EEG-Reform
14.06.2018

Offshore-Finanzierung: Verbände wollen britisches Auktionsmodell

Foto: istock/MR1805
Sind Null-Cent-Gebote wirklich die Zukunft? Die Diskussion um das richtige Vergütungsmodell für Offshore-Windkraft in Deutschland nimmt Fahrt auf.

Das britische Auktionssystem der „Contracts for Difference“ (CfD) gewährt Betreibern von Ökostromanlagen eine Mindestvergütung, deckelt aber auch ihre Erlöse. Deutsche Branchenverbände sehen darin die Blaupause für die nächste große EEG-Reform.

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Die Ergebnisse hätten unterschiedlicher kaum sein können, als Deutschland und Großbritannien 2017 jeweils zum ersten Mal Offshore-Windparkprojekte ausschrieben. Während hierzulande einige Unternehmen null Cent boten, also ihre Projekte ohne staatliche Vergütung bauen wollen, betragen die Zuschlagspreise auf der Insel umgerechnet 7,2 bis 9,4 Cent pro Kilowattstunde. Wie kann das sein? Ist Offshore-Windstrom für die Stromkunden im Königreich etwa so viel teurer als bei uns?

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Ganz und gar nicht, behauptet die deutsche Offshore-Windbranche. Das britische Auktionsmodell der „Contracts for Difference“ (CfD) ist ihrer Ansicht nach trotz der höheren Gebote am Ende das günstigere – nicht nur für die Betreiber, sondern auch für die Verbraucher. Die Branche fordert die Bundesregierung sogar auf, das deutsche EEG nach britischem Vorbild zu reformieren. „CfD wäre uns grundsätzlich lieber“, sagte Catrin Jung-Draschil, Vice President im Geschäftsbereich Wind des schwedischen Konzerns Vattenfall. Der Verband AGOW der deutschen Offshore-Windkraftbetreiber wird demnächst wohl empfehlen, CfD auch in Deutschland einzuführen. Unterstützung kommt dabei vom Energiewirtschaftsverband BDEW. Andere Verbände wie der VDMA sind hingegen skeptisch.

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EEG gewährt Windfall-Profits

Der entscheidende Unterschied des britischen Modells ist, dass es neben einer garantierten Mindestvergütung auch einen Preis-Deckel enthält. In Großbritannien wie in Deutschland erhalten Windparkbetreiber eine Marktprämie. Sie gleicht die Differenz zwischen dem meist niedrigeren Marktpreis und jenem Wert („Strike Price“) aus, den sie für einen kostendeckenden Betrieb ihrer Anlagen mindestens benötigen. Übersteigt im CfD-System der Marktpreis den Strike Price, muss der Betreiber die Differenz (die negative Marktprämie) in den staatlichen Fördertopf zurückzahlen. Das verhindert überhöhte Renditen und schützt die Verbraucher vor zu großen Preisausschlägen. 

Offshore-Investitionen in Europa
Offshore-Investitionen in Europa
In Deutschland ist die Marktprämie nicht beidseitig. Strompreise über der Mindestvergütung des EEG dürfen die Firmen behalten. Der Gesetzgeber gewährt ihnen damit bewusst die Möglichkeit von Zusatzgewinnen oder sogenannten „Windfall-Profits“. Das hat die Konzerne Örsted (vormals Dong Energy) und EnBW zu ihren Null-Cent-Geboten in den ersten beiden Offshore-Auktionen 2017 veranlasst. Sie verzichten auf eine Förderung und spekulieren stattdessen darauf, die Windparks allein mit den steigenden Strommarkt-Erlösen wirtschaftlich betreiben zu können.

Langfristiger Stromliefervertrag als Basis

Dieses EEG-System der einseitigen Marktprämie stammt noch aus einer Zeit, als die Kosten von Ökostrom hoch, die Preise gering und Zusatzgewinne kaum möglich waren. In Zukunft werden die Kosten immer weiter sinken und Preisspitzen sehr viel häufiger, weil mit steigenden Ökostrom-Anteilen auch die Schwankungen zunehmen. Das animiert insbesondere risikofreudigere Unternehmen, heute in Erwartung hoher Preise und Gewinne ohne staatliche Vergütung zu kalkulieren.

In Großbritannien würden Null-Cent-Gebote keinen Sinn machen, weil damit gleichzeitig der Höchstpreis festgesetzt wird. Die Bieter würden immer nur diese null Cent bekommen. Weil sie keine Windfall-Profits einstreichen können, müssen sie anders kalkulieren, und zwar auf Basis ihrer Kosten. Deshalb sind die Gebote höher. Das britische CfD-Modell entspricht einem staatlich organisierten, langfristigen Stromliefervertrag (Power Purchase Agreement, PPA) zu festen Konditionen zwischen Betreiber und Letztverbraucher.

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Keywords:
Offshore-Windkraft | Windparks | EEG | Großbritannien | Finanzierung
Ressorts:
Governance | Markets

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