Der Freistaat Sachsen bleibt auch 2020 das Bundesland, in dem die Besitzer von Ein- und Zweifamilienhäusern das größte Interesse an Solarstrom vom Dach zeigen. Es folgen die Länder Sachsen-Anhalt sowie Berlin. Das ergibt ein jetzt veröffentlichte Auswertung des Online-Vermittlers Aroundhome. Dieser hat nach eigenen Angaben insgesamt 80.000 Anfragen von Eigentümern von Ein- bzw. Zweifamilienhäusern ausgewertet, die sich 2020 für eine Solaranlage interessierten.

Konkret lag für Sachsen 2020 laut dem Portal der sogenannte Indexwert bei 1,6, die neuen Bundesländer kamen auf 1,24, die alten nur auf 0,80. Der Indexwert setzt dabei laut Aroundhome den prozentualen Anteil der Nachfragen nach Solaranlagen pro Bundesland, die beim Portal eingingen, ins Verhältnis zum jeweiligen prozentualen Anteil an Ein- und Zweifamilienhausbesitzern. Solarinteressierte Eigenheimbesitzer aus Sachsen fragten demnach also doppelt so häufig beim Portal an wie solche aus Bayern.

Im anhaltenden privaten Solarboom im Osten sieht Aroundhome-Manager Mathias Klement auch einen Corona-Effekt, weil gespartes Geld in die Energiewende gesteckt wurde. "Da der Kauf für private Interessenten oft zu teuer ist, kann gerade in strukturschwachen Regionen das Mieten einer Anlage eine attraktive Alternative sein", rät Klement.

Laut den Angaben kann sich zwar eine Mehrheit (51 Prozent) der Interessenten beides vorstellen – den Kauf wie die Miete einer Solaranlage - ein deutliche Überzahl von 45 Prozent der Anfragenden aber wollten kaufen und nur 4 Prozent lediglich mieten.

Wenig Anfragen zu Wallboxen und Stromspeichern

Im Schnitt wurde dabei nach den Angaben von den Interessenten eine Solarleistung von 9,35 Kilowatt angefragt. Die meisten Anfragen richteten sich entsprechend auf das Leistungssegment von 7 bis 13 Kilowatt, danach folgten Anlagen von 4 bis 7 Kilowatt. Allerdings machten nur 60.000 der 80.000 Anfrager eine konkrete Angabe zur gewünschten Leistung.

Die Kosten der auf dem Portal  angefragten Photovoltaik-Anlagen lagen 2020 im Bereich von 11.200 bis 16.800 Euro, oft einschließlich Montage. Die konkrete Preiskalkulation hänge aber, betont Aroundhome, vom Einzelfall ab. Lediglich 5.900 oder rund 7 Prozent der Anfragenden interessierten sich 2020 für eine Wallbox für E-Ladestrom bzw. einen Stromspeicher. Weil hier keine Daten aus den Vorjahren vorliegen, könne daraus kein Trend abgeleitet werden, betont das Portal.

Für die alten Bundesländer, insbesonders für Bayern, konstatiert Aroundhome bereits eine gewisse Marktsättigung. So zeige ein Abgleich mit Daten der Bundesnetzagentur, dass 2018 bereits 13 Prozent der Ein-und Zweifamilienhäuser in den alten Ländern über eine Photovoltaikanlage verfügten. Die neuen Länder kämen auf eine Abdeckung von 9 Prozent.

Die Annahme einer sich abzeichnenden Marktsättigung begründet Aroundhome auf Nachfrage unter anderem damit, dass Studien wie zum Beispiel vom Umweltverband WWF aus dem Jahr 2015 für Bayern fürs Jahr 2035 eine Solarleistung von gesamt 20.000 Megawatt im Bereich der Gebäudeintegrierten Photovoltaik für möglich halten. Davon seien, rechnet Aroundhome vor, bereits 2018 schon etwas mehr als 12.500 Megawatt realisiert.

Ein weitere Begrenzung des Ausbau der Dachphotovoltaik besteht laut dem Portal darin, dass eine hohe Dichte von Photovoltaik-Anlagen an sonnigen Tagen dazu führen kann, dass die Stromerzeugung dem Verbrauch übersteigt. Die Transformatoren speisten dann zwar Leistung aus dem Niederspannungs- ins Mittelspannungsnetz ein, könnten aber bei sehr hohen Anlagendichten an ihre Leistungsgrenze stoßen. Der weitere Ausbau der Photovoltaik sollte aus Sicht des Portals deswegen geografisch noch verbrauchsgerechter erfolgen, um die Verteilung des Solarstroms zu erleichtern.

Zunächst scheint sich aber der Aufschwung privater Dach-Photovoltaik 2021 fortzusetzen. Bis Ende März gingen bei Aroundhome bereits 24.000 qualifizierte Anfragen ein. Das sind solche, wo am Ende auch Handwerksleistungen vermittelt werden. Die Zahl dieser Anfragen sei in den ersten drei Monaten 2021 gegenüber dem Vergleichszeitraum 2020 gestiegen. Aroundhome spricht hier von einem "leichten Trend", allerdings sei es zu früh, "definitive Aussagen zu treffen."

Besonders im Osten gibt es eine ungebrochen starke Nachfrage nach Photovoltaik auf dem Dach. (Copyright: Istock)