Stromvermarktung
13.12.2018

PPA statt EEG: Windbranche übt für Zeit nach der Förderung

Foto: VSB Gruppe
Premiere in Polen: Der Windpark Taczalin des Dresdner Projektentwicklers VSB wird ein neues Mercedes-Werk exklusiv mit Strom beliefern.

Anfang 2021 fallen die ersten alten Windkraftanlagen aus der EEG-Förderung. Projektentwickler wie VSB aus Dresden testen im Ausland bereits das Stromvertriebsmodell für die neue Ära.

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Wenn die Monteure des neuen Mercedes-Motorenwerks im polnischen Jawor in diesem Jahr zur ersten Schicht gehen, werden sie sehen können, wer den Strom für ihre Maschinen produziert. Der Windpark Taczalin liegt nur zehn Kilometer entfernt, seine 22 Rotoren sind mit ihren 100 Metern Nabenhöhe vom Werksgelände aus gut zu sehen. Der Betreiber, der Projektentwickler VSB aus Dresden, hat mit Mercedes-Benz einen mehrjährigen Stromliefervertrag zum Festpreis abgeschlossen, ein sogenanntes Power Purchase Agreement (PPA). „Das Projekt ist extrem wichtig für uns“, sagt Thomas Winkler, der Leiter des Transaktionsgeschäfts bei VSB. „Wir sehen Taczalin als Vorbereitung auf das, was in ganz Europa kommt.“ Der Deal ist das erste PPA in der europäischen Autoindustrie.

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Treffen sich zwei deutsche Unternehmen  in Polen und vereinbaren ein PPA – es klingt kurios, aber in Deutschland ergäbe ein solcher Vertrag, der dem Wind- oder Solarparkbetreiber ein langfristiges Auskommen und dem Industrieunternehmen Schutz vor Preissprüngen garantiert, derzeit kaum Sinn. Das Marktsegment ist noch nicht reif, PPA-Erlöse lohnen sich für Betreiber von Wind- und Solarparks im Vergleich zu bestehenden Absatzmöglichkeiten nicht: „Wenn man über das Ausschreibungssystem sechs Cent pro Kilowattstunde bekommt – wo ist dann die ökonomische Relevanz für ein Fünf-Cent-PPA?“, fragt Winkler.

In den USA rollt eine PPA-Welle

Auch beim größten deutschen Energieversorger Eon erwartet man keinen baldigen PPA-Boom: „Die Bedingungen in Deutschland sind für PPAs zurzeit nicht förderlich“, heißt es dort. Realistisch sind PPAs in Deutschland erst ab dem Jahr 2021, wenn bei den  ersten Bestandswindparks die Förderung gemäß dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) ausläuft. Für den Strom dieser Anlagen bietet sich das PPA als Vertriebsmodell an.

Der einstige Pionier Deutschland ist inzwischen auf so manchem Feld der Energiewende Nachzügler, auch beim PPA-Geschäft. Dieses nahm seinen Anfang in den USA: IT-Konzerne, die ihre Datenzentren komplett mit erneuerbarer Energie versorgen wollten, schlossen die ersten PPAs mit Stromerzeugern ab, inzwischen folgen Industrieunternehmen.

Der Trend ist eindeutig, der Zuwachs beachtlich: Allein im ersten Halbjahr wuchs das globale Volumen von Power Purchase Agreements um 25 Prozent auf 7,2 Gigawatt, ermittelte der Informationsdienst Bloomberg New Energy Finance. Davon entfiel das Gros mit 4,2 Gigawatt auf die USA, das PPA-Volumen in Europa lag bei nur 1,66 Gigawatt. Größter Einzelkunde war Facebook mit rund 1,1 Gigawatt. Die deutsche Energiebranche registriert mit wachsender Neugier, dass in den USA, aber auch in Nordeuropa ein Rekord-PPA nach dem anderen abgeschlossen wird.

(Lesen Sie auch: Grüne Datenzentren – der Norden boomt dank Wind- und Wasserkraft)

US-amerikanische IT-Konzerne wie Google, Microsoft und Amazon gehen einen Schritt
weiter: Sie bauen eigene Wind- und Solarparks. Foto: Amazon
Fabian Huneke erlebt in seinen Seminaren, wie in Deutschland das Interesse an dem neuen Stromvertriebsmodell zunimmt. „Power Purchase Agreements werden hier realistisch, sobald die Erlöse aus dem Strommarkt höher sind als die Gestehungskosten“, sagt der PPA-Experte beim Berliner Beratungsunternehmen Energy Brainpool. Er glaubt, dass der Markt zwischen 2020 und 2025 in dieses Stadium eintreten wird. „Ü-21“-Windparks seien die ersten Kandidaten für PPA, da sie altersbedingt aus der Förderung gemäß dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) fielen.

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Keywords:
Power Purchase Agreement | EEG | Windenergie
Ressorts:
Markets

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