Stromerzeugung
07.12.2018

Polens Kohlestromversorger PGE öffnet sich für Offshore-Windenergie

Foto: iStock
Kohlekraftwerk Bełchatów: Polen steht für sein hohes Maß an Kohlverstromung international in der Kritik.

Bei der UN-Klimakonferenz COP24 in Kattowitz steht Gastgeber Polen als Kohle-Dinosaurier in der Kritik. Nun ruft der staatliche Energieversorger PGE ausländische Unternehmen zur Hilfe, um Offshore-Windparks zu bauen.

Polen gilt als Land des Kohlestroms. Doch unter dem Druck gestiegener Preise für CO2-Zertifikate im Europäischen Emissionshandel lässt sich der Energieversorger Polska Grupa Energetyczna (PGE) nun auf die Offshore-Windenergie ein. Das staatliche Unternehmen, das Strom bisher vor allem aus Kohle erzeugt, will in der Ostsee zwei Windparks mit insgesamt 2,55 Gigawatt errichten. Lokalen Medienberichten zufolge hat PGE ein Dutzend Energieunternehmen zu Geboten aufgefordert, darunter Eon, Innogy, Vattenfall, Orsted und Iberdrola.

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Den ersten Strom sollen die Windparks „Baltica 2“ und „Baltica 3“ im Jahr 2025 liefern. Pläne für Offshore-Windparks vor der polnischen Küste hatten zuvor bereits der heimische Ölkonzern PKN Orlen und die norwegische Gesellschaft Statoil (heute Equinor) bekannt gegeben.

Am 5. November schrieb die polnische Regierung auch Onshore-Windenergiekapazitäten von rund einem Gigawatt aus. Nachdem 2017 nur 41 Megawatt zugebaut wurden, macht Polen mit einer veränderten Regulierung nun Tempo, um seinen Strombedarf im Jahr 2020 zu 15 Prozent aus erneuerbaren Energien decken zu können.

(Lesen Sie auch: Polen fährt auf Elektrobusse ab)

Mehr offshore, weniger onshore

Allerdings wird der Zubau nach Angaben des europäischen Branchenverbands Wind Europe vor allem auf See stattfinden. Demnach sollen in der polnischen Ostsee bis zum Jahr 2040 Offshore-Parks mit zehn Gigawatt Kapazität entstehen, während das Volumen der Onshore-Ausschreibung ab 2025 im Jahr 2040 nur 800 Megwattt betragen soll. Wind-Europe-Chef Giles Dickson bezeichnet diese Perspektive als „wirklich enttäuschend für Onshore-Wind“. Die Begrenzung ergebe „ökonomisch keinen Sinn“.

Doch ob onshore oder offshore – das britische Energie-Analysehaus Wood Mackenzie bezeichnet Polen in einer Studie als „dominanten Markt in der Region“ des östlichen Europa. Nachdem das Land im Juli seine Erneuerbaren-Gesetzgebung gelockert habe, würden jetzt eine Reihe von aufgeschobenen Onshore-Auktionen konkret. Wind Europe spricht von einem polnischen „Windenergie-Comeback“.

Interesse aus Deutschland

Auch deutsche Windparkentwickler haben in Polen Ambitionen. Seit längerem aktiv ist dort beispielsweise der Dresdner Projektierer VSB, er betreibt Anlagen an elf Standorten. Bei der jüngsten Auktion Anfang November erhielt PNE aus Bremen einen Zuschlag für 174 Megawatt, der ebenfalls in Bremen ansässige Konkurrent WPD bekam 100 Megawatt.

Wood-Mackenzie erwartet „eine signifikante Stilllegung von Kohlekraftwerken“ in Polen nach 2020. Dies liege vor allem am hohen Alter der Kraftwerke und an strengeren Emissionsregeln. Da Windenergie immer günstiger werde, sei sie in einer „starken Position“, um die Kohlekapazitäten zu ersetzen. Polen plant bis zum Jahr 2043 allerdings auch neue Kernkraftwerke mit einer Kapazität von sechs bis neun Gigawatt.

Lesen Sie auch: Windenergie: Eon sucht sein Offshore-Glück im Ausland

 

Christian Schaudwet
Keywords:
Windenergie | Offshore | Polen | COP 24
Ressorts:
Governance | Markets

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