliarden Euro tragen – ein Summe, die ihre Belastbarkeit weit übersteigt“, heißt es in der Studie. Wegen zu erwartender Kapitalengpässe müssten Energieversorger daher aktiv ihr Rendite-Risiko-Profil optimieren, zum Beispiel durch innovative Kooperationen. Gemeinsam könnten dann Kosten und Risiken gesenkt werden, so die Autoren.

Bereits Anfang Februar hatte Thorsten Herdan, Geschäftsführer des Maschienenbauer-Verbandes VMDA, den zögerlichen Ausbau der Offshore-Windkraft in Deutschland beklagt. Derzeit seien Projekte mit einer Leistung von 1.700 Megawatt in Bau. Darüber hinaus sei nichts beauftragt. „Ich hoffe, dass sich mit den beschlossenen Haftungsregeln eine neue Investitionsneigung einstellt“, betonte Herdan, „sonst sieht es düster aus“. Er äußerte Zweifel, dass das Ziel der Bundesregierung von zehn Gigawatt installierter Windleistung im Jahr 2020 noch zu erreichen sei. Auch andere Branchengrößen stellen das Offshore-Ziel der Bundesregierung zunehmend in Frage.

Investoren scheuen die Risiken

Noch beurteilen Investoren Offshore-Windkraft als junge und riskante Industrie. „Der Einfluss dieser Risiken auf die Renditen von Offshore-Windkraft wird mit zunehmender Erfahrung über die Zeit geringer werden – und ein attraktiveres Risiko-Ertrags-Profil ermöglichen, das notwendig ist, um Investoren zu gewinnen", betont jedoch Holger Rubel, Energieexperte und Partner bei BCG. 

Weniger Offshore-Zubau

Die Autoren der Studie gehen davon, dass der Ausbau der Offshore-Windenergie nicht im anvisierten Tempo geschehen wird. Es werde einige Jahre dauern, bis neue Kapitalquellen zur Verfügung stehen würden. Die Autoren rechnen daher mit 25 statt 40 Gigawatt installierter Offshore-Leistung bis 2020. 

Foto: Jan Oelker/Alpha Ventus

 

 

 

Karsten Wiedemann
Keywords:
Offshore Windenergie | Offshore | BCG | Finanzierung | Windenergie | EU | Deutschland | Großbritannien
Ressorts:
Finance

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