Wasserstoff
22.01.2020

Power-to-X: Gasgrüne Inselträume in der Nordsee

Grafik: Tractebel
Aus Meerwasser soll die Anlage auf der Plattform mithilfe von Windenergie grünen Wasserstoff herstellen.

Die Vorhaben, um mithilfe von grünem Wasserstoff Wirtschaft und Verkehr klimaneutral zu machen, werden immer gigantischer. Dänemark plant sogar eine künstliche Insel – anderswo denkt man eher an Hochseeplattformen.

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Nicht nur in Europa, sogar weltweit scheint das Projekt einmalig zu sein: Eine künstliche Insel soll nach dem Willen der dänischen Regierung in der Nordsee aufgeschüttet und mit Anlagen bestückt werden, die den per Unterseekabel angelieferten Windstrom in grüne Gase wie Wasserstoff und grüne Kraftstoffe umwandeln.

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Die Insel wird dazu mit Offshore-Windparks umstellt, die bis zu 10.000 Megawatt Leistung bringen sollen. Zum Vergleich: Deutschland verfügte Mitte 2019 gerade einmal über 6.600 Megawatt Windkraft auf See.

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Noch vor 2030 soll die „gasgrüne Insel“ in Betrieb gehen, hatte der dänische Klima- und Energieminister Dan Jørgensen dem „Spiegel“ während der Madrider Klimakonferenz erzählt. Ebenso gigantisch wie die Dimensionen sind die Kosten des Projekts, die umgerechnet bei etwa 27 bis 40 Milliarden Euro liegen sollen, wie das Nachrichtenmagazin schreibt.

„Power Island“ von Tennet und Co.

So neu ist die Idee zu einer „gasgrünen Insel“ allerdings nicht: Schon im Frühjahr 2017 rauschten Pläne des niederländischen Netzbetreibers Tennet und seiner Partner durch den Blätterwald, auf der Doggerbank, einer Untiefe in der Nordsee, eine künstliche Insel zu errichten – als Basis für einen Windpark von 90.000 bis 100.000 Megawatt, einem Vielfachen des dänischen Projekts.

Die Doggerbank-Insel namens „Power Link Island“ sollte sechs Quadratkilometer groß und rund sein, mit Hafen, Flugplatz und Unterkünfte für bis zu 2.000 Mitarbeiter. Wenn Windstrom übrig sein sollte, wollte man auch hier grünes Gas herstellen.

Das „Power Island“ hat bisher nur einen Haken, schriebt die „Welt“: Das Ganze sei bislang „erst eine Idee“ – immer noch, möchte man sagen. Die Zeitung verweist noch darauf, dass die Doggerbank ein geschütztes Flora-Fauna-Habitat der EU sei und es deswegen massiven Widerstand geben werde.

PV-Inseln sollen CO2-Bilanz verbessern

Weit in die Zukunft weist auch der Vorschlag von Forschergruppen aus der Schweiz und Norwegen zu einer Art „solarer Methanolinsel“, den sie Mitte 2019 in einer Fachzeitschrift vorstellten: Photovoltaik-Inseln mit rund 100 Meter Durchmesser, die auf der Meeresoberfläche schwimmen, spalten die Wassermoleküle in Wasserstoff und Sauerstoff und holen zugleich aus dem Meerwasser das dort reichlich vorhandene und den Ozean versauernde Kohlendioxid heraus. Die Grundstoffe reichen, um unter weiterem Energieeinsatz auf einem Spezialschiff klimafreundlich Methanol zu erzeugen. Der kann dann als grüner Treibstoff oder als Chemierohstoff dienen.

Die Inseln – geschätzter Kostenpunkt für eine einzige: rund 80 Millionen Euro – könnten dann zu ganzen Clustern mit bis zu 70 Eilanden zusammengeschaltet werden. Die Forscher träumen sogar davon, die Meere mit soviel Inseln zu bepflastern, dass sich die globale CO2-Bilanz spürbar verbessert.

In Wirklichkeit erst einmal Sandhaufen

In Wirklichkeit werden bei diesen Power-to-X-Projekten (PtX) erst einmal keine Inseln aufgeschüttet, sondern eher nur Sandhaufen. Mitte Dezember gab das dänische Energieministerium bekannt, dass es zwei große Projekte mit zusammen 17,1 Millionen Euro fördert. So wolle man die technologische Entwicklung von PtX beschleunigen.

Erneuerbare Energien seien so weit fortgeschritten, erklärte Energieminister Jørgensen dazu, dass sie selbst keine Unterstützung mehr benötigten und man sich darauf konzentriere könne, ihr enormes Potenzial freizusetzen. „Der nächste große Schritt im grünen Wandel ist die Entwicklung von Technologien, mit denen Ökostrom beispielsweise in Kraftstoffe für Busse, Flugzeuge und Schiffe umgewandelt werden kann.“

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Keywords:
grüner Wasserstoff | Power-to-X
Ressorts:
Technology | Markets
 

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