Windenergie
20.03.2019

„Potenzial von Offshore ist noch nicht ausgeschöpft“

Foto: Ørsted
Vor der niedersächsischen Küste liegen die Offshore-Windparks Borkum Riffgrund 1 & 2.

Die Offshore-Windenergie wird erwachsen. Doch trotz sinkender Kosten und steigender Erträge fließen weiter Subventionen. Wieviel Hilfe braucht Offshore noch? Ein Debattenbeitrag von Orsted-Geschäftsführer Volker Malmen.

Der Offshore-Windenergie ist es wie keiner anderen Technologie gelungen, ihre Kosten konsequent zu senken. Dabei ist die Offshore-Windkraft in Deutschland gerade einmal gut zehn Jahre alt, und das volle Potenzial ist noch lange nicht ausgeschöpft.

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Die technologische Entwicklung geht rasant voran und wird zu weiteren Kosteneinsparungen führen: Größere Flächen für Windparks bringen höhere Effizienz, größere Turbinen produzieren mehr Strom. Gleichzeitig werden die Produktionsverfahren effizienter und Komponenten durch Serienfertigung günstiger. Natürlich werden auch die Betreiber von Windparks immer routinierter. All das verbessert die Wirtschaftlichkeit der Offshore-Windkraft. Wie weit diese Entwicklung vorangeschritten ist, zeigen die Ergebnisse der jüngsten Offshore-Ausschreibungen: In wenigen Jahren werden Windparks errichtet werden, die ohne festgeschriebene Vergütung auskommen.

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Kann die Bundesrepublik vor diesem Hintergrund mit einem Ausbausystem in die nächste Dekade gehen, das die Verhältnisse von vor mehreren Jahren widerspiegelt? Der Vorentwurf des Flächenentwicklungsplans, den das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie vorgestellt hat, sieht Windpark-Größen zwischen 300 und 400 Megawatt vor. Damit wird schlichtweg das wirtschaftliche Potenzial ignoriert, das der enorme Leistungszuwachs bei Windkraftanlagen bietet. Derart klein bemessene Parkgrößen machen es sehr schwer, Turbinen-typen der neuesten Generation zu nutzen und notwendige Synergien zu heben.

Sektorkopplung zwingend notwendig

Der Standort eines Windparks, die Größe der Fläche und somit die Bau- und Betriebskosten sind mit ausschlaggebend für die Kosten. Deshalb haben wir vor der Errichtung unserer mittlerweile 24 Offshore-Windparks immer sehr genau geprüft, welche Flächen geeignet sind. Bis 2030 will die Bundesregierung den Anteil erneuerbarer Energien am deutschen Strommix von heute knapp 40 Prozent auf 65 Prozent steigern. Das kann nur gelingen, wenn die Offshore-Windenergie um deutlich mehr als die bislang geplanten 15 Gigawatt ausgebaut wird. Weitere Investitionen auch in Innovation und Forschung stehen und fallen mit der Perspektive auf geeignete Standorte und Ausbauvolumen.

Es ist zwingend notwendig, parallel auch die Sektorenkopplung voranzutreiben. So kann erreicht werden, dass die großen Mengen grünen Stroms, die das öffentliche Stromnetz nicht aufnehmen kann, sinnvoll genutzt werden. Windparkbetreiber könnten diesen Anteil der Stromproduktion künftig beispielsweise mit eigenen Anlagen in Wasserstoff umwandeln. Der „grüne Wasserstoff“ könnte als chemischer Speicher dienen oder direkt in den Sektoren Industrie und Mobilität eingesetzt werden.

Volker Malmen
Volker Malmen, Orsted Wind Power Germany. Foto: Ørsted
Volker Malmen ist seit 2012 Geschäftsführer von Orsted Wind Power Germany. Er leitet das Windgeschäft des dänischen Energiekonzerns in Deutschland. Damit ist er zuständig für Offshore-Windparks wie Borkum Riffgrund und Gode Wind in der Nordsee. Zuvor hatte er verschiedene CFO-Positionen bei Infineon Technologies inne.

Lesen Sie hier den Debattenbeitrag von Thomas Engelke, Verbraucherzentrale Bundesverband.

 

 

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Offshore Windenergie | Offshore-Förderung
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