Windenergie
15.10.2012

Offshore: Keine Änderung bei Haftungsfragen

Foto: Andrea Damm/Pixelio

Die geplanten Haftungsregeln für den Bau von Offshore-Windparks werden nicht aufgeweicht. Der Bundesrat wies eine Initiative Mecklenburg-Vorpommerns zurück. Ministerpräsident Erwin Sellering sieht darin ein Investitionshindernis.

Die Frage, wer bei Verzögerungen beim Bau von Offshore-Windparks haftet, war lange ungeklärt. Viele Projekte verzögerten sich, weil sich Investoren wegen der unklaren Risiken zurückhielten. Die Bundesregierung will am Bau beteiligte Firmen mit einem Gesetz in Haftung nehmen, sollte ihren „Fahrlässigkeit“ nachzuweisen sein. Der Bundesrat stimmte dieser Position zu. Ein Vorstoß Mecklenburg-Vorpommerns lehnte die Länderkammer ab. Die Regierung in Schwerin wollte Unternehmen nur im Falle „grober Fahrlässigkeit“ haften lassen. Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) fürchtet nun, das Unternehmen sich wegen der Haftungsrisiken zurückhalten. „Wenn das so bleibt, ist das ein Investitionshindernis bei der Offshore-Windkraft“, sagte er.

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Neue Offshore-Lobby


Die Offshore-Branche sucht derzeit einen engeren Kontakt zur Politik. Windnetzwerke aus Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Hamburg und Bremen haben sich zur Offshore-Wind-Industrie-Allianz OWIA zusammengetan und ein Büro in Berlin eröffnet. „Verglichen mit den technischen Herausforderungen bei Windenergie auf hoher See war die Mondlandung ein Spaziergang“, sagte Hamburgs regierender Bürgermeister Olaf Scholz (SPD).
„Wir sehen Offshore-Wind als eigene Energieform“, betonte Norbert Giese, Vize-Präsident beim Turbinenhersteller Nordex. Deswegen sei es wichtig, eine sichtbare Vertretung in Berlin zu haben. Deutschland habe mit die besten Offshore-Standorte weltweit. In Europa verfügten Deutschland und Großbritannien über 75 Prozent des Offshore-Marktes in den nächsten zehn Jahren. „Es ist eine Irrtum, dass Offshore-Wind teurer ist“, sagte Liese. Schon heute seien Produktionskosten von zehn bis zwölf Cent pro Kilowattstunde möglich.

Allianz schielt auf Offshore-Geschäft


Tatsächlich stehen Investoren bereit, sich bei der Offshore-Windkraft zu engagieren. Der Finanzchef des Versicherungsriesen Allianz, Oliver Bäte, sagte letzte Woche, sein Unternehmen könne sich ein Investment im Offshore-Geschäft vorstellen. In solche Projekte könnte auch einmal eine Milliarde Euro fließen, so Bäte. Bevor die Allianz investiert, müssten aber die Haftungsfragen geklärt sein. Zudem müsse eine Rendite oberhalb von zehn Prozent zu erzielen sein. Investitionen in erneuerbare Energieprojekte sind für Großanleger interessant, da sie über einen Zeitraum von bis zu 20 Jahren eine gesicherte Rendite bringen – eine gute Alternative zu Staatsanleihen, die entweder zu risikoreich sind oder zu wenig Rendite verdienen.

Karsten Wiedemann
Keywords:
OWIA | Offshor | Windenergie
Ressorts:
Governance | Markets

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