Was die Offshore-Windpark-Ausschreibung im Jahr 2017 ergab, hatten viele nicht vorhergesehen: Offshore-Windparks sollen erstmals ohne Subventionen aus dem Topf der EEG-Umlage errichtet und betrieben werden. Heute ist Strom aus Offshore-Windenergie noch teuer: 15,4 Cent erhalten die Betreiber für jede erzeugte Kilowattstunde über die Dauer von zwölf Jahren. Und das praktisch risikolos: Finanzielle Risiken der Parks wurden im Rahmen der Offshore-Haftungsumlage auf die Stromverbraucher umgelegt.

Nun soll der Strom vom Meer also günstiger werden. Das ist gut so, denn ohne Offshore-Wind wären die Ausbauziele für die Erneuerbaren in Deutschland nicht erreichbar. Allerdings sollen die subventionsfreien Windparks frühestens 2024 oder 2025 erstmals Strom liefern. Wie es besser geht, zeigt sich in den Niederlanden. Dort sollen die ersten subventionsfreien Offshore-Parks, die 2017 einen Zuschlag erhielten, schon zwei bis drei Jahre früher in Betrieb gehen.

Anschlusskosten müssen sinken

Die Subventionen aus der EEG-Umlage sind aber nur ein Teil der Wahrheit, denn für die Anbindung der Offshore-Windparks an das Stromnetz sind hohe Summen erforderlich, die direkt vom Verbraucher gezahlt werden müssen. 1,2 Milliarden Euro sind es gegenwärtig. Diese Anschlusskosten müssen sinken. Wenn die Verbraucher die Kosten aber sowieso zahlen müssen, stellt sich die Frage nach dem Anreiz für Kostensenkungen. Warum sollten nicht Offshore-Windpark- und Netzbetreiber in einen Wettbewerb um die Anbindungen treten?

Natürlich müsste dies unter klaren Bedingungen und ohne Aushöhlung des Unbundling-Prinzips erfolgen. Das könnte Kosten reduzieren – und sich für Verbraucher lohnen. Nicht gelohnt hat sich für sie die Umschichtung der Anbindungskosten aus den Netzentgelten in die neue Offshore-Netzumlage. Im Gegenteil, hier sollen die privaten Verbraucher – wieder einmal – draufzahlen, während Industrieunternehmen zusätzlich sparen. Diese erneute Umverteilung ab 2019 steht in einer Reihe mit vergangenen Änderungen bei den Netzkosten, wie den zunehmenden Industrieausnahmen bei den Netzentgelten, den zu hohen Eigenkapitalrenditen der Netzbetreiber und der nur halbherzigen Abschaffung der vermiedenen Netzentgelte.

Kostenwaage wieder ins Gleichgewicht bringen

Hier sind Bundesregierung und Bundestag gefragt, einen neuen Weg einzuschlagen. Diese Punkte müssen bei der bevorstehenden Reform der Netzentgeltsystematik Berücksichtigung finden. Die immer weiter ausschlagende Kostenwaage zum Nachteil der Verbraucherhaushalte muss endlich wieder ins Gleichgewicht gebracht werden.

Nach wie vor unterstützen die Bürger die Ziele der Energiewende. Damit dies auch so bleiben kann, bedarf es einer fairen Verteilung der Energiewendekosten zwischen allen Verbrauchergruppen.

Thomas Engelke
Thomas Engelke. Foto: vzbv - Gert Baumbach
Dr. Thomas Engelke leitet seit 2016 das Team Energie und Bauen im Verbraucherzentrale Bundesverband. Mit dem Schwerpunkt Energiepolitik war er zuvor im Hanse-Office tätig, der gemeinsamen Vertretung Hamburgs und Schleswig-Holsteins bei der EU in Brüssel. Der studierte Biologe leitete zwischen 1993 und 2004 den Bereich Biotechnologie bei der Landesregierung Schleswig-Holstein.

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Offshore-Windparks werden beispielsweise durch den Übertragungsnetzbetreiber Tennet angeschlossen. (Foto: Tennet)