Fracking
25.02.2016

Pleitewelle frisst sich voran

foto: Getty Images/Robert Nickelsberg

Die Hälfte aller Kredite der Ölindustrie in den USA könnten faul werden.

 

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Die Fracking-Industrie hat sich bislang erstaunlich wacker geschlagen. Trotz Rekordabsturz des Ölpreises auf zeitweilig unter 30 Dollar pro Fass ist die Öl-Produktion in den USA bislang kaum gefallen. Der Grund: Ist erst einmal eine Quelle erschlossen, kostet die Förderung meist weniger als 15 Dollar pro Fass. 
Die Gesamtkosten liegen allerdings meist deutlich höher, oft zwischen 45 und 60 Dollar. Mit jedem Tag, den der Ölpreis niedrig bleibt, fehlt also Deckungsbeitrag für das bereits investierte und in der Regel auf Pump beschaffte Geld. Viele Unternehmen haben sich zwar mit längerfristigen Lieferverträgen oder Finanzderivaten abgesichert – die laufen nun aber nach und nach aus.
Knapp 50 US-Ölfirmen sind seit Anfang 2015 bereits pleite gegangen. Für die Gläubiger heißt das: Ein großer Teil des geliehenen Geldes ist weg. Finanzanalysten schätzen, dass bald die Hälfte der meist kleinen US-Ölfirmen bankrott sein könnten. 
Insgesamt war die Ölindustrie in den USA und Kanada zum Jahreswechsel bereits mit über 350 Milliarden US-Dollar verschuldet. Während in den Ölregionen Ruhe einkehrt und immer weniger neue Quellen gefrackt werden, herrscht in den Kreditabteilungen der US-Banken Hektik. Dort wurden in den vergangenen Wochen laufend Rückstellungen für Kreditausfälle nach oben angepasst. Ein Desaster wie beim Platzen der Immobilienblase droht indes nicht. Während Hauskredite bei vielen Banken ein Drittel des Portfolios ausmachen und der Anteil des Bausektors an der Wirtschaftsleistung bei rund 15 Prozent liegt, ist der Öl- und Gassektor nicht so bedeutsam. Die Firmen steuern etwa 2,5 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei.
Dennoch wird es unangenehm für die US-Institute. Einige regionale Banken, besonders in Ölstaaten wie Texas, haben teils mehr als fünf Prozent ihrer Kredite an Öl- und Gas-Firmen vergeben. Dort wird die Pleitewelle zum Schlag ins Kontor. Bei den acht größten Banken ist der Anteil meist nur etwa halb so groß, aber die Gesamtsumme der Öl- und Gaskredite dieser Institute liegt immerhin bei knapp 100 Milliarden Dollar. In einem Extremszenario und bei weiter niedrigen Ölpreisen könnte die Hälfte der Kredite faul werden, schätzen Analyst

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Die Fracking-Industrie hat sich bislang erstaunlich wacker geschlagen. Trotz Rekordabsturz des Ölpreises auf zeitweilig unter 30 Dollar pro Fass ist die Öl-Produktion in den USA bislang kaum gefallen. Der Grund: Ist erst einmal eine Quelle erschlossen, kostet die Förderung meist weniger als 15 Dollar pro Fass. 
Die Gesamtkosten liegen allerdings meist deutlich höher, oft zwischen 45 und 60 Dollar. Mit jedem Tag, den der Ölpreis niedrig bleibt, fehlt also Deckungsbeitrag für das bereits investierte und in der Regel auf Pump beschaffte Geld. Viele Unternehmen haben sich zwar mit längerfristigen Lieferverträgen oder Finanzderivaten abgesichert – die laufen nun aber nach und nach aus.
Knapp 50 US-Ölfirmen sind seit Anfang 2015 bereits pleite gegangen. Für die Gläubiger heißt das: Ein großer Teil des geliehenen Geldes ist weg. Finanzanalysten schätzen, dass bald die Hälfte der meist kleinen US-Ölfirmen bankrott sein könnten. 
Insgesamt war die Ölindustrie in den USA und Kanada zum Jahreswechsel bereits mit über 350 Milliarden US-Dollar verschuldet. Während in den Ölregionen Ruhe einkehrt und immer weniger neue Quellen gefrackt werden, herrscht in den Kreditabteilungen der US-Banken Hektik. Dort wurden in den vergangenen Wochen laufend Rückstellungen für Kreditausfälle nach oben angepasst. Ein Desaster wie beim Platzen der Immobilienblase droht indes nicht. Während Hauskredite bei vielen Banken ein Drittel des Portfolios ausmachen und der Anteil des Bausektors an der Wirtschaftsleistung bei rund 15 Prozent liegt, ist der Öl- und Gassektor nicht so bedeutsam. Die Firmen steuern etwa 2,5 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei.
Dennoch wird es unangenehm für die US-Institute. Einige regionale Banken, besonders in Ölstaaten wie Texas, haben teils mehr als fünf Prozent ihrer Kredite an Öl- und Gas-Firmen vergeben. Dort wird die Pleitewelle zum Schlag ins Kontor. Bei den acht größten Banken ist der Anteil meist nur etwa halb so groß, aber die Gesamtsumme der Öl- und Gaskredite dieser Institute liegt immerhin bei knapp 100 Milliarden Dollar. In einem Extremszenario und bei weiter niedrigen Ölpreisen könnte die Hälfte der Kredite faul werden, schätzen Analysten.
Jakob Schlandt
Keywords:
Fracking | USA | Kredite | Finanzen | Ölfirmen | Ölpreis | Kanada | Texas
Ressorts:

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