Bei dem Börsengang verschenkt Siemens sozusagen 80,5 Prozent der Anteile an seine Aktionäre. Der Industriekonzern legte ihnen am Freitagabend je eine Osram-Aktie für zehn Siemens-Papiere ins Depot. Damit ist Siemens mit weniger als 20 Prozent an Osram beteiligt. 

„Das heutige Listing eröffnet große Chancen für die künftige Entwicklung des Unternehmens“, sagt der Osram-Vorstandsvorsitzende Wolfgang Dehen. Der optimale Zeitpunkt für einen Börsengang ist es allerdings nicht. Wurde der Marktwert des Unternehmens in der Vergangenheit noch auf 7 Milliarden Euro geschätzt, ist er nach einigen Krisen mittlerweile auf 3,23 Milliarden Euro geschmolzen. Das entspricht 30,85 Euro pro Aktie. Doch der tatsächliche Kurs ist noch offen, die Richtwerte für die Osram-Aktie bewegen sich in einem relativ großem Spielraum zwischen 21 und 44 Euro. 

Das liegt daran, dass Siemens die Osram-Aktie nicht in einem Bookbuilding-Verfahren bewerten ließ, sondern im Zuteilungsverhältnis von 10 zu 1 an seine Aktionäre verteilt hat.  Beim Bookbuilding geben Investoren Gebote in einem bestimmten Rahmen ab, anschließend wird der Börsen-Preis festgelegt. 

Es drohen Kursverluste

Die Osram-Aktie dürfte zunächst unter Druck geraten. Viele Aktionäre werden ihre Anteile abgeben wollen. Banken-Experten gehen davon aus, dass etwa 40 bis 50 Prozent der 84 Millionen Titel auf dem Markt landen werden. Hinzukommt, dass Anleger das Investment wohl zunächst scheuen werden. 

Zur Zeit vollzieht Osram den Wandel von der Glühbirne zum LED-Technik. Die Entwicklung kostet sehr viel Geld und hat große Billigkonkurrenz unter anderem aus Asien. Zuletzt lag der Umsatz des Unternehmens bei knapp 5,4 Milliarden Euro. 2011/2012 betrug der Verlust 380 Millionen Euro. In diesem Jahr soll es besser laufen. Dafür schließt der Konzern Werke und streicht weltweit Stellen ein. Bislang hatte Siemens seiner Tochter mit Milliardenbeträgen ausgeholfen.