Sektorenkopplung
24.01.2019

Power-to-Gas soll mit Ausbau des Leitungsnetzes kommen

Foto: Gascade
In einigen Jahren verbunden mit Power-to-Gas-Anlagen? Bau einer Gas-Fernleitung von Gascade in Südwestdeutschland.

Die Gasnetzbetreiber wollen die Erzeugung von grünem Gas durch Strom voranbringen. Als Herren über die notwendigen Anlagen empfehlen sie sich gleich selbst.

Der neue Netzentwicklungsplan (NEP 2020) soll es bringen. Die Gas-Fernleitungsnetzbetreiber wollen der Power-to-Gas-Technologie (P2G) in Deutschland zum Durchbruch verhelfen. Ihr Verband, die FNB Gas, erstellt von diesem Frühjahr an einen „Szenariorahmen“ für den NEP 2020. „Power-to-Gas wird in diesem NEP eine deutlich größere Rolle spielen als bisher“, sagt FNB-Gas-Geschäftsführerin Inga Posch im Gespräch mit bizz energy. „Wieviel Power-to-Gas brauchen wir? Wo sollen die Anlagen stehen? Damit werden wir uns sehr intensiv auseinandersetzen.“

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Bevor aus dem Szenariorahmen der Netzentwicklungsplan für den Zeitraum 2020 bis 2030 wird, hat allerdings die Bundesnetzagentur ein Wörtchen mitzureden: Die Regulierungsbehörde erhält das Dokument zur Durchsicht und spielt der FNB Gas dann ihre Anforderungen und Änderungswünsche zurück. Auf dieser Basis erarbeiten die Netzbetreiber dann den Plan, der diesmal konkrete P2G-Investitionsprojekte enthalten soll. Erst nachdem die Bundesnetzagentur den NEP genehmigt hat, können die Unternehmen mit dem Bau der Infrastruktur beginnen.

„Marktreife Technik in Gigawatt-Größen“

Die FNB-Gas-Geschäftsführerin drängt zur Eile: „Für die Sektorenkopplung und ein zukunftsfähiges Energiesystem in Deutschland brauchen wir für die Jahre 2025 bis 2030 marktreife P2G-Technik in Gigawatt-Größen“, sagt Posch. Der Bau zusätzlicher Stromtrassen allein werde nicht reichen, um die Klimaziele der Bundesregierung zu erreichen. Deshalb sei eine tragende Rolle für P2G in einem integrierten Strom- und Gasnetz unverzichtbar, so Posch. Die „Hochlaufphase“ dafür müsse so bald wie möglich beginnen.

(Lesen Sie auch: 50 Hertz will Netzausbau Vorrang vor Power-to-Gas geben)

Die Lobbyistin hat auch schon eine Vorstellung davon, wer die Anlagen zur Produktion von Wasserstoff mithilfe von Wind- und Solarstrom und zur teilweisen Umwandlung in Methan betreiben soll: die Gas-Fernleitungsnetzbetreiber selbst. Posch argumentiert, so könnten die Verbraucher von zusätzlichen Stromkosten wegen P2G verschont bleiben. Denn falls die Übertragungsnetzbetreiber die Investitionen trügen, müssten diese über die Strom-Netzentgelte finanziert werden – zusätzlich zum laufenden Stromnetzausbau. Die P2G-Infrastruktur stattdessen aus Gas-Netzentgelten zu finanzieren, sei deshalb „ein sinnvoller Ansatz, um Energiewendekosten in den Gasmarkt zu verschieben und somit den Strommarkt zu entlasten“, sagt Posch. Konsequenz für die Verbraucher allerdings: In diesem Szenario steigen wegen höherer Netzentgelte die Gaspreise.

Kritiker sorgen sich um „Unbundling“

Erdgasnetzbetreiber, die per P2G Gas produzieren? Diese Idee kommt nicht überall gut an – beispielsweise bei Gashandelsunternehmen im Verband Deutscher Energiehändler. Die Sorge: Mit der zusätzlichen Rolle für Netzbetreiber als Herren über die P2G-Anlagen würde das gesetzlich vorgeschriebene „Unbundling“ ausgehebelt, also die Trennung von Netz und Vertrieb bei Energieversorgungsunternehmen. Posch versucht, diese Kritik zu entkräften: „Die Energie, die in die Anlagen hineingeht und wieder herauskommt, würde ja nicht uns gehören.“ Lediglich eine Umwandlungsdienstleistung wollten die Gasleitungsbetreiber anbieten.

Auch bei den Übertragungsnetzbetreibern, mit denen die Gasnetzbetreiber auf einem künftigen P2G-Markt eng zusammenarbeiten müssten, gibt es kein einstimmiges Ja zur der neuen Technologie: Während beispielsweise Tennet gemeinsam mit Gasunie und Thyssengas den Bau einer großen Power-to-Gas-Anlage (100 Megawatt) in Niedersachsen plant, warnt 50 Hertz für übereilten Schritten. Geschäftsführer Dirk Biermann will dem Ausbau des Stromnetzes Vorrang geben.

Hoffnung auf neuen Staatssekretär

Inga Posch, die mit der FNB Gas Unternehmen wie Thyssengas, Ontras, Gasunie und Gascade vertritt, fordert unterdessen von der Bundesregierung mehr Unterstützung. Die Politik, sagt sie, sehe Power-to-Gas noch als Nischentechnologie. „Da fehlt einfach der Mut, Dinge zu probieren, die nicht ins gewohnte Korsett passen.“ Bei der FNB Gas ruhen die Hoffnungen auf dem neuen Staatssekretär für Energie und Digitales im Bundeswirtschaftsministerium, Andreas Feicht, der sein Amt am 1. Februar antreten wird. Der bisherige Chef der Stadtwerke Wuppertal gilt als gut vernetzter Pragmatiker. Vorschusslorbeeren für Feicht gab es bereits vom Bundesverband Windenergie.

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Christian Schaudwet
Keywords:
Power-to-gas | Gasnetz | Stromnetz
Ressorts:

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