Windenergie
17.01.2018

Offshore-Windbranche: Klimaziel 2030 nur bei stärkerem Ausbau erreichbar

Foto: Creative Commons/Clangula
Bau eines Windparks für den Stromversorger EnBW in der Ostsee

Die Koalitions-Sondierer wollen den Anteil erneuerbarer Energien an der Stromversorgung bis 2030 auf 65 Prozent steigern. Ohne deutlich mehr Windparks auf See wird das nicht gehen, sagt die Lobby der Windbranche. Sie fordert höhere Ausbauziele.

Die Windenergie-Verbände versuchen erneut, die Zubaugrenze für Windparks zu Fall zu bringen. Dabei hoffen sie auf die nächste Bundesregierung. „Die kommende Dekade wird ambitionierter als die vorige“, sagt der Vorsitzende des Bundesverbands Windenergie (BWE), Hermann Albers bei der Präsentation der Offshore-Zahlen von 2017 in Berlin. "Der Deckel von 2017 muss aufgehoben werden." Die nächste Bundesregierung komme nicht umhin, in allen Bereichen auszubauen, sagt Albers. Das ergebe sich aus den für 2030 geltenden Klimazielen, die in den Sondierungsgesprächen für eine Große Koalition aus CDU/CSU und SPD bekräftigt worden seien.

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Deutschland hat sich international dazu verpflichtet, seinen CO2-Ausstoß bis zum Jahr 2030 um 55 Prozent zu verringern. Nachdem die Koalitions-Sondierer das nationale Ziel einer Senkung um 40 Prozent bis 2020 aufgegeben haben, wollen sie sich bei Zustandekommen einer neuen Großen Koalition auf das 2030-Ziel konzentrieren.

 

Branche mit ungewisser Zukunft

 

Dennoch geht die Offshore-Windbranche in Deutschland in eine ungewisse Zukunft. Sie fürchtet eine Flaute im Ausbaugeschäft ab 2020. Im April findet die zweite und vorerst letzte Auktion von Lizenzen für neue Windparks in Nord- und Ostsee statt, die überwiegend 2019 errichtet werden sollen. Für die Zeit danach herrscht Unklarheit, neue Auktionen sind bisher nicht angesetzt. Die alte Bundesregierung hatte den Ausbau der Offshore-Windenergie bis 2030 auf 15 Gigawatt begrenzt. Sie wollte die Kosten für die EEG-Umlage zahlenden Stromkunden im Zaum halten.

 

Doch die Annahme hoher Kosten stimme nicht mehr, sagt Uwe Knickrehm, der Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Offshore-Windenergie (AGOW). Der Aufwand der Windstromerzeugung auf See sei drastisch gesunken, wie die Ergebnisse der ersten Ausschreibung im vergangenen Jahr gezeigt hätten: „Die Ausbauziele wurden gedeckelt in der Erwartung, dass die Kosten hoch bleiben. Jetzt hat sich herausgestellt, dass diese Sorge unbegründet war. Es ist eine neue Lage, und daraus sollten Konsequenzen folgen“.

 

Bieter wie das dänische Unternehmen Dong Energy (heute: Ørsted) hatten damals Zuschläge erhalten, weil sie versprachen, die Windparks ohne jegliche staatliche Förderung zu betreiben. Sie rechnen damit, dass Hersteller wie Siemens Gamesa zum Zeitpunkt des Windparkbaus so ertragreiche Anlagen liefern, dass die Parks ohne Subventionen profitabel sein werden. Die Lobby-Organisationen trauen den Unternehmen das nach eigenem Bekunden zu: "Wir rechnen damit, dass die Hersteller ihre Versprechen halten", sagt Andreas Wellbrock, Geschäftsführer der Windenergieagentur WAB in Bremerhaven.

 

2017 kamen 222 Windräder dazu

 

Im vergangenen Jahr sind nach Angaben des Beratungsunternehmens Deutsche Windguard 1,25 Gigawatt Offshore-Kapazität neu ans Netz gegangen. Damit haben die Windparks in der der deutschen Nord- und Ostsee eine Kapazität von knapp 5,4 Gigawatt erreicht. Die Zahl der angeschlossenen Windenergieanlagen auf See stieg um 222 auf 1.169 Stück.

 

Zwei neue Offshore-Windparks entstehen derzeit, Projektierer planen für 2018 den Baubeginn für weitere Parks, die 2019 mit der Einspeisung ins Netz beginnen sollen. Die Branchenverbände erwarten, dass in diesem Jahr die Kapazitäten von Konvertern steigen werden, über die der Strom von See an Land transportiert wird. Sie drängen, diese möglichst rasch zu nutzen.

 

Lesen Sie auch: Schottland kartiert das Meer für schwimmende Windparks

Christian Schaudwet
Keywords:
Offshore | Windenergie | Auktion
Ressorts:
Governance | Markets

Kommentare

Und wohin mit der ganzen Elektroenergie?
Da müsste man wohl mal an Wasserstoff denken!

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