Trump-Vorstoß
25.01.2017

Pipelines mit Nebenwirkungen

Forto: Flickr/Fibonacci Blue

Donald Trump will mit dem Weiterbau der Pipelines Keystone XL und Dakota Access Jobs schaffen und fossile Energien fördern. Doch der US-Handelsbilanz wären seine Pläne weniger zuträglich.

Donald Trump hat mit zwei Unterschriften grünes Licht für den Weiterbau der umstrittenen Ölpipelines Keystone XL und Dakota Access gegeben. Mit seinen Memoranden zu den beiden Pipeline-Projekten will der neue US-Präsident fossile Energien fördern und zehntausende Jobs schaffen. Das möchte er auch durch ein weiteres Memorandum erreichen, wonach in allen Pipelines künftig in erster Linie amerikanischer Stahl verbaut werden soll. Sein Vorgänger Barack Obama hatte den Bau der beiden Pipelines wegen Umweltschutzbedenken gestoppt - dem waren jeweils heftige, teils lang andauernde Proteste vorangegangen.

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Doch die Auswirkungen der fertigen Projekte würden letztlich gar nicht nur im Interesse der USA liegen. Schließlich würde die Keystone-Röhre täglich 830.000 Barrel (je 159 Liter) Rohöl aus dem Nachbarstaat Kanada in die USA importieren. Das aus Teersand gewonnene Öl soll auf rund 1.700 Kilometern aus dem kanadischen Alberta zu Raffinerien in den USA transportiert werden. Der derzeitige Handelsüberschuss gegenüber Kanada könnte sich durch die Rohöl-Importe jedoch in ein Defizit verwandeln – wogegen Trump mit seiner protektionistischen Handelspolitik ja eigentlich vorgehen will. Zum Beispiel mit der Neuverhandlung des nordamerikanischen Freihandelsabkommens Nafta. 2015 lag der US-Handelsüberschuss gegenüber Kanada bei 11,9 Milliarden Dollar.

Obama hatte den Weiterbau der Pipeline, die bisher bis nach Illinois reicht, mit der Begründung gestoppt, dass sie nicht den Interessen der USA diene. Eine von seinen Behörden in Auftrag gegebene Umweltverträglichkeitsprüfung hatte ergeben, dass Öl aus kanadischen Sanden 17 Prozent mehr CO2 freisetzt, als es im Durchschnitt bei Öllieferungen in den USA der Fall ist.

 

Nur 35 dauerhafte Jobs

Die 42.000 Jobs im Bau und für Servicedienstleistungen, die nach Schätzung des US-Außenministeriums mit dem Bau der XL-Pipeline entstehen könnten, wären zudem nur temporär: Dauerhaft würden für den Betrieb der Röhre gerade mal 35 Jobs geschaffen.

Auch der Nutzen der 3,7 Milliarden Dollar teuren Dakota Access Pipeline ist umstritten. Sie soll Öl von Fracking-Bohrstellen vom Bundesstaat North Dakota nach Illinois transportieren. Nicht nur, dass sie durch Reservate des Sioux-Stamms führen würde, der um seine heiligen Stätten und sauberes Trinkwasser fürchtet. Aus Sicht von US-Analysten ist der Bedarf wegen des Öl-Booms in der Region Bakken Shale in North Dakota und den gleichzeitig hohen Fördermengen im Westen von Texas geringer geworden. Dadurch entstehe eine Überversorgung der Raffinerien an der US-Golfküste.    

Trump dürfte dem Fertigbau der Dakota-Pipeline wohl nicht ganz unvoreingenommen gegenüberstehen: Schließlich hat er in die Betreiberfirma Energy Transfer Partners sowie in die Holding Phillips 66 investiert.

 

 

Jutta Maier
Keywords:
Keystone XL | Dakota Access Pipeline | Donald Trump | Barack Obama
Ressorts:
Finance | Governance

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