Erzeugung
05.06.2019

PPA: Lichtblick für alte Windenergieanlagen

Foto: Lichtblick
Ökostromanbieter Lichtblick hat einen direkten Stromliefervertrag für den Windpark Papenrode abgeschlossen.

Anfang 2021 fallen rund 3.800 Megawatt Windkraft an Land aus der EEG-Förderung. Für den Weiterbetrieb der Anlagen eignen sich mitunter „Power Purchase Agreements“. Einige Versorger schließen die ersten Verträge ab.

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Geteilter Schmerz ist halber Schmerz, sagt der Volksmund. Geteiltes Risiko ist vielleicht nicht exakt halbiertes, aber doch ein verringertes Risiko. So ließe sich die Idee beschreiben, die hinter den so genannten „Power Purchase Agreements“ (PPA) für alte Windanlagen steht: PPAs sehen eine langfristige Abnahme des Windstroms zu einem Festpreis vor. Kunden wollen sich so gegen übermäßig steigende Strompreise in der Zukunft absichern. Windparkbetreiber hingegen sichern sich langfristig stabile Einnahmen. Ist dies die Lösung für Altanlagen?

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Die Zeit drängt – das erste Ablaufdatum beim EEG rückt näher: Anfang 2021 endet die Förderung für eine Vielzahl kleinerer Anlagen mit insgesamt 3.800 Megawatt. Bis Ende 2025 rechnet die Branche mit 16.000 Megawatt Post-EEG-Windkraft. „Was mit diesen Anlagen passiert, ist heute noch zu einem großen Teil offen“, sagt Christoph Zipf. Für einen Weiterbetrieb gebe es von den Unternehmen „sehr unterschiedliche Einschätzungen.“ Einige Betreiber meinten, PPAs stellten eine Option dar, andere gingen eher von einem Rückbau aus, so der Sprecher des Bundesverbands Windenergie (BWE). Ökostromanbieter wie Lichtblick oder Greenpeace Energy schließen derweil die ersten Verträge ab.

"Produce and forget" ist vorbei

Rückblick: Eine Windkraftanlage, die 2000 oder 2001 in die EEG-Förderung kam, konnte mit einem Zuschuss von anfangs knapp 18 Cent und später 12 Cent je Kilowattstunde rechnen. Das war zusammen mit der Einspeisepflicht recht auskömmlich. Die Branche hatte dafür das passende Geschäftsmotto parat: „produce and forget“. Was in etwa bedeutet: Kümmere dich um die Erzeugung, mehr muss nicht sein.

Das ändert sich mit dem Herausfallen aus dem EEG gründlich. Die Windparks müssen sich nun selbst um den wirtschaftlichen Verkauf ihres Stroms kümmern. Auch Zeiten negativer Strompreise sind zu überstehen oder längere Windflauten. Und statt 12 Cent EEG-Zuschuss gibt es an der Börse derzeit weniger als 5 Cent für die Kilowattstunde Strom.

Anlagen sind in die Jahre gekommen

Um den Weiterbetrieb von Altanlagen zu sichern, brauche es Börsenstrompreise, die „stabil im Bereich von 3 bis 4 Cent liegen“, sagt Tim Loppe, Sprecher des Ökostrom-Anbieters Naturstrom. Die Großhandelspreise seien nun einmal die Messlatte, anhand derer die Versorger oder große gewerbliche Abnehmer entschieden, wo und von wem sie ihren Strom einkauften.

Fraglich ist, ob 3 bis 4 Cent an jedem Standort reichen. Viele Anlagen sind in die Jahre gekommen. Zwar gilt die für den Betrieb erteilte Genehmigung nach Bundesimmissionsschutzgesetz (BImschG) unbefristet – bei ihrem Bau aber hatte man die Windanlagen für eben die 20 Jahre EEG-Förderung konzipiert. Für einen Weiterbetrieb muss gutachterlich nachgewiesen werden, dass die Betriebs- und Standsicherheit nach wie vor gegeben ist. Das kann kosten.

Lichtblick schließt Vertrag mit PNE

Post-EEG-Strom hat aber eine gesuchte Eigenschaft: Die Erzeuger müssen diesen nicht mehr an der Börse abliefern, sondern können über ihn frei verfügen – und der Bedarf nach solchem echten und direkt bezogenen Grünstrom wächst. „Gerade für Unternehmen in Deutschland wird es immer wichtiger, ein Zeichen für die Energiewende zu setzen“, sagt Gero Lücking, Geschäftsführer beim Hamburger Ökostrom-Anbieter Lichtblick.

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Keywords:
Power Purchase Agreement | Windenergie | EEG
Ressorts:
Markets

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