Energieversorger
06.02.2019

PG&E-Insolvenz bedroht Erneuerbaren-Branche

Foto: iStock
Fehlerhafte Stromleitungen von PG&E könnten Waldbrände in Kalifornien ausgelöst haben.

Milliardenverträge stehen auf der Kippe: Die Pleite des US-Stromkonzerns PG&E nach den verheerenden Waldbränden in Kalifornien droht zu einem gigantischen Problem für Produzenten und Lieferanten von erneuerbarer Energie zu werden.

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Die Aussicht ist düster: Durch die Insolvenzerklärung des kalifornischen Stromgiganten Pacific Gas & Electric (PG&E) stehen Milliardeninvestitionen und -umsätze auf dem Spiel, bestehende Anlagen könnten in die Verlustzone abrutschen. Der Energieriese will alle bestehenden Energie-Lieferverträge in Eigenregie kündigen oder nachverhandeln dürfen. Die staatliche Aufsichtsbehörde Federal Energy Regulatory Commission lehnt das ab, aber PG&E besteht darauf. Das zuständige Konkursgericht  unter Richter Dennis Montali wird im Laufe des Monats seine Entscheidung fällen.

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Der Stromriese hat laut Gerichtspapieren Energielieferverträge mit rund 350 Anbietern im Gesamtwert von 42 Milliarden Dollar. Die Verträge über erneuerbare Energien darunter seien großteils nur abgeschlossen worden, um den kalifornischen Gesetzesvorgaben zu genügen, verteidigt sich das Unternehmen. Die Analysten Michael Weinstein und Khanh Nguyen von Credite Suisse hatten im November 2018 bereits potentielle Auswirkungen auf den Energiemarkt durchgespielt, falls PG&E bankrottgeht und die Lieferverträge nachverhandeln sollte.

Betreiber von Wind- und Solarprojekten als Verlierer

Einer der größten Verlierer könnte Consolidated Edison sein, einer der großen Betreiber von Wind- und Solarprojekten, die ihren Strom auf Basis von langfristigen Verträgen an den kalifornischen Versorger liefern. Con Ed könnte laut Credit Suisse bis zu zehn Prozent seiner Gewinne einbüssen. Für PG&E könnte der Ausstieg dagegen, nach einer Erholung aus dem Gläubigerschutz, zu einem guten Geschäft werden: Die Analysten gehen von einem durchschnittlichen Preis von 197 Dollar pro Megawattstunde bei den Altverträgen aus, heute werden eher 25 bis 30 Dollar gezahlt. PG&E argumentiert, die Nachverhandlung der Lieferverträge würde Druck von den Stromverbrauchern in Kalifornien nehmen. Der temporäre Vorstandschef John Simon versprach den Kunden zumindest, dass „die Lichter nicht ausgehen werden“. Aber welche Kosten damit verbunden sein werden, lässt er offen.

Denn das in San Francisco beheimatete Unternehmen, der größte Stromversorger der USA mit über 16 Millionen Kunden und über 24.000 Mitarbeitern, ist nicht zum ersten Mal zahlungsunfähig. 2001 ging es schon einmal in die Insolvenz. Für die Folgen zahlen die kalifornischen Steuerzahler und PG&E-Kunden noch heute. Nach der erneuten Insolvenz drohen nach Expertenschätzungen eine Verfünffachung der Strompreise in Kalifornien, oder noch mehr.

Waldbrände durch veraltete Leitungen

Was war passiert? Riesige Waldbrände haben Kalifornien 2017 und 2018 heimgesucht. Chaos, 86 Tote alleine in der jüngsten Feuersbrunst im November, tausende zerstörte Häuser und Unternehmen, zigtausende zu verkohlten Gerippen verbrannte Fahrzeuge, verwüstete Landschaften, verdrecktes Wasser und verseuchtes Erdreich, Schadenersatzforderungen und Strafprozesse. Bislang sieht es so aus, als ob der Strom- und Gasversorger PG&E durch veraltete, schlecht gewartete oder versagende Infrastruktur wie Stromkabel an alten Holzmasten über knochentrockenem Gebüsch einen guten Teil der Schuld an vielen der Feuer tragen könnte.

Die Münchener Rückversicherung nannte das sogenannte „Camp Fire“, das im November eine nordkalifornische Kleinstadt fast völlig dem Erdboden gleichgemacht hatte, die teuerste Umweltkatastrophe 2018 mit über 16 Milliarden Dollar Schaden. Diverse Ereignisse zusammengenommen könnte sich PG&E über 30 Milliarden Dollar an Kosten und Schadenersatz gegenübersehen. Für die Opfer der Waldbrände, die oft alles verloren haben, ist der Insovenzantrag ebenfalls eine dramatische Entwicklung. Sie könnten am Ende mit ihren Forderungen leer ausgehen. PG&E hat bereits deutlich gemacht, dass die Rückzahlung der vom Insovenzgericht jetzt genehmigten Notkredite in Milliardenhöhe an die Banken oberste Priorität habe und damit vor Opferentschädigungen stehe.

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Energiekonzern | USA
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