Wasserstoff
04.04.2018

Plug Power macht Brennstoffzellen-Gabelstapler effizienter

Foto: Plug Power

Nach Amazon und Walmart will das US-Unternehmen Plug Power weitere Kunden für seine Brennstoffzellen-Gabelstapler gewinnen. Ein neues System spart einen Tankzyklus und damit bares Geld – die Aktienmärkte überzeugt es aber nicht.

Im Personenverkehr tut sich die Brennstoffzelle sehr schwer: der Vorsprung rein batterieelektrischer Autos und deren Ladeinfrastruktur wird immer größer. Auf der Schiene, zu Wasser und bei Nutzfahrzeugen hingegen gewinnt der Wasserstoffantrieb an Boden. So hat das US-Unternehmen Ballard Power ein neues Brennstoffzellen-System („GenDrive“) für elektrische Gabelstapler entwickelt.

Anzeige

Dank eines vergrößerten Tanks haben die Fahrzeuge eine mehr als doppelt so lange Laufzeit wie bisher. Die Betreiber müssen dadurch rund 30 Prozent weniger Zeit zum Aufladen aufwenden. Die ersten GenDrive-Einheiten will Plug Power im dritten Quartal dieses Jahres ausliefern. „Diese Innovation ist entscheidend, um die Markteinführung weiter voranzutreiben“, sagt Plug Power-CEO Andy Marsh.

Anzeige

Kein Auswechseln von Batterien mehr

Der große Vorteil der Brennstoffzellen-Gabelstaplern ist, dass das zeitraubende Auswechseln von Batterien entfällt. Stattdessen werden die Brennstoffzellen aufgetankt. Ein Tankvorgang dauert bei dem neuen System nach Angaben von Plug Power nur doch drei Minuten. Dies ist insbesondere für Lebensmittel- und Retailkunden von Bedeutung, die bisher im Dreischicht-System laden müssen und dadurch wertvolle Zeit verlieren. Mit dem GenDrive sind nur noch zwei Tankzyklen pro Tag nötig. Nach Berechnungen von Plug Power könnte ein typischer Kunde mit mehr als 90 Fahrzeugen so innerhalb von fünf Jahren etwa 400.000 Dollar Kosten einsparen.

Plug Power sorgte im vergangenen Frühjahr mit einem Großdeal mit dem Handelsriesen Amazon für Schlagzeilen. Amazon verkündete, elf seiner Lager mit Brennstoffzellen-Gabelstaplern auszustatten und sicherte sich zudem die Kaufoption auf rund 23 Prozent der Plug-Power-Anteile. Im Juli kam es zu einem ähnlichen Geschäft mit dem Amazon-Rivalen Walmart, der die Zahl der Standorte mit Brennstoffzellen-Fahrzeugen auf 40 erhöht hat. Gleichzeitig erwarb Walmart 17 Prozent der Anteile an Plug Power. Plug Power erwartet sich von den Abschlüssen Folgeaufträge. Bislang ist der Brennstoffzellen-Hersteller immer noch nicht profitabel.

Toyota setzt ebenfalls auf Wasserstoff in der Logistik

Momentan werden in US-Lagern knapp drei Prozent der insgesamt 600.000 Gabelstapler mit Wasserstoff betrieben, doch ihr Anteil steigt. Auch der weltgrößte Gabelstapler-Hersteller Toyota entwickelt seit 2017 auch Brennstoffzellen-Varianten. 20 Stück sind seit neuestem in der Fertigungsstätte Motomachi in Japan im Einsatz, bis 2020 soll ihre Zahl auf 180 Stück erhöht werden. Andere große Brennstoffzellen-Hersteller wie Ballard Power und Hydrogenics konzentrieren sich auf mit Wasserstoff betriebene Busse, Lastwagen oder Drohnen.

Die Aktie von Plug Power profitierte kräftig von den Deals und stieg in den vergangenen zwölf Monaten um rund 17 Prozent. Die Ankündigung des neuen, effektiveren Brennstoffzellensystems konnte die Aktienmärkte jedoch nicht überzeugen: Das Papier verlor zunächst an Wert. Im regenerativen Aktienindex Renixx zählte Plug Power am Dienstag mit einem Minus von mehr als acht Prozent sogar zu den größten Verlierern. Auch Ballard-Power-Aktien ließen um gut sechs Prozent nach.

Lesen Sie auch: Amazon gibt Wasserstoff Auftrieb

Jutta Maier
Keywords:
erneuerbare Energien | Wasserstoff | Brennstoffzellen | Plug Power | Ballard Power | Gabelstapler
Ressorts:
Technology | Markets

Neuen Kommentar schreiben

 

bizz energy – Sommer 2018

Die aktuelle Ausgabe gibt es bei unserem Abonnentenservice unter bizzenergy@pressup.de sowie als E-Paper bei iKiosk oder Readly.

 
 

bizz energy Research

Energie, Digitalisierung und Mobilität.
Unsere Factsheets bieten visualisierte Daten, liefern Fakten und stellen Zusammenhänge zu den Top-Themen der Energiewende dar.


Mehr Informationen