Windparkbetreiber im Interview
10.09.2012

Offshore-Ziele der Bundesregierung nicht zu erreichen

Alpha Ventus

Klaus Horstick, Geschäftsführer des Trianel Windparks Borkum, spricht über Verzögerungen beim Netzanschluss sowie über Kosten und Alternativen der Offshore-Technologie.

Herr Horstick, beim Bau und Anschluss des Windparks Borkum West kommt es zu Verzögerungen. Was kostet Sie das?

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Horstick: Der Netzbetreiber Tennet hatte uns Ende Juni 2012 mitgeteilt, dass sich der Netzanschluss um fünf Monate verspätet. Damit produziert der Windpark nicht wie geplant Ende 2012, sondern frühestens im Sommer 2013 den ersten Strom. Bei 40 Windturbinen mit je fünf Megawatt und angenommenen 4.000 Volllaststunden im Jahr verdienen die Anlagen 400.000 Euro pro Tag. Das ist der reine Umsatzausfall, hinzu kommen Kosten für Personal und Technik. Die Eigentümer werden nun einen weiteren Millionenbetrag zusätzlich tragen müssen.

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Wann spielt Windpark Borkum seine Kosten wieder ein?

Horstick: Das ganze Projekt wird über 20 Jahre abgezahlt. Nach 10 bis 12 Jahren sind Zinsen und Tilgung der Fremdkapitalgeber bedient. Danach ist die Eigenkapitalseite dran, obwohl es zwischendurch schon einige Ausschüttungen geben wird. Das war die Rechnung vor der Verzögerung.

Thüga-Chef Ewald Woste verkündete kürzlich, er sei froh, nicht im Offshore-Bereich investiert zu haben. Bereuen Sie Ihre Entscheidung schon?

Horstick: Wir hatten in den vergangenen Jahren viele Scherereien, das stimmt. Aber wenn wir das erste Projekt 2013 abschließen, werden wir eine steile Lernkurve durchlaufen haben. Die zweite Phase des Projekts mit weiteren 40 Anlagen wird dadurch wesentlich leichter, weil Umspannwerk und Netzanschluss schon vorhanden sind. Mittel- bis Langfristig werden die Kosten für Offshore-Wind fallen und die großen Windparks einen wichtigen Beitrag zur Stromerzeugung leisten.
Zudem, was sind die Alternativen? Onshore-Wind birgt derzeit weniger Risiko, allerdings gibt es auch Hindernisse wie beispielsweise die fehlende Akzeptanz von Bürgern.

Halten Sie das Ziel der Bundesregierung, bis 2020 insgesamt zehn Gigawatt Offshore zu installieren, noch für machbar?

Horstick: Nein. Die angenommene Bauzeit eines Windparks ist von 30 auf 50 Monate angehoben worden. Realistisch gerechnet werden wir bis 2020 bei sechs bis sieben Gigawatt landen. Momentan sind erst 200 Megawatt am Netz. Um die Vorgabe zu erreichen, müssten drei bis vier Projekte jährlich umgesetzt werden. Derzeit geht noch nicht mal mehr ein Windpark pro Jahr ans Netz.

Zur Info: 33 Stadtwerke unter der Führung von Trianel aus Aachen investieren insgesamt 1,6 Milliarden Euro für 80 Anlagen. In einer ersten Phase werden 40 Windturbinen installiert, ab 2013 folgt die Projektentwicklung für weitere 40 Anlagen. Der Trianel Windpark Borkum entsteht 45 km nördlich der Insel Borkum in einer Wassertiefe von rund 30 Metern.

Niels Hendrik Petersen
Keywords:
Projektfinanzierung | Offshore Wind
Ressorts:
Finance

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